Römershag
Pandemie

Größerer Corona-Ausbruch im Pflegeheim Schloss Römershag: Die Hintergründe

Das Pflegeheim Schloss Römershag war bislang ohne einen einzigen positiven Corona-Fall durch die Pandemie gekommen. Doch jetzt gibt es in der Einrichtung eine Vielzahl Infizierter.
Virologin warnt vor "neuem 3G"
Eine Virologin warnt nun vor dem "neuen 3G": "Geimpft", "genesen" oder "gestorben". Foto: Symbolbild: Matthias Balk/dpa

Eineinhalb Jahre kam man im Pflegeheim Schloss Römershag unbeschadet durch die Corona-Pandemie, jetzt hat die Einrichtung mit einem größeren Ausbruchsgeschehen zu kämpfen: 14 Bewohnerinnen und Bewohner sind aktuell positiv auf das Coronavirus getestet, unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind es fünf, wie Heimleiter Roberto Ranelli auf Anfrage berichtet.

Die Infizierten sind ihm zufolge bis auf zwei Personen vollständig geimpft. Die Zahl der Infizierten kann sich indes noch erhöhen, da weitere Schnelltests positiv ausgefallen sind. Am Dienstag erwarte man die Ergebnisse der zuverlässigeren PCR-Tests, berichtet Ranelli.

Corona-Ausbruch trotz hoher Impfquote

"Wir sind natürlich überrascht, zumal wir bei den Bewohnerinnen und Bewohnern mit 95 Prozent eine hohe Impfquote haben", sagt der Heimleiter. "Das Virus ist irgendwie ins Haus gekommen. Wie genau, lässt sich nicht nachvollziehen." Aus Sicht des Gesundheitsamts habe das Pflegeheim alle notwendigen Schutzmaßnahmen umgesetzt, erklärt die Pressestelle des Landratsamts auf Anfrage.

Aktuell herrscht in der Einrichtung in Römershag Besuchsverbot, zuvor galt die 3G-Regel. Da auch Geimpfte eine Viruslast in sich tragen können, sei die Regelung, dass sich nur Ungeimpfte beim Besuch eines Pflegeheims testen lassen müssen, ein großes Problem, sagt Ranelli. "Wir haben alle Angehörigen angeschrieben, sich trotzdem testen zu lassen."

Betroffen vom aktuellen Corona-Ausbruch ist im Pflegeheim ein besonderer Bereich: der der psychisch Langzeit-Erkrankten. "Es ist hier schwierig, den Bewohnerinnen und Bewohnern zu vermitteln, dass sie eine Maske tragen und Abstand halten beziehungsweise auf ihrem Zimmer bleiben müssen", berichtet Ranelli. "Wir haben seit zehn Tagen dafür eigens Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgestellt."

Überwiegend milde Verläufe der Corona-Infektionen

In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurden strikte Schutzmaßnahmen ergriffen, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) waren zur Kontrolle in der Einrichtung, wie der Heimleiter berichtet. Er hebt in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch die "sehr enge und konstruktive Zusammenarbeit" mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht Bad Kissingen hervor. Man finde hier "stets kompetente Ansprechpartner und schnelle Hilfe".

Die Krankheitsverläufe bei den Infizierten seien bisher zum Glück mild. Die Betroffenen wiesen vorwiegend geringe bis mittelgradige Erkältungs- und Grippesymptome auf. In Reihen des Personals gebe es eine Person mit starken Grippesymptomen, in Reihen der Bewohnerinnen und Bewohner habe man eine Person vorsorglich ins Krankenhaus überweisen müssen, berichtet Ranelli.

Die Lage sei vor allem für das Pflegepersonal schwierig. Aber man könne sich in dieser schwierigen Zeit auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen, was nicht selbstverständlich sei, unterstreicht der Heimleiter. "Alle Bereiche des Hauses arbeiten Hand in Hand."

Aggressivität der Delta-Variante überraschte

Generell müsse man sich überlegen, welche Maßnahmen angesichts der eher milden Verläufe gerechtfertigt seien, gibt Ranelli zu bedenken. Aber man stehe immer noch zu sehr am Anfang und wisse beispielsweise zu wenig darüber, wie sich das Virus tatsächlich verbreitet.

Vor allem die Aggressivität, mit der sich das Virus ausbreitet, habe die Verantwortlichen überrascht, berichtet er weiter und verweist auf die aggressivere Delta-Variante.

Ob eventuell auch ein bereits nachlassender Impfschutz eine Rolle spielt, ist unklar. Im Pflegeheim Schloss Römershag liefen vor dem Corona-Ausbruch bereits die Planungen für die Drittimpfungen, wie der Heimleiter berichtet. Diese Termine habe man jedoch nun erst einmal verschieben müssen.