Mittwoch, kurz vor 13 Uhr, auf dem Parkplatz vor GKN Sinter Metals: Fahnen und Zollstöcke mit IG-Metall-Logo liegen bereit; drumherum steht ein Grüppchen Gewerkschafter in roten Jacken und rotem Mundschutz. Sie warten auf ihren Einsatz.

Kurz nach 13 Uhr: Die ersten Beschäftigten strömen aus dem Firmengebäude; das Tor zum Betriebsgelände öffnet sich. Einige wenige setzen sich in ihre Autos und brausen davon; die meisten bleiben am Tor stehen.

Coronagerechte Menschenkette

Schon knarzt ein Lautsprecher. Ein Gewerkschafter ruft die GKN-Mitarbeiter auf, sich zu einer Menschenkette zu formieren. Coronagerecht natürlich, das heißt, im Abstand von jeweils mindestens 1,5 Metern und mit Maske.

Das tun die Menschen auch. Bald schlängelt sich die Kette vom Lautsprecher durch die Autos bis die GKN-Ausfahrt hinauf, mit den IG-Metall-Fahnen als zusätzlichem rot-gelben Farbtupfer mittendrin. Nun bringen unter anderem Betriebsratsvorsitzender Arno Nüchter und Werner Flierl, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg, ihr Anliegen vor.

Gewerkschaft soll beteiligt bleiben

"In erster Linie geht es darum, dass es keine Tarifaufweichung geben soll", fasst Nüchter hinterher auf Nachfrage zusammen. Die Arbeitgeber würden anstreben, dass zum Beispiel Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Nacht- und Mehrarbeitszuschläge nicht mehr in einem Tarifvertrag geregelt seien. Vielmehr sollten diese Leistungen in den einzelnen Betrieben zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten ausgehandelt werden; die Gewerkschaft bliebe außen vor. "Die Arbeitgeber nutzen die Corona-Krise aus, um tarifliche Regelungen abzuschaffen", glaubt Nüchter.

Die IG Metall fordert noch mehr: zum Beispiel eine Anhebung aller Entgelte und Ausbildungsvergütungen um vier Prozent sowie die unbefristete Übernahme aller Azubis und Dual-Studenten in ganz Deutschland. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, wird unter anderem in Bad Brückenau warngestreikt. An diesem Donnerstag ist dann Koenig & Bauer in Würzburg an der Reihe.

Sondersituation bei GKN

Gleichzeitig finden in Nordrhein-Westfalen Tarifgespräche zwischen Metall-Arbeitgebern und der Gewerkschaft statt. Bisher würden erstere für dieses Jahr eine Einmalzahlung von "mehr als 100 Euro und einen Teillohnausgleich bei Arbeitsausfall" anbieten, so Werner Flierl.

Egal, was in NRW und auch für den Tarifbezirk Bayern ausgehandelt wird: Für GKN Sinter Metals würde es vorerst nicht gelten. Weil es dem Unternehmen zuletzt nicht so gut ging, sei man "vom Tarifvertrag nach unten abgewichen", so Arno Nüchter. Details nennt er nicht, nur soviel: Die Vereinbarung startete im Januar 2020 und geht über drei Jahre. Auch herrscht im Unternehmen Kurzarbeit.

Je nachdem, ob man sich vor Ostern einigt oder nicht, stehen nach den Feiertagen "Tageswarnstreiks" auf dem Programm. Ob GKN wieder dabeisein wird, konnte Flierl noch nicht sagen. Nach 20 Minuten war der Brückenauer Warnstreik vorüber.