Wohin entwickelt sich die katholische Kirche? Ist die Corona-Pandemie gar ein Beschleuniger kirchlicher Entwicklungen? Werden reduzierte Angebote - weniger Gottesdienste, weniger Andachten, weniger Gemeindeleben - zumindest im ländlichen Raum zur neuen Normalität?

Nicht, wenn es nach Bernhard Hopf, Referent für Liturgie und liturgische Bildung des Liturgie-Referats der Diözese Würzburg, geht. Im Gegenteil, er setzt auf gottesdienstliche Vielfalt und auf ehrenamtliches Engagement von Gottesdienstbeauftragten, gerade auch in diesen schwierigen Zeiten. So soll noch in diesem Jahr ein neuer Ausbildungskurs starten.

Immer weniger Hauptamtliche

Warum werden Gottesdienstbeauftragte überhaupt benötigt? Bernhard Hopf erklärt und blickt auf die gesamte Entwicklung: "Geschuldet ist der Prozess letztendlich, dass immer weniger hauptamtliche Seelsorger*innen zur Verfügung stehen. So müssen immer mehr Bereiche der Kirche nun auch von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen geschultert werden. Dies fällt besonders auf im Bereich der Liturgie der Kirche, also bei den Gottesdiensten. Wurden diese früher nur von Pfarrern geleitet, so entwickelte sich seit vier Jahrzehnten der ehrenamtliche Dienst der Gottesdienstbeauftragten."

Seit 40 Jahren gibt es Gottesdienstbeauftragte im Dekanat Hammelburg. Frauen und Männer, die nach einer Ausbildung den Dienst der Gottesdienstleitung übernehmen. In vielen Gemeinden des Dekanates kann so regelmäßig am Sonntag Gottesdienst gefeiert werden. In manchen Pfarreiengemeinschaften entwickelten sich durch die Laien als Gottesdienstleiter*innen neue liturgische Formen, von der Kinderkirche angefangen, über Jubiläumsgottesdienste bis hin zu liturgischen Feiern mit Senioren.

Einige Gottesdienstbeauftragte konnten sich durch einen Pilotkurs der Diözese Würzburg im Jahr 2017 zum/zur Begräbnisleiter*in weiterbilden und nehmen diese pastoral wichtige Aufgabe in ihren Gemeinden seither wahr.

Ländliche Traditionen erhalten

"Die Pastoral am Rande des Bistums, im ländlichen Bereich entwickelt sich seit jeher anders als in den Städten. Denn die vielen, zum Teil kleinen Dörfer wollen ihr eigenes kirchliches Leben mit den eigenen Traditionen vor Ort erhalten. Zudem kam, dass in der Region oft hauptamtliche Seelsorger*innen wirkten, mit einem weitreichenden pastoralen Blick", so Hopf.

Von fortschrittlichen Pfarrern initiiert

1981 wurden die ersten Gottesdienstbeauftragten aus dem Dekanat durch Weihbischof Alfons Kempf in Münnerstadt beauftragt. "Der Kurs dazu wurde von fortschrittlichen Pfarrern initiiert. Diese versuchten, die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Würzburger Synode in ihrer Pastoral umzusetzen. Waren die Wortgottesdienstleiter*innen, wie sie damals hießen, zunächst nur an Sonntagen eingesetzt, wo kein Pfarrer für den Gottesdienst da war, wurden sie später auch für werktägliche Gottesdienste und zu Feiern von besonderen Anlässen gebraucht", betont Bernhard Hopf.

Hinzu komme, dass zurzeit die Diskussion um die größer werdenden pastoralen Räume durch die Entscheidungen der Diözesanleitung auf Hochtouren laufen. Nachdem in den 1990er Jahren aus den einzelnen Pfarr- und Kuratiegemeinden Pfarreiengemeinschaften wurden, werden diese nun zu noch größeren Gebilden zusammengelegt. Der Umfang eines zukünftigen pastoralen Raums umfängt ungefähr die Grenze eines Altlandkreises vor der Kommunalreform der 1970er Jahre.

Wegen Lockdowns vieles ins Internet verlegt

Seit vor rund einem Jahr der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie notwendig war, entwickelten sich neue Formen der Pastoral auch in den einzelnen Gemeinden des Dekanates Hammelburg. Vieles wurde ins Internet verlegt. Es gab mehr oder weniger professionell gestreamte Gottesdienste, Andachten und Impulse. Vieles wurde kurz vor Osten spontan aus dem Boden gestampft, um als Kirche überhaupt noch im Gedächtnis zu bleiben. Auch ehrenamtliche Gottesdienstbeauftragte bemühen sich weiterhin um vielfältige Angebote, wenn diese auch im Lockdown nur reduziert möglich sind. Dennoch soll es weitergehen und eine neue Ausbildung starten.

Die Ausbildung zum/zur Gottesdienstbeauftragten geschieht in einem liturgischen Grundkurs, der je nach der Anzahl der Teilnehmer*innen circa ein bis zwei Jahre dauert und vom Liturgiereferat der Diözese vor Ort angeboten wird. Nach der erfolgreichen Ausbildung gibt es bei über 200 Fortbildungen pro Jahr die Möglichkeit, das Knowhow ständig aufzufrischen.

Auch großer Einsatz in der Ökumene

Zurzeit gibt es im Dekanat Hammelburg rund 65 Frauen und Männer, die den Dienst der Gottesdienstleitung versehen. Diese wurden dafür geschult, dass sie eine Vielfalt von Gottesdiensten in ihren Gemeinden anbieten können. Auch wenn hier noch viele Möglichkeiten ungenutzt sind, gibt es doch eine gute Auswahl von Gottesdienstformen, wie z.B. das Taizégebet, den "Anderen Gottesdienst", Wohnzimmergottesdienste, Meditationsgottesdienste und seit der Zeit der Pandemie Online- und Streaming-Angebote verschiedener Liturgien.

Auch sind die ehrenamtlichen Liturg*innen nicht mehr aus dem ökumenischen Geschehen wegzudenken: Denn gerade Frauen oder Männer, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben und im liturgischen Dienst arbeiten, leisten hier gute integrative Arbeit für die verschiedenen Konfessionen.

Gute Erfahrungen

Wie in vielen Pfarreiengemeinschaften wurden sehr gute Erfahrungen mit dem Dienst der Gottesdienstbeauftrageten im Oberen Sinngrund gemacht. Zurzeit läuft hier ein Ausbildungskurs, schon der neunte in den vergangenen 40 Jahren. Teilnehmer*innen aus dem ganzen Landkreis sind dabei und werden befähigt, in ihren Gemeinden und Gruppen Gottesdienste anzubieten.

Anmelden zu neuem Kurs

Im Blick auf den Pastoralen Raum Bad Brückenau (BRK), zu dem dann die Pfarreingemeinschaften St. Georg-Bad Brückenau, Maria Ehrenberg, Schondra-Oberleichtersbach und der Obere Sinngrund gehören, soll noch in diesem Jahr ein neuer Ausbildungskurs zum/zur Gottesdienstbeauftragten gestartet werden. Gesucht werden dazu Männer und Frauen, die im christlichen Glauben Akzente setzen wollen und sich für eine Kirche nahe an den Menschen engagieren wollen.

Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Bistums Würzburg oder per E-Mail unter bernhard.hopf@bistum-wuerzburg.de