"Wo der Klimawandel ein Gesicht bekommt, das sind unsere Wälder". Erste Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos) nannte die Situation in der jüngsten Gemeinderatsitzung "erschreckend" angesichts der vielen braunen Flecken, die die abgestorbenen Borkenkäferfichten böten.

Diplom-Forstwirt Arno Becker kümmert sich seit Jahren um den 27 Hektar großen Mottener Gemeindewald und berichtete, dass 2020 in den Gemeindewaldteilen Lämmergraben, Am großen Rasen, Vorderer Horst und Schäfereifeld auf einer Fläche von etwa 16 Hektar insgesamt circa 670 Festmeter Käferholz gefällt und abtransportiert werden mussten.

Nach drei trocken Jahren standen sowohl die Fichten, als auch die Buchen "unter ganz großem Wasserstress". Darüber, welche Baumarten die richtigen für den Wald der Zukunft sind, seien sich auch die Experten nicht sicher, so Becker.

Förderung dank Zertifikat

Für die Wiederaufforstung seien vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt für den Bereich Vorderer Horst 1800 Douglasien und Rotbuchen und für das Schäfereifeld 2225 Douglasien und Buchen sowie 6775 Eichen und Buchen vorgesehen. Das im März dieses Jahres erlangte PEFC-Zertifikat sorgt zwar zur eine Förderung von 100 Euro pro Hektar, verpflichtet jedoch auch zur Einhaltung der Grundsätze zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern.

Gemeinderat Steffen Herbert (WG Motten) bemängelte an den für die Wiederaufforstung vorgesehenen Bäumen den geringen Anteil an Nadelhölzern. Laubbäume wüchsen langsam und brächten erst langfristig einen Ertrag.

Der Wald sei nicht nur ein Wirtschaftsgut, antwortete Arno Becker, auch auf die Frage von Gemeinderat Rudi Will (WG Motten), ob die Gemeinde den Wald verkaufen könne. Dies sei für Becker "nicht der richtige Ansatz". Zwar habe man das Jahr 2020 "plus minus null" abgeschlossen, doch habe ein Wald auch die Aufgabe der Erholung und der Wassergewinnung - der Gemeindewald sei auch Einzugsgebiet eines Brunnens. Daher habe die Gemeinde die Verantwortung, den Wald zu erhalten.

Eichprozessionsspinner

Neben dem Borkenkäfer machte 2020 auch der Eichenprozessionsspinner von sich reden. Bei der Oberen Ziegelhütte war ein Schwerpunkt, der gekennzeichnet und abgesperrt wurde. Die Nachbarn und Tierhalter wurden informiert, die Brennhaare und Gespinnste der Falter können zu allergischen Reaktionen führen. Nur bei öffentlichen Plätzen oder Stellen wie Schulen oder Kindergärten, wo Menschen direkt betroffen sind, sei eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners möglich, erläuterte Becker.

Wahlvorbereitung

Die vergangenen Jahre haben einen Anstieg an Briefwählern erkennen lassen, im vergangen Jahr hatte Corona diesen Trend noch verstärkt, so Katja Habersack. Trotz dieser Tendenz will die Gemeinde "so lange wie möglich in jedem Ortsteil ein Wahllokal anbieten".

Besonders für Speicherz stellt sich schon seit Längerem die Problematik, dass zu wenige Wahlberechtigte ihre Stimme direkt im Wahllokal abgeben könnten. Unter Umständen müsse, um das Wahlgeheimnis wahren zu können, zusammen mit den Stimmen in Kothen ausgezählt werden. Der Gemeinderat einigte sich auf die Beibehaltung der Stimmbezirke Speicherz, Kothen und Motten sowie eines Briefwahlbezirks. Zudem folgten die Räte den gesetzlichen Vorgaben zum Erfrischungsgeld in Höhe von 35 Euro für den Vorsitzenden und 25 Euro für jedes weitere Mitglied des Wahlvorstands.

Habersack appellierte an die Mottener Bürger, sich als Wahlhelfer zu melden. Einzige Anforderung sei, dass man selbst wahlberechtigt sein muss.

Erneut abgelehnt

Erneut standen zwei Bauvoranfragen zur Diskussion, obwohl diese vor zwei Monaten bereits geführt und vom Gemeinderat abschlägig entschieden worden waren. In der Zwischenzeit hat jedoch das "übliche Prozedere" stattgefunden. Die Baugenehmigungsbehörde des Landratsamts Bad Kissingen hat ihre rechtliche Einschätzung der Gemeinde Motten mitgeteilt. Die Bauvoranfragen seien genehmigungsfähig.

Der damals wie auch aktuell strittige Punkt ist die Eingliederung in das Ortsbild. Die Gemeinderäte waren nach wie vor mehrheitlich der Ansicht, dass die geplanten Mehrfamilienhäuser nicht nach Kothen passen, der Sachstand habe sich ja auch nicht geändert. Dass die Fundamentarbeiten bereits durchgeführt werden dürfen, bestätigte Katja Habersack. Eine Entscheidung sei hier "schwierig. Ich teile die Bedenken uneingeschränkt. Als Erste Bürgermeisterin fühle ich mich aber an die rechtliche Bewertung gebunden".

Sie betonte auch, dass jedes Gemeinderatsmitglied "frei in seiner Entscheidung" sei. Zur Abstimmung standen erneut zwei Varianten, einmal mit einer Tiefgarage unter dem gesamten Grundstück, einmal unter Einbehaltung des Mindestabstands zu den Grundstücksgrenzen. Im ersten Fall stimmte niemand dafür, im zweiten Fall drei Räte. Die gemeindliche Genehmigung wurde also erneut verweigert. Auch das zweite Mehrfamilienhaus wurde mit neun zu zwei Stimmen abgelehnt.

Auch für den Bauantrag für eine Garage in Kothen stellte die Rathauschefin zwei Varianten zur Abstimmung. Strittig war der Befreiungsantrag zum verringerten Abstand zur Straße. Nur ein Gemeinderat stimmte für den eingereichten Bauantrag mit Befreiungsanträgen bezüglich Pultdach, größerer Garagenfläche, größerer Wandhöhe und besagtem Drei-Meter-Abstand zur Straße. Einstimmig wurde die Variante genehmigt, die diesen letzten Befreiungsantrag ausschließt.