"Es geht voran. Wir sind weitgehend im Zeitplan", sagte Kurdirektorin Andrea Schallenkammer während eines Pressetermins auf der Baustelle. Bis zum Spätsommer soll die rund 3,6 Millionen Euro teure Gesamtmaßnahme, die in Einzelabschnitten nach einer exakten Chronologie über die Bühne geht, abgeschlossen sein. "Das Dach mit der neuen Blitzschutzeinrichtung ist fertig, jetzt können wir die nächste Etappe in Angriff nehmen."

Fenster mit Energieeinsparung und Optik

Ein wesentlicher Bestandteil der Generalsanierung sind nämlich die Fenster. Dabei geht es laut Schallenkammer aber nicht nur um den einfachen Austausch der Scheiben, eine große Rolle spielen die Faktoren Energieeinsparung und Optik. So kommt an den 33 Einzelelementen, die in der Mehrzahl eine Höhe von 5,30 Metern und eine Breite von 3,10 Metern haben, sogenanntes Wärmefunktionsisolierglas zum Einsatz. Auf eine separate künstliche Beschattung, so die Chefin der Staatlichen Kurverwaltung, sei "nach intensiven Diskussionen" bewusst verzichtet worden. Die Scheiben werden lediglich mit einer dezenten Tönung versehen, "die man mit dem bloßen Auge gar nicht wahrnimmt".

Tiefe und Schönheit des Wandelhallenbaus

Schon nach dem Einbau der ersten neuen Elemente, die alle spezielle Einzelanfertigungen sind, wird für den Betrachter deutlich, dass sich die hohen Glastüren mit ihren filigranen Sprossenfenstern auf beiden Seiten der Halle zum Hingucker entwickeln werden. Sie lassen sich ohne große Kraftanstrengung in Sekundenschnelle nach dem Ziehharmonikaprinzip komplett öffnen und vermitteln dem Besucher künftig den Eindruck, dass er unmittelbar mit der Natur draußen eng verbunden ist. Nostalgisches Flair und modernste Technik bilden hier eine ideale Symbiose. In Zukunft sollen nach dem Willen der Verantwortlichen nämlich wieder die Tiefe und die Schönheit des Wandelhallenbaus, der schon 1950 in einem Zeitungsartikel als "vollendete Lösung" beschrieben wurde, mehr in den Vordergrund rücken.

Bei Hitze "Fenster auf"

Im Gespräch mit der Kurdirektorin fällt immer wieder das Schlagwort Natürlichkeit. Dieser Begriff zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Abschnitte der Sanierungsmaßnahme und wird auch auf dem Sektor der Klimatechnik nicht außer Acht gelassen. Hier hat man sich für eine Art Minimallösung entschieden. "Unsere gute Luft muss nicht zusätzlich durch eine spezielle Anlage gejagt werden, schließlich sind wir nicht in Dubai oder Singapur, sondern in der herrlichen Rhön", schildert Schallenkammer recht plakativ die Intention bei der Konzepterarbeitung. Konkret bedeutet das, dass zwar eine gewisse Grundbelüftung mit technischen Hilfsmitteln vorhanden sein wird, bei entsprechenden hohen Temperaturen heiße die Parole aber ganz einfach "Fenster auf".

In einer klaren Linie, ergänzt durch liebevolle und optisch ansprechende Details, soll sich die Wandelhalle im Staatsbad nach der Generalsanierung präsentieren. Dabei sind die Rückkehr zum ursprünglichen Charakter des Objekts und weit mehr als nur ein Hauch von Nostalgie durchaus gewollt.

Statt Musterbuch ein Musteranstrich

Nichts wird dem Zufall überlassen. Als Beispiel, wie intensiv sich das Personal der Kurverwaltung und die Fachleute vom Bau gemeinsam mit der gesamten Materie auseinandersetzen, sei an dieser Stelle die spätere Farbgebung im Innen- und Außenbereich genannt. "Bevor hier endgültig etwas entschieden wird, lassen wir an markanten Stellen erst einmal diverse Musteranstriche anbringen, um uns ein realistisches Bild machen zu können", beschreibt Schallenkammer das weitere Prozedere. Denn in der Praxis bei natürlichen Lichtverhältnissen, so ihre Erfahrung, würden die Nuancen der Colortöne doch häufig ganz anders aussehen als bei der Betrachtung im Musterbuch.