Die "Tafel Bad Brückenau" hat eine neue Vorsitzende: Susanne Wasserbauer folgt auf Hans-Jürgen Schelle, der das Amt acht Jahre inne hatte, "altersbedingt die Präsidentschaft aber nun in jüngere Hände legen" wollte.

Vize-Chef bleibt Klaus Hartmann - "für mindestens zwei weitere Jahre", wie er auf der Jahreshauptversammlung im Evangelischen Gemeindehaus den (18 von insgesamt 93 anwesenden) Mitgliedern des eingetragenen Vereins sowie dem Führungsteam versprach. Das setzt sich außerdem nach den von Max Mölter geleiteten Wahlen wie folgt zusammen: Kassierin Maria Heindorf, Schriftführer Otto Leidenberger, Beisitzende Jutta Leidenberger und Helmut Sharp, Kassenprüfer:innen Hetta Oschlies und Hermann Liebig. Alle Wahlen liefen per Akklamation einstimmig ab - mit den jeweiligen Enthaltungen der Neu- oder erneut Gewählten.

360 Stunden für Laden-Umbau

"Logistik-Genie" Hartmann (O-Ton Mölter) berichtete von 73 ehrenamtlichen Helfern, die bei 41 Wochenausgaben Einsatzzeiten von insgesamt 2800 Stunden leisteten. Der "Ladenumbau" im Zuge des Tafel-Umzugs vom ehemaligen Landratsamt in das neue Gebäude in der Dr. Gartenhofstraße 6 belief sich dabei allein auf 360 Stunden durch 20 Freiwilligenkräfte. Die Fahrleistungen der Tafel-Autoflotte um "Fiat" und "Mercedes-Sprinter" summierten sich auf 6793 Kilometer. An Waren kamen über Großspenden 10 454, von Märkten 8000 Kilogramm zusammen. "Allen Helfer:innen vielen, vielen Dank. Auf ein Neues", sagte Hartmann.

Kassiererin Heindorf berichtete von einer - situationsbedingt - allgemein großen Spendenfreude. Allein an Corona-Hilfen seien 29 141 Euro, von weiteren Großspendern wie der "Aktion Mensch" (12 000) der "VR Bank Bad Kissingen" (2500), den "Lions Hammelburg" (2000) und der "Tafel Deutschland" (1000) sowie Lebensmittelspenden (4500), Privat (7643) und über gerichtlich angeordnetes "Strafsachen-Sponsoring" (1300) eine stattliche finanzielle Unterstützer-Summe auf das Brückenauer Tafel-Konto geflossen. Als größter Ausgabenposten schlug der Tafel-Umzug mit fast 9000 Euro zu Buche. Für ihre tadellose Kassenführung wurden die Kassenwartin und folglich auch der Vorstand einstimmig von den anwesenden Mitgliedern entlastet.

Nummern gegen Warteschlangen

Seit fast einem Jahr ist die "Tafel" mittlerweile in ihren neuen Räumlichkeiten, die Bedürftigen haben sich auch an die veränderten Ausgabezeiten von 15 bis in der Regel 16.30 Uhr gewöhnt. Längere Wartezeiten und -schlangen lassen sich durch die Ausgabe von Nummern und entsprechende Disziplin unter den Lebensmittel-Abholern - gerade in Pandemiezeiten - so vermeiden. Zwei kranke Kunden werden zudem wöchentlich direkt Zuhause versorgt.

Die Neuanschaffung von zwei Raumluftreinigern im Gesamtwert von 2800 Euro und die Einhaltung der bekannten Hygienevorschriften sorgten bei der Ausgabe für entsprechenden Schutz und Sicherheit. Gleichwohl war in der Hochzeit der Pandemie von 16. Dezember 2020 bis 13. Januar 2021 die Ausgabe von Lebensmitteln ausgesetzt.

Tüten-Aktionen

Zwei so genannte "Tüten-Aktionen" mit den Discountern "Edeka" und "Rewe" wurden im vergangenen Jahr durchgeführt, die mit "tegut" kurz vor Weihnachten musste wegen der hohen Infektionszahlen leider abgesagt werden. Gleichwohl konnte durch diese Events das "Tafel-Lager" gut aufgefüllt werden. Auch das "Helfer-Essen" fiel coronabedingt aus, soll aber baldmöglichst, "am besten noch im Sommer, vor der nächsten Infektionswelle", wie Diakon Kim Sell vorschlug, nachgeholt werden.

Für die Kommune sprach Stadträtin Monika Wiesner Dankesworte an den scheidenden Vorsitzenden aus. "Hans-Jürgen Schelle hat eine Spitzenarbeit geleistet, es funktionierte bestens, gerade zuletzt in schwierigen Zeiten hat er allen Turbulenzen getrotzt." Der neuen Vorsitzenden wünschte sie "eine ebenso glückliche Hand. Wendet euch an mich und die Stadtverwaltung, wenn es Fragen und Probleme gibt", so ihr Appell an das Tafel-Team, das künftig noch enger und strukturierter in kleineren und mehr Gruppeneinheiten zusammenarbeiten will.

Die "frisch gekürte Präsidentin" Susanne Wasserbauer will die vertrauensvolle interne Zusammenarbeit in der Tafel Bad Brückenau fortführen und bat um tatkräftige Unterstützung durch die Vereinsmitglieder und ehrenamtlichen Helfer:innen. "Wenn ich zurückblicke und verfolge, wie das durch die "Urmutter" und Tafel-Gründerin Jutta Leidenberger anfangs und zuletzt durch die beiden Herren Schelle und Hartmann hochprofessionell gelaufen ist, dann soll das auch in Zukunft unter meiner Führung so weitergehen. ... Jetzt steht wieder eine Dame in maßgeblicher Verantwortung an der Spitze der Tafel Bad Brückenau."