Das ehemalige Bahnhofsgelände in Zeitlofs ist eine Brache mitten im Ort, die allerdings ein hohes Potenzial hat, um den Ort aufzuwerten. Die nahezu unmittelbare Nähe zum Altort und Marktplatz, die direkte Anbindung an den Rhön-Express-Radweg und die Nähe zur Schule bietet ideale Voraussetzungen, um nicht nur eine Freizeitanlage entstehen zu lassen, sondern auch den künftigen Kindergarten zentral unterzubringen. Die Fläche befindet sich im Sanierungsgebiet, was Grundlage für eine städtebauliche Förderung sei. Dem Gemeinderat wurde von Vertretern des Planungsbüros Schirmer, Würzburg, die Rahmenplanung für diese zentral gelegene Fläche vorgestellt.

Viele Ideen und Wünsche

Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ist das ehemalige Bahnhofsgelände ebenfalls ein wichtiger Baustein der Entwicklung Zeitlofs. In die Rahmenplanung haben die Planer, Lukas Hoch und Nina Hofmann, eine Vielzahl an Funktionen aufgenommen. Die Ideen und Wünsche für die künftige Nutzung stammen aus Bürgerworkshops und Online-Beteiligungsmöglichkeiten der Bevölkerung. 156 Beiträge gingen von 24 Personen ein, 68 Pins wurden auf der Ortskarte gesetzt und 88 Kommentare geschrieben. Drei Themen kristallisierten sich heraus: Mobilität und Verkehr, Ortsbild und öffentlicher Raum, Leben und Freizeit.

Anbindung an den Altort

Die Rahmenplanung sieht nun folgendes vor: Eine Anbindung an den Altort wird vorgeschlagen mit Verbindung zur örtlichen Metzgerei, die eine Aufwertung erfahren könnte. Der Bereich der oberen Judengasse könnte neu gestaltet werden, der Bach geöffnet und mit einem Übergang für Fußgänger versehen werden. Vom Radweg soll es Abfahrten zum Ort geben, um Radfahrer einzuladen, in Zeitlofs Halt zu machen und einzukehren. Der bestehende Parkplatz könnte optisch neu gestaltet und geordnet werden. Auf dem Buchgrabenplatz neben dem Parkplatz könnte ein Aufenthaltsbereich mit Sitzgruppen entstehen. Für Radfahrer wäre eine E-Bike Ladestation wie auch eine Fahrrad-Reparaturstation denkbar. Insgesamt wird vorgeschlagen, die Radinfrastruktur in Zeitlofs auszubauen. Um an die ehemalige Geschichte als Bahnhof und Bahnhofsgelände zu erinnern, wird ein Waggon-Bereich vorgeschlagen, wobei die Nutzung vielfältig sein könnte.

Kindergarten das Hauptprojekt

Hauptprojekt auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände werde der neue Kindergarten sein. Auf 1100 Quadratmetern für das Gebäude und 1450 Quadratmeter Außengelände könnte ein moderner, zeitgemäßer und naturnaher Kindergarten entstehen mit direkter Anbindung an die Zeitlofser Grundschule. Ein Leerstand in unmittelbarer Nähe des Gelände könnte zur "Co-Working-Zentrale-Zeitlofs" ausgebaut werden. In dem Gebäude könnten Tische beziehungsweise Räume als Homeoffice-Arbeitsplätze angemietet werden.

Grünflächen in der Diskussion

Die Rahmenplanung für das ehemalige Bahnhofsgelände stieß nicht bei allen Gemeinderäten auf Begeisterung. Alexander Kessler monierte die vielen Grünflächen, in denen er enorme Folgekosten an Pflege und Unterhalt auf die Gemeinde zukommen sieht. Lukas Hoch erklärte, dass es sich um eine Rahmenplanung und keinen Entwurf handele. Erst in einer Entwurfsplanung werde festgelegt, welche Grünflächen in welcher Form umgesetzt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es zu früh, die Grünflächen zum Thema zu machen. Bürgermeister Matthias Hauke sah in der Rahmenplanung eine sehr gute Vorlage, um den Hauptort der Gemeinde Zeitlofs aufzuwerten. "Ziel ist, den Hauptort attraktiver zu machen, das ist eine Voraussetzung für einen funktionierende Gemeinde. Nur dann funktionieren auch die Ortsteile."

Rahmenplanung angenommen

"Es ist eine Rahmenplanung vom Feinsten, auf der man sehr gut aufbauen kann", sagte Eva Kusebach (Städtebauförderung Regierung von Unterfranken). Sie legte den Gemeinderäten ans Herz, die Rahmenplanung in Ruhe durchzuschauen. Da sich die Flächen im Eigentum des Markts Zeitlofs befinden, seien die Maßnahmen schnell umzusetzen. Mit zwei Gegenstimmen wurde die Rahmenplanung angenommen.

Debatte über den Kindergartenstandort Zeitlofs

Die Zeitlofser Gemeinderäte haben sich mehrheitlich für das ehemalige Bahnhofsgelände als Standort für den künftigen Kindergarten entschieden. Leicht ist diese Entscheidung nicht jedem Mitglied des Gremiums gefallen. Teils wurde - zumindest im Vergleich zur bisherigen Diskussionskultur im Zeitlofser Gemeinderat - emotional und durchaus heftig diskutiert. Bürgermeister Matthias Hauke sprach schließlich Tacheles und erinnerte die Gemeinderäte an ihre Funktion, zum Wohle der Gesamtgemeinde tätig zu sein und nicht die persönliche Interessen und Einzelinteressen von Bürgern zu vertreten, die durchaus lautstark gegen etwas protestieren.

Der Markt Zeitlofs plant einen zentralen Kindergarten neu zu bauen. Die bisherigen Einrichtungen in Zeitlofs und Weißenbach sollen aufgegeben werden. Alexander Kessler (Detter) positionierte sich gegen den Standort Zeitlofs für den Kindergarten. Seiner Ansicht nach sei Rupboden zentraler und damit der, für die Eltern, bessere Standort. Komme der Kindergarten nach Zeitlofs, müssen Eltern aus dem am entferntesten gelegenen Detter drei Kilometer mehr fahren und bis zu 700 Euro Mehrkosten für Fahrten im Jahr ausgeben. Bei immer weiter steigenden Spritkosten sei dies nicht zumutbar. Bürgermeister Hauke sieht in Zeitlofs den optimalen Standort. Die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule könne optimiert werde. Auch was die künftige Nachmittagsbetreuung angehe, sei es über einen Hort oder die Ganztagsschule, sei die örtliche Verbindung von Schule und Kindergarten ideal. Zudem sei auf diese Weise die Schulturnhalle sei unkompliziert mit zu nutzen. Er warf Kessler "Panikmache" vor. "Man kann auch etwas Gutes kaputt reden." Auch Eva-Maria Weber (Rupboden) sprach sich gegen den Standort Zeitlofs aus und verwies auf die zeitliche Komponente für die Eltern aus Detter, da die Fahrstrecke nach Zeitlofs länger sei als nach Rupboden. Sie sprach von 40 bis 45 Minuten Fahrzeit hin und zurück. Laut Google-Maps dauert die einfache Fahrt von Detter nach Rupboden sieben Minuten, von Detter nach Zeitlofs elf Minuten. Zeitlofs' Kindergartenleiterin Anna Wrobel legte die pädagogischen und organisatorischen Vorteile des Standorts Zeitlofs dar. "Die Kinder wachsen in die Schule hinein." Die Argumentation um die Fahrkosten sah sie als unnötig an. Im Blickpunkt müsse die ideale Kooperation mit der Schule stehen. Für die Erzieher sei es deutlich leichter, wenn die Schule zu Fuß zu erreichen sei und keine Fahrten organisiert werden müssen. Auch sei es dann unkompliziert möglich, dass sprachliche Angebote der Schule vor Ort von den Kindern in Anspruch genommen werden können und sie nicht wie jetzt nach Bad Brückenau müssen.

Fahrtkosten ausgleichen?

Torsten Hereth (Zeitlofs) ist Kindergartenbeauftragter des Gemeinderates. Er favorisiert den Standort Zeitlofs. "Der Kindergarten gehört zur Schule und nicht aufgeteilt auf die Ortsteile. Es ist die erste Maßnahme, die wir umsetzen sollten." Der stellvertretende Bürgermeister Volker Roth (Roßbach) sieht es als Chance für die Bildung und Betreuung der Kinder, den künftigen Kindergarten in Zeitlofs anzusiedeln, auch wenn es für manche Eltern gefühlt einen Nachteil mit sich bringe. Er schlug vor, dass diese finanzielle Mehrkosten der benachteiligten Eltern über die Elternbeiträge ausgeglichen werden. Anja Strigl-Wittmann (Roßbach) sah die Fahrkosten nicht als Problem, da Familien Kinder in Kindergarten und Schule haben und ohnehin auch zur Schule nach Zeitlofs gefahren werde. Eva Kusebach (Städtebauförderung Regierung von Unterfranken) wunderte sich, dass Kritik über den Kindergartenstandort aufkam. "Der Standort ist das Ergebnis der Bürgerbeteiligung", verwies sie. Alexander Kessler monierte, dass diese Vorteile bisher nicht kommuniziert worden seien. "Ich höre das erste Mal Argumente, warum der Kindergarten nach Zeitlofs gehört." Bürgermeister Hauke und Geschäftsstellenleiter Tobias Fritzmann verwahrten sich gegen diesen Vorwurf. "Diese Unterstellung ist eine Frechheit", so Hauke. Schon bei der Vorstellung der ISEKs seien die Vorteile des Standorts und der Bündelung von Funktionen aufgezeigt worden. Natürlich gab es jetzt noch tiefere Informationen, auch zu den pädagogischen Vorteilen, nachdem das Thema konkret auf die Tagesordnung kam.

Kritik über Abstimmungsverhalten

Zeitlofs' Bürgermeister Matthias Hauke machte seinem Unmut über das Abstimmungsverhalten einiger Gemeinderäte und ihrer Auffassung von ihrem Amt als gewählte Gemeinderäte Luft. Am Dienstag vor einer Woche wurde die Freiflächenphotovoltaikanlage zwischen Detter und Weißenbach vom Gemeinderat abgelehnt. Wie diese Redaktion bereits berichtete, sprachen sich die Gemeinderäte durchaus dafür aus, dass eine Energiewende notwendig sei, sie wollten aber keinen Beitrag vor der eigenen Haustüre dafür leisten. Damit hören sie auf die Stimmen von 238 Bürgern, die sich bei einer Unterschriftenaktion gegen die Anlage aussprachen.

Auf diese Situation bezog sich Bürgermeister Matthias Hauke nun bei der Diskussion um den Standort des künftigen Kindergartens. Es hatte erneut den Anschein, dass die Interessen einzelner Bürger in den Vordergrund gerückt wurden, statt das große Ganze zu sehen. "Nicht immer die Belange Einzelner in den Vordergrund stellen. Als Gemeinderäte habt ihr die Verpflichtung, die Gemeinde ordentlich voran zu bringen. Wir müssen davon wegkommen auf zwei, drei Bürger zu hören, die lautstark meckern." Die Frage, "Was ist das Beste für die gesamte Gemeinde?", müsse Basis der Entscheidungen des Gemeinderates sein. "Ihr seid von den Bürgern für die Gemeinde gewählt", so Bürgermeister Hauke.