500 Meter lang ist das Gelände, durch das der Rhönexpress-Radweg in Bad Brückenau verläuft. Für die Touristen bietet sich - jetzt im Frühling - noch immer ein unschönes Bild. Abgestellte Fahrzeuge und Schutthaufen verleiten die Radfahrer nicht zum Anhalten. Seit vier Jahren gehört die Fläche der Stadt, doch passiert ist offensichtlich nicht besonders viel.

"Wir wissen überhaupt nicht, wie es hier weitergeht", beklagt Gisela Ullmann vom Hotel Ursula, das direkt neben dem Bahnhofsgelände liegt. Seit Jahren beschweren sich die Gäste, dass hier eine ungenutzte, freie Fläche sei. "Das Areal könnte so schön sein mit dem Radweg, der sehr gut von Einheimischen und Touristen genutzt wird", weiß sie aus Erfahrung.

Abstellplatz

Doch das Gegenteil passiere. Immer mehr Lkw nutzten die Fläche als Parkplatz, immer mehr Erd- und Kieshaufen entstünden. Bis zu sechs große Fahrzeuge habe sie bereits dort gezählt. Dazu kämen obszöne Beschriftungen am Bahnhofsgebäude. "Das gibt kein gutes Bild", sagt Ullmann verärgert.

Die Stadt plant - wie in der Haushaltsberatung besprochen - 1,5 Millionen Euro für die Neugestaltung des Bahnhofsgeländes in den kommenden Jahren ein. "Recht zügig und noch in diesem Jahr sollte nun das öffentliche Ausschreibungsverfahren gestartet werden", mahnt Kämmerin Julia Spahn an, wegen der zu erwartenden Förderung im Rahmen des Programmes Stadtumbau West.

Tor zur Stadt

Zum Hintergrund: Das Planungsbüro Schlicht Lamprecht - von der Stadt beauftragt - stellte im Jahr 2020 einen Rahmenplan für das Bahnhofsgelände öffentlich vor. Dort ist eine klare Richtung zu erkennen. Das Areal soll als Eingangstor zur Innenstadt fungieren und die Touristen und Radfahrer sozusagen dort abholen.

Es hat die Funktion eines Verkehrsknotens mit Busbahnhof und Parkplätzen, ist Bindeglied zum Kurpark und soll beispielsweise mit Info-Container, Aktions- und Aufenthaltsflächen ausgestattet werden, heißt es darin.

Klare Linie

Das Empfangsgebäude solle stehen bleiben und mit WC und Bistro ausgestattet einen Aufenthaltsort darstellen. Daneben komme eine Überdachung für Fahrräder und ein Wohnmobil-Stellplatz nebenan. Der Rahmenplan legte also - das lässt sich zumindest so herauslesen - eine ganz klare Linie vor.

Behält der Rahmenplan, knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung, noch seine Gültigkeit? Fakt ist, dass seitdem einige unvorhersehbare Umstände dazukamen. Da war der plötzliche Umzug der Tourist Information in die Georgi Halle wegen Schimmel im Alten Rathaus.

Grundlage für Planung

Dazu kommt, dass der Georgi-Kurpark und die Kurhalle, bisher mit im Plan berücksichtigt, aus dem Haushalt vorerst gestrichen wurden. Und ganz kurzfristig zog die Stadt einen Container-Kindergarten auf dem Gelände an der Düsseldorfer Straße hoch.

Dass der Rahmenplan, der diese Faktoren logischerweise nicht berücksichtigt, nun umsonst angefertigt wurde, das verneint Kämmerin Julia Spahn. "Er gibt eine grobe Nutzung vor, aber in Stein ist das nicht gemeißelt", betont Spahn.

Zudem sei er Fördergrundlage für die Regierung und fließt in die Planung mit ein. Weil das VGV-Verfahren - also das öffentliche Ausschreibungsverfahren - ein immenser Verwaltungsaufwand sei, soll sich ein externes Planungsbüro damit befassen. Das soll nun bald in die Wege geleitet werden. Davor muss der Stadtrat noch dem Haushaltsentwurf zustimmen.

INFOKASTEN

Geschichte 1891 fuhr die erste Bahn über die Schienen. Stillgelegt wurde sie endgültig 2005. Anschließend fand eine Zerreißprobe um den Verkauf des Bahnhofsgeländes statt. Bad Brückenau zeigte Interesse an dem Gelände. Nach gescheiterten Reaktivierungsversuchen erwarb die Stadt im August 2018 schließlich das Areal zwischen Düsseldorfer Straße und Buchwaldstraße.

Planung Kurz darauf fingen die Planungen an, auch die Bevölkerung wurde mit ins Boot geholt. Am 27. September 2019 fand dazu ein Bürgerworkshop statt. Das Ergebnis wurde kurz darauf in nichtöffentlicher Stadtratssitzung besprochen. Im August 2020 stellten die Architekten Schlicht/Lamprecht aus Schweinfurt den Rahmenplan in einer öffentlichen Sitzung des Stadtrates vor. Seitdem gibt es immer wieder Ideen für eine mögliche Nutzung der Bahnhofshalle beispielsweise durch den Kegelverein oder die Tourist Information.