Russland, Mongolei und Zentralasien: "Im Osten haben wir ja schon alles abgegrast", begründet Wolfgang Fläschner, weshalb er sich heuer den Iran als Reiseziel vorgenommen hat, und: "Wir wollten vor Ort mal schauen, ob das Bild in den Medien stimmt." Wir, das sind der Bad Brückenauer Wolfgang Fläschner (53) sowie die Abenteurer Martin Scheerer (58) und Henning Willig (57) aus Süddeutschland. 30 Tage und 14 000 Kilometer waren sie unterwegs, um Land und Leute im Iran zu erkunden.

Mit der 22 Jahren alten BMW

Rund sechs Wochen haben die Vorbereitungen gedauert, berichtet Fläschner: "Für das Visum braucht man Beziehungen, das ist etwas kompliziert." In einem Reisebüro in München wurde er schließlich fündig. Wegen der zu erwarteten Temperaturen kam nur der Frühsommer in Betracht: Fläschner startete mit seiner BMW Baujahr 1993, weil sie robust und einfach zu reparieren ist. "Über den Balkan und die südliche Türkei sind wir über die kurdischen Gebiete der Türkei an die Grenze zum Iran angekommen", erzählt Fläschner, und: "Erstaunlich war, dass trotz Wirtschaftsembargo gegen den Iran an der Grenze weit über tausend Lkw auf die Abfertigung warteten."
Das Bild vom Schurkenstaat Iran wurde schnell widerlegt: Die erste Station Tabriz sei eine pulsierende Stadt: "Die Menschen, aber auch Polizei und Militär waren freundlich und neugierig", erinnert er sich an viele Gespräche - auch mit Iranern, die gut Deutsch sprachen. Bei ihren Stopps seien sie oft von 30 und mehr Menschen umringt gewesen. "Wir haben auf unseren Reisen selten so viele nette, offene und freundliche Menschen erlebt."

Niedriges Durchschnittsalter

"Deutschland hat ein gutes Renommee, nicht nur unsere Produkte, sondern auch der politische Beitrag in den Atomverhandlungen", berichtet Fläschner über die Reaktionen: Vor allem die Fußball-Bundesliga-Mannschaften seien sehr bekannt. "Es ist ein sehr junges Land", verweist Fläschner zudem auf das niedrige Durchschnittsalter von 27 Jahren. Vor allem die vielen jungen Studentinnen seien ihm aufgefallen. Im mehrheitlich schiitischen Iran gebe es zwar einen strikten Kopftuchzwang für Frauen, aber die Gesichter blieben frei. "Egal ob Frauen oder Männer, die Iraner sind bildhübsche Menschen", war einer der Eindrücke Fläschners, und: "Hinter vorgehaltener Hand wird immer wieder Kritik an der politischen Führung geübt."

Chaotischer Straßenverkehr

Die Bevölkerung leide unter dem Handelsembargo, vor allem auf dem Land herrsche oft Armut. "Auf der anderen Seite gibt es pulsierende Städte und der Liter Benzin kostet nur 25 Cent." Fast jeder habe ein Auto, öffentlichen Nahverkehr gebe es nicht, auf den Straßen gehe es oft chaotisch zu, für Biker sei das nicht gerade einfach.
Offen für Besucher seien auch die meisten Moscheen gewesen, besonders in Erinnerung blieben Fläschner die Sehenswürdigkeiten in Esfahan, Shiraz, Yazd, Qom und Persepolis. Dafür gab es andere Probleme: "Da wir weder Persisch lesen können noch verstehen, haben wir uns beim Bestellen der Gerichte schwer getan." Meistens sei es auf Kebab mit Reis hinausgelaufen. "Schlimmer waren die Getränke, alles süß, Limonade natürlich süß, aber es gibt auch alkoholfreies Bier, auch gesüßt mit Zitronen-, Pfirsich oder Ananasgeschmack."
Im Iran fuhr die Gruppe einen großen Kreis: Von der türkischen Grenze aus im Westen nach Süden, vorbei an schneebedeckten Bergen, dann nach Südosten durch Steppe und Wüste. Bei mehr als 40 Grad Celsius fuhren die Drei aber nicht bis zum Persischen Golf, sondern bogen etwa 50 Kilometer nördlich wieder nach Nordwesten ab.

Verzicht auf Annehmlichkeiten

Insgesamt elf der 30 Tage war die Gruppe im Iran selbst unterwegs. Eine Überraschung waren dabei die grünen Parks und Gärten, in denen Iraner gegen Eintritt picknicken. "Die Iraner sind sehr freundlich und neugierig, aber ich würde trotzdem nicht mehr hinfahren", lautet das Gesamt-Fazit von Wolfgang Fläschner. Weshalb? Kein Bierchen nach Feierabend, kaum unabhängige Informationen, weil das Internet zensiert werde, und nur verschleierte Frauen: "Man muss schon auf viele Annehmlichkeiten verzichten."