"Ich sehe es als meine Aufgabe an, mich umzuhören, ob es Interessenten gibt, die diesen Leerstand beseitigen können", sagt Jochen Vogel (CSU) auf Nachfrage dieser Redaktion. Deswegen habe er sich an die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung gewandt.

Die Stiftung betreibt in Bad Brückenau nach eigenen Angaben das neue Haus Waldenfels mit 90 vollstationären Plätzen mit integrierter Kurzzeit- und Tagespflege sowie 17 Einheiten sogenanntes Servicewohnen. Außerdem beherbergt die Einrichtung als Partner das Dominikus-Ringeisen-Werk mit einem Wohnheim für 24 Menschen mit Behinderung und eine Caritas-Sozialstation.

Jochen Vogel: "eine Super-Lösung und ein verlässlicher Partner"

Für Bad Brückenaus Bürgermeister wäre die Heß'sche Stiftung "eine Super-Lösung und ein verlässlicher Partner" wegen ihrer Organisationsform als Stiftung des öffentlichen Rechts im Hintergrund. Für sie wäre die Akzeptanz in der Stadt und unter der Bevölkerung am größten, "wenn sich da etwas entwickeln würde", meint Jochen Vogel. Konkret sei aber noch nichts.

Ihm schwebt eine Art Satellit oder Zweigstelle des Haus Waldenfels im früheren "Hotel Post" vor. Andere Betreiber von Seniorenheimen oder ähnlichem hat der Rathauschef nach eigenen Worten nicht gefragt. "Das macht aus meiner Sicht keinen Sinn, der Stiftung Andere vor die Nase zu setzen."

Interesse ja, aber keine konkreten Pläne

Bei der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung stehen sie Vogels Ansinnen zumindest nicht ablehnend gegenüber. Martin Pfeuffer, stellvertretender Stiftungsvorstand, nennt das Ganze eine "interessante Überlegung". Das ehemalige Hotel habe eine schöne Lage und den Reiz der Nähe zum neuen Haus Waldenfels. Die 17 Einheiten des Betreuten Wohnens seien begehrt; man könne durchaus noch mehr gebrauchen.

Pfeuffer betont aber ausdrücklich, dass aus der Überlegung noch keine konkreten Planungen geworden sind. Und auch zeitnah nicht werden. Bei der Heß'schen Stiftung stünden jetzt andere Projekte auf der Prioritätenliste ganz oben: der Umbau beziehungsweise die Sanierung des ehemaligen Jugendhauses St. Michael und des Pflegeheims Juliusspital in Münnerstadt. Oder die Umgestaltung des Seniorenheims St. Elisabeth, ebenfalls in der Stadt an der Lauer.

Immobilie zum Kauf angeboten

Der stellvertretende Vorstand bestätigt, dass "Hotel-Post"-Eigentümer Manfred Müller der Heß'schen Stiftung die Bad Brückenauer Immobilie vor einigen Monaten zum Kauf angeboten habe. "Wir haben das interessiert zur Kenntnis genommen. Zurzeit haben wir aber keinen direkten Kontakt zu Herrn Müller."

Der Investor und die Stiftung waren sich schon einmal handelseinig geworden - beim Verkauf des damals kreiseigenen, seit Sommer 2016 leerstehenden, alten Haus Waldenfels zum 1. März 2018. Manfred Müller ließ danach dort Wohnungen einrichten, die sehr begehrt zu sein scheinen.

Sehr viele Fragen offen

Selbst wenn die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung und Eigentümer Müller miteinander über einen Kauf des einstigen Hotels in der Ludwigstraße verhandeln würden: Die Stiftung müsste sich laut Martin Pfeuffer noch viele Gedanken machen: Ist ein Servicewohnen an dieser Stelle realistisch? Wäre das Projekt finanzierbar? Was sagt der Stiftungsrat dazu? "Soweit sind wir einfach nicht", betont er noch einmal.

Für das historische Hotelgebäude, das lange dem Lebensmittelkonzern Edeka gehörte, gab es in den vergangenen Jahren vielversprechende Pläne. Für eine mal größer, mal kleiner geplante "Wohnresidenz Neue Post" mit Eigentumswohnungen fanden sich jedoch nicht genügend Interessenten.

Baugenehmigung ist erloschen

Aktuell scheint der öffentlichkeitsscheue Investor Müller kein neues Bauprojekt am alten "Hotel Post" zu planen. Aus dem Landratsamt in Bad Kissingen heißt es auf Anfrage: "Die Baugenehmigung von 2017 ist erloschen. Sie gilt vier Jahre; wenn innerhalb dieses Zeitraums nicht mit der Bauausführung begonnen wird, also kein Baubeginn mitgeteilt wird, erlischt die Baugenehmigung und muss neu beantragt werden." Das ist offensichtlich nicht geschehen.