Seit Dezember ist Julia Spahn die Kämmerin der Stadt Bad Brückenau. Vom Finanzamt Aschaffenburg verschlug es sie ins Rathaus ihrer Heimatstadt. Das war kein Zufall, sondern ein lang gehegter Wunsch. Auf der Abiturfeier habe die damalige Bürgermeisterin den Absolventen mitgegeben: Gehen Sie erst einmal fort, aber kommen Sie wieder! Dieser Satz "hat mich geprägt", sagt Julia Spahn.

Die 27-Jährige tritt in Fußstapfen, die größer kaum sein könnten: Finanzen, Infrastruktur - dazu zählen alle Bauprojekte und Liegenschaften der Stadt - sowie Tourismus beinhaltet das Aufgabengebiet, das sie vom langjährigen Kämmerer Leo Romeis übernimmt. Fünf Monate schaute sie ihm über die Schulter. "Zu kurz", sagt sie, um alle Themen schon voll überblicken zu können.

Zuletzt arbeitete die Diplom-Finanzwirtin in der Rechtsbehelfsstelle des Finanzamts Aschaffenburg und bearbeitete Steuererklärungen, nahezu jeden Tag. Parallel machte sie ihren Trainerschein in Jumping Fitness. Auf dem Trampolin ließ sie die Energie heraus, die sich über den Arbeitstag hinweg angestaut hatte. Die Verbundenheit zu ihrer Familie zog sie in die Heimat zurück. "Auf Dauer habe ich mich nicht am Finanzamt gesehen", sagt Spahn.

Viel Geld für die Stadtkasse

Durchs Corona-Jahr ist die Stadt finanziell verhältnismäßig gut gekommen. 913.000 Euro Einnahmen aus der Gewerbesteuer verbuchte Spahn in diesem Jahr. Unter dem Vorzeichen der Pandemie hatte der Stadtrat vorsichtig mit einer Million Euro gerechnet. Bund und Länder hatten vereinbart, die Kommunen mit den Auswirkungen von Covid 19 nicht allein zu lassen, und Ersatz für ausbleibende Gewerbesteuereinnahmen angekündigt.

Die Ausgleichszahlungen des Freistaats orientieren sich an den Vorjahren, sodass Bad Brückenau 1,66 Millionen Euro zusätzlich zugesprochen bekam. "Wir stehen damit sehr gut da", sagt die Kämmerin. Sie rechnet allerdings damit, dass die Folgen der Pandemie sich in den kommenden Jahren erst noch zeigen. Deshalb geht sie im Haushaltsentwurf 2021 von geringeren Anteilen, zumindest aus der Umsatz- und der Einkommenssteuer, aus.

In diesem Jahr erhielt die Stadt zudem 1,48 Millionen Euro Stabilisierungshilfe. Seit 2014 unterstützt der Freistaat die Stadtkasse regelmäßig. Diese Hilfe richtet sich an Kommunen, die allein nur schwer über die Runden kommen würden. Allerdings sind an die Zuwendung Bedingungen geknüpft. So strich der Stadtrat in der Vergangenheit alle Ausgaben, die nicht als unbedingt notwendig erschienen, und konzentrierte sich auf wesentliche Projekte - vor allem baulich.

Spagat zwischen Erhalt und Innovation

In diesem Spannungsverhältnis zwischen dem Erhalt dessen, was schon da ist, und Dingen, die man gerne hätte, steht nicht nur die Kämmerin. Die Ausrichtung der Stadt als solche bewegt sich zwischen diesen Polen. In den vergangenen Jahren ist viel Geld in die Daseinsvorsorge investiert worden, erklärte der ehemalige Kämmerer kurz vor seinem Abschied den Kurs von Altbürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Das Ergebnis: Die Mittelschule, der Kindergarten Stadtmitte, die Dreifach-Turnhalle in Römershag und die Grundschule sind in einem sehr guten Zustand.

In Volkers steht sogar ein nagelneuer Kindergarten. Das Feuerwehrhaus wird bald folgen. Neue Ideen - wie etwa ein Mehrgenerationenhaus in der Innenstadt oder gar ein architektonischer Hingucker, wie ihn sich andere Städte leisten - sind da schlicht nicht drin. Wenn Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), Meyerdierks Nachfolger, auf die kommenden Jahre blickt, so sieht er, dass der Spielraum für Innovationen auch in Zukunft eng bleibt.

Mit der Generalsanierung der Therme Sinnflut und der Neugestaltung des Bahnhofareals mitsamt Kurpark und Georgi-Halle hat sich die Stadt Projekte vorgenommen, deren Umsetzung noch Jahre in Anspruch nehmen und deren Finanzierung wohl alle Reserven aufbrauchen wird. Dazu sind im Rathaus umfangreiche Arbeiten am Brandschutz nötig. Das Alte Rathaus ist ebenfalls sanierungsbedürftig. Gleichzeitig möchte der Bürgermeister aber nicht alle Ideen abwimmeln. "Das ist immer die Schwierigkeit, den Mittelweg zu finden", sagt er.

Julia Spahn wird bei diesen Angelegenheiten viel mitzureden haben. "Jetzt ist man jung, um sich in neue Bereiche einzuarbeiten", sagt sie. Mit Anfang 40 hätte sie einen solchen Schritt vielleicht nicht mehr gewagt. Im Herbst fing sie wieder bei den Georgi-Bläsern an - bis Corona die Proben erneut unmöglich machte. Auch ihr Hobby Jumping Fitness nimmt sie nach Bad Brückenau mit, nicht nur privat, sondern nach dem Lockdown auch wieder als Trainerin in einem Fitnessstudio.