Viele geistliche Würdenträger der Diözesen Würzburg, Fulda und Bamberg können in diesem Jubiläumsjahr "500+1" auf dem Maria Ehrenberg begrüßt werden. Am Sonntag stattete Würzburgs Bischof Dr. Franz Jung dem Marien-Wallfahrtort einen Besuch ab. Einen Tag nach der vierten Synodalversammlung des "Synodalen Weges in Deutschland" in Frankfurt, sprach der Bischof durchaus kritisch über die aktuelle Situation der Kirche und setzte es in Bezug zum Evangeliumstext des Tages, der den Stammbaum Jesu aufzählt.

"In diesem Stammbaum befinden sich nicht nur Heilige, sondern Mörder, Ungläubige und Ehebrecher", zählt der Bischof auf. Es seit gut, dass dieses Dunkle nicht aus dem Stammbaum heraus gelöscht, beschönigt oder aufgehübscht werde. Zum einen könne es Trost geben, denn auch im eigenen Leben seien nicht nur Lichtgestalten zu finden, Ungeklärtes und Ungelöstes gehöre zum Menschsein dazu.

Es läuft nicht immer glatt

Gleiches gelte für die Kirche: "Auf unserer Ahnentafel sind nicht nur die Heiligen, es ist auch die Kirche der Sünder - und alle gehören dazu. Auch wenn wir gerne auf eine tadellose Vergangenheit zurückblicken würden und stolz auf eine ruhmreiche Vergangenheit verweisen möchten, es verhält sich anders - und das ist gut so."

Der Stammbaum Jesu erinnere daran, dass im Leben nicht immer alles glatt laufe. "Das erfahren wir in der Kirche aktuell. Das sich, was vermeintlich gut war, bei näherem Hinsehen manchmal sogar als kriminell entpuppt und etwas für das man sich heute schämt."

Verschnaufen, aber nicht stehen bleiben

Die Treppe hinauf zum Maria Ehrenberg, diese 254 Stufen, die auch als Himmelsleiter bezeichnet werden, sieht der Bischof als Symbol für solch einen Ahnentafel, einen Lebens- und Glaubensweg. "Wir stehen auf dieser Treppe in einer großen Generationenfolge der Gläubigen. An uns ist es, diese Stufenfolge positiv zu gestalten, uns nach allen Kräften zu bemühen die Unheilsgeschichte in eine Heilsgeschichte zu verwandeln".

Die 254 Stufen wolle aber erst einmal geklommen sein. Da könne schon mal die Puste ausgehen und der Gedanke aufkommen, das sei nicht zu schaffen. "Es geht nicht immer vorwärts. Manchmal müssen wir verschnaufen, aber stehen bleiben sollten wir nie." Natürlich gebe es Momente der Ratlosigkeit und Verzweiflung, Verwundungen und Schmerzen. Die Gottesmutter kenne diese Momente, gemeinsam mit ihr sei auch ein schwieriger Weg zu meistern. "Wer stehen bleibt, der fällt zurück."

Der Bischof warnte davor mit dem Blick in der Vergangenheit zu verweilen, sich der Wirklichkeit zu verschließen, statt nach vorne zu blicken und sich mutig den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Wirklichkeitsverlust befalle den, der mehr zurückschaue auf das was war, statt nach vorne zu leben, der Probleme aussitze und totschweige, in der irrigen Annahme es werde sich irgendwie alles von selber erledigen. "Tut es aber nicht", stellte Jung fest. Wirklichkeitsverlust zeigte sich, wenn wichtige Entscheidungen vertagt und schwierigen Gespräche aus dem Weg gegangen werde. "Genau das spüren wir momentan in unserer Kirche. Wir können es nicht aussitzen und darauf hoffen, dass sich alles irgendwie löst, sondern müssen bewusst die Fragen angehen, die gestellt sind."