Im Jahr 2005 haben sich die Freunde der Osterburg gegründet, mit dem Ziel, die im Dornröschenschlaf liegende Burganlage oberhalb Bischofsheim, die Osterburg, freizulegen und deren Überreste für die Nachwelt zu erhalten. Die Arbeiten an der Burganlage selbst sind abgeschlossen. Derzeit befasst sich der Verein unter der Regie von Burgenforscher Joachim Zeune, der schon das Konzept für die Freilegung erarbeitete und die Leitung inne hatte, mit der Konzeption einer Ausstellung in Bischofsheim selbst. Die Stadt Bischofsheim stellt im historischen Rentamt den ehemaligen Lesesaal für die Ausstellung zur Verfügung.

Derzeit sichtet Zeune die archäologischen Funde, die seit nunmehr rund 100 Jahren in Obhut der Stadt Bischofsheim lagerten. Denn bei den Freilegungsarbeiten der jüngsten Vergangenheit durch die Freunde der Osterburg wurden vergleichsweise wenig Funde getätigt. Die überwiegenden Fundstücke stammen aus der ersten Freilegungsphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Forschung zufolge wurde die Osterburg im Jahr 1182 erstmals urkundlich erwähnt. Schon 70 Jahre später soll sie das erste Mal durch die Kriegsleute des Fürstabtes von Fulda zerstört worden sein. Entgegen den bisherigen Aussagen von "Heimatforschern" haben neue fachwissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen, dass die Burganlage bis in das 18. Jahrhundert hinein immer wieder besiedelt war. Ende des 19. Jahrhunderts war sie nahezu in Vergessenheit geraten. Sie wurde 1897 im Zuge von Wegearbeiten zufällig wieder entdeckt. Unter dem königlichen Forstmeister Max Fuchs, der als Ausgrabungsleiter fungierte, wurde das komplette Burgareal frei gelegt. Hauptaugenmerk habe damals ausschließlich auf dem Bergen von Grabungsfunden und Freigraben von Mauerzügen, nicht aber auf einer Dokumentation der archäologischen Schichten und Fundorten, gelegen.

Nur hochwertige Funde wurden aufgehoben

Schlichte Keramikscherben fanden keine Beachtung, nur hochwertige Funde wurden aufgehoben. Eine erstaunliche Menge sehr interessanter, auch hochwertiger Fundstücke konnte geborgen werden. Derzeit sichtet Joachim Zeune diese Funde für die geplante Dauerausstellung.

Unterschieden nach Kategorien sind die historischen Kostbarkeiten ausgebreitet. Die Ausstellung soll ein Gefühl dafür vermitteln, wie auf der Burg gelebt wurde, wie sie ausgestattet war, welchen Wohnkomfort es gab. Aus der Menge der vorhandenen Kleinteile könne nur ein Bruchteil ausgestellt werden. Alltagsgegenstände aus der Landwirtschaft und dem Haushalt: Sicheln, Ziehhaken, Schlüssel, Beschläge von Truhen, Messer und Spieße. Reiterzubehör wie Pferde- und Eselhufeisen aus verschiedenen Epochen, wobei Esel wohl für den Wassertransport eingesetzt wurden, zählen zu Ausstellungsstücken.

Spannende Einordnung der Fundstücke

Historisch spannend sei die Einordnung der Fundstücke. Es gebe Hufeisen die vor 1250 gefertigt wurden, sie seien an einem gewellten Rand zu erkennen. Seltenheitswert haben die Ofenkacheln, sogenannte Pilzkacheln, die aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen. Eine Kuriosität sei das Hundehalsband, das aus Tierschutzgründen heute wohl so nicht mehr verwendet werden dürfe. Entgegen der oft landläufigen Meinung, dass auf einer Burg vorwiegend gekämpft wurde, gib es nur ganz wenige Waffenfunde. Doch für den Burgenforscher ist das nicht verwunderlich, es war Verwaltungssitzung und eine Wohnanlage. Nichtsdestotrotz gibt es Pfeilspitzen und Armbrustspitzen unter den Funden.

Lieblingsstück Daniel in der Löwengrube

Hochwertige Architektur sei bei der Ausgrabung zu Tage gekommen, reich verzierte Säulenteile, kunstvoll behauene Steine. Das Lieblingsstück von Joachim Zeune ist ein Teil einer Kaminkonsole, mit der biblischen Darstellung des Daniels in der Löwengrube. "Eine hervorragende Bauplastik, es wird das schönste Stück der Ausstellung." In der Remise lagert die Stadt Bischofsheim neben den historischen Steinen der Osterburg auch einige Wappentafeln der ehemaligen Stadtburg, unter anderem ein Julius-Echter-Wappen. Diese Tafeln, die in direktem Zusammenhang mit Bischofsheims Geschichte stehen, werden in der Ausstellung ebenfalls einen Platz bekommen. Geplant sei, die Exponate in Vitrinen unter zu bringen, ein Bildschirm mit Videos und Bildern, Informationstafeln sollen die Ausstellung ergänzen. Zugleich sollen auf der Osterburg neue Informationstafeln aufgestellt werden, die auf die Ausstellung im Rentamt verweisen. Auf diese Weise soll eine Querverbindung zwischen Ausstellung und Burganlage erzielt werden, erklärt Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert.

Pflege und der Erhalt der Burganlage Dauerthema

Bruno Werner, der Vorsitzende der Freunde der Osterburg ,sieht die Ausstellung als Schlusspunkt für ihn und seine Mitstreiter, die ein Durchschnittsalter von 75 Jahren erreicht haben. Die amtierende Vorstandschaft werde dieses Projekt noch zum Abschluss bringen, dann sei es an der Zeit, jüngere Interessierte zu finden, die sich der Osterburg annehmen. Denn die Pflege und der Erhalt der Burganlage werde für die Zukunft ein Dauerthema sein. Finanziert werde die Ausstellung über "Leader" (EU-Mittel), die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und die Stadt Bischofsheim. Die Eröffnung soll noch in diesem Jahr erfolgen.