Unten links, mit dem rechten Fuß - das war ja klar. Als Andreas Brehme mit seinem letzten Schuss den Ball knackig im Eck versenkt, bricht Gelächter unter den Zuschauern aus. Denn eigentlich sollte der Fußball-Weltmeister von 1990 nur "Torwart" Jochen Vogel ein wenig warmschießen. Am Ende zieht er aber doch scharf ab, mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Fast wie vor 31 Jahren, im WM-Finale in Italien. Dank Brehmes Elfmetertor besiegte das noch nicht wiedervereinigte Deutschland Argentinien damals mit 1:0.

Nein, viel Sport treibt der 60-Jährige nicht mehr. Das Soll ist mit unter anderem 86 Länder- und 301 Bundesliga-Spielen übererfüllt. Deswegen lehnt er auch den Wunsch eines jungen TSV-Fans ab, mit ihm zu jonglieren. "Ich spiele keinen Fußball mehr", sagt Brehme auch mit Blick auf den eigenen, nicht mehr durchtrainierten Körper. Er fügt hinzu: "Ich habe Alex versprochen, einen Elfmeter zu schießen und sonst nix."

"Alex" heißt mit vollem Namen Alexander Kron. Er ist der Grund, warum "Andi" Brehme mitten in der Rhön beim TSV Volkers "aufdribbelt". Der Pächter der Klosterschänke am Volkersberg und der WM-Held sind miteinander befreundet. Beide besitzen Häuser in Kitzbühel, lernten sich dort kennen.

Vor drei Jahren besuchte Brehme seinen Kumpel das erste Mal; nun bat dieser ihn, doch mal beim TSV vorbeizuschauen. Was dieser nun tut. "Alex ist mein Freund. Für den mache ich alles."

Unter anderem sich einer Gesprächsrunde mit Fans und Presse stellen, bei der erwartbare Fragen kommen: "Wer ist für sie der beste Fußballer der Welt?" (Antwort: "Lewandowski, Messi und Ronaldo."), "Soll Kimmich rechts oder in der Mitte spielen?" (Rechts, da haben wir keinen."), "Wie bewerten sie die Leistung vom Frankreich-Spiel?" ("Das war keine gute Leistung. Die Franzosen haben uns hergespielt.").

Die Fragerunde meistert der gebürtige Hamburger nordisch kühl. Ist er doch seit Jahrzehnten Medienprofi, der weiß, wie man mit der Öffentlichkeit umgeht. Eine Frage aber mag der Weltmeister von 1990 nicht mehr beantworten: Wie war das mit seinem Elfmeter im Argentinien-Spiel? "Da werde ich tagtäglich drauf angesprochen. Die Geschichte habe ich über eine Million Mal erzählt."

Immerhin: Brehme klärt die Volkerser noch auf, wie das damals mit seinem rechten Fuß war: "Ich hätte auch den linken nehmen können."

Lieber Fisch und Fleisch als Pasta

Ansonsten vermittelt der 60-Jährige den Eindruck, dass er mit seiner Zeit als aktiver Fußballer mehr oder weniger durch ist. Heute beschäftigen ihn seine drei Firmen. Öfters pendelt Brehme zwischen seinen beiden Wohnorten in München und Italien hin und her.

Wobei der Schwerpunkt wohl eher im Süden liegt: "Vor Corona war ich sieben bis acht Monate in Italien, konnte von da aus viele Sachen erledigen." Aber auch München besitzt für den Ex-Fußballer südeuropäischen Charme: wegen der vielen Restaurants, die Italiener dort betreiben. Da passt die Frage eines Volkersers nach seinem Lieblingsgericht: "Fisch und Fleisch", antwortet er norddeutsch nüchtern. "Pasta esse ich vielleicht einmal im Monat."

Nach Fragerunde und Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bad Brückenau sagt Andreas Brehme, was er selbst nun will: mehr Schatten und ein kühles Bier. Praktisch, dass der Verein Bierbänke unter Bäumen neben dem Spielplatz aufgestellt hat.

Und dort - an einem Tisch mit den Volkerser Fans - geht der Mensch Andi Brehme nach der Pflicht zur Kür über - und taut in trauter Geselligkeit auf. Freigiebig verteilt er selbst unterschriebene Autogrammkarten, später auch mit persönlicher Widmung. Und so manche Anekdote aus Profi-Zeiten sorgt für Lacher am Biertisch.

Doch bevor es in einen gemütlichen Nachmittag und auch Abend geht, erfüllt der 1990er-Weltmeister dem Reporter dieser Zeitung noch großzügig einen Wunsch: den nach einem Foto vom Elfmeterschießen. Dafür streift Andi Brehme das Trikot des TSV über.

Da der Volkerser Keeper noch beruflich verhindert ist, zieht Bürgermeister Jochen Vogel die Torwarthandschuhe über. Und so kommt es zu der Szene, in der der 60-Jährige zeigt, dass er es noch kann: rechter Fuß, linke untere Ecke. Auch wenn er eigentlich gar keinen Fußball mehr spielt.