• 20 Prozent der Menschen haben Probleme beim Ein- oder Durchschlafen
  • Schlafstörungen und Schlafapnoe: Gefährliche Folgen für Betroffene
  • Thoraxzentrum Münnerstadt bietet Hilfe mit einer Telefonaktion
  • Ein Betroffener berichtet

"Wer schläft, sündigt nicht", lautet ein uraltes Sprichwort. Doch wer schläft, schnarcht vielleicht. Das kann nicht nur die Partnerin oder den Partner im Bett daneben um den verdienten Schlaf bringen. Es kann zu ernsthaften medizinischen Problemen für die Schnarcherin oder den Schnarcher führen. Der 21. Juni war der "Tag des Schlafes". Das nimmt Dr. Bernd Seese, der ärztliche Direktor, Chefarzt Pneumologie und Leiter des Schlaflabors am Thoraxzentrum zum Anlass für eine Telefonaktion am Samstag, 26. Juni 2021.

Schlafapnoe und Schlafstörungen: Telefonaktion für Betroffene

Von 10 bis 12 Uhr beantwortet er Fragen zum Thema Schlaf unter der Telefonnummer 09733/62- 8888. Rund 20 Prozent der Menschen haben Probleme beim Ein- oder Durchschlafen, sagt Dr. Seese. Dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, die Folgen können teils gravierend sein. Es kann zu Atemaussetzern von 10 bis 60 Sekunden Länge kommen.

Um ein Ersticken zu verhindern, löst die dadurch verursachte verminderte Sauerstoffzufuhr eine Weckreaktion aus, die wiederum zu Schlafstörungen führt. Viele Betroffene der Schlafapnoe sind am nächsten Morgen unausgeschlafen, schnell erschöpft und leiden unter Konzentrationsstörungen.

Schlaganfall und Herzinfarkt: Gefahren bei Schlafapnoe

Dies kann zum Beispiel am Arbeitsplatz kritisch werden. Bei Lkw-Fahrern, die lange, monotone Strecken auf der Autobahn unterwegs sind kann das dann z. B. gefährlich werden. Im schlimmsten Fall können Atemaussetzer tödliche Folgen haben, weil sie das Herz-Kreislaufsystem stark belasten. Dr. Seese zählt auf, dass sich daraus Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Herzrhythmusstörungen entwickeln können. Der typische Patient sei oft übergewichtig, betroffen seien mehr Männer als Frauen. Bei etwa 75 bis 80 Prozent der Schlafapnoe-Betroffenen wird die Erkrankung nicht erkannt, da sie sich nicht untersuchen lassen. Unbehandelt verringert eine Schlafapnoe die Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre, sagt Thomas Brand, ein Betroffener aus Ebenhausen. Er leitet die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe in Schweinfurt (siehe Interview am Ende des Textes)

Ab ins Schlaflabor: Finden Sie heraus, ob Sie betroffen sind

Die Ursachen für das Schnarchen sind vielfältig. Bei einer Schlafapnoe sind die Atemwege der Betroffenen so stark verengt, dass die Atmung deutlich erschwert ist. Ursache ist ein Kollaps des Atemwegs im Rachen. Generell hat das nächtliche Schnarchen unterschiedliche Ursachen. Manchmal liegt es an anatomischen Veränderungen, wie etwa einer vergrößerten Zunge oder einem kurzen Unterkiefer, einer engen Nase, großen Rachenmandeln oder einem großen, schlaffen Gaumensegel. Das Schlafen in Seitenlage ist bei Schlaf-Apnoe gut, denn in Rückenlage verstärkt die Schwerkraft durch das Zurücksinken des Zungengrundes den Atemwegkollaps.

Ob eine Schlafapnoe vorliegt, kann im Schlaflabor des Thoraxzentrums festgestellt werden. Es hat drei stationäre und vier mobile Betten. Während die Patientinnen oder Patienten schlafen, wird über Nacht mit Sensoren gemessen, ob Gehirnströme, Atmung, Blutdruck oder Herzschlag auffällig sind. Auch auf die Sauerstoffsättigung im Blut, Bewegung der Beine, und natürlich Schnarchgeräusche achtet speziell geschultes Klinikpersonal im Nebenraum. Als effektive Methode zur Behandlung der Schlafapnoe empfiehlt Seese eine Atemmaske, die den Betroffenen im Schlaf mit leichtem Überdruck Raumluft in die oberen Atemwege pumpt, um die Atemwege offenzuhalten.

Hilfe bei Schlafstörungen: Rechtzeitig zum Arzt gehen

Andere Schlafstörungen, die keine organischen Ursachen haben, treten häufiger auf als die Schlafapnoe. Bei vielen Menschen verhindern Stress, große Anspannungen und Sorgen einen erholsamen Schlaf. Dies könne bis zu Depressionen führen. Um wieder erholsam schlafen zu können, sei der rechtzeitige Gang zum Arzt ratsam, so Dr. Seese. Frauen leiden häufiger unter psychosomatischen Schlafstörungen als Männer, denn sie seien sehr oft sehr stark belastet mit Haushalt, Kindern, Schule, Beruf und könnten schlechter loslassen oder umschalten.

Mediziner Dr. Bernd Seese: Schlafmittel keine Lösung

Schlafmittel seien in solchen Fällen keinesfalls eine längerfristige Lösung. Kritisch sieht Bernd Seese auch, dass durch das Arbeiten in Home-Office, wegen der Corona-Pandemie, der Tagesverlauf bei manchen Menschen aus dem Takt geraten kann. Dass Arbeit oft auf den späten Abend verschoben werde, sei schlecht. Er fürchtet auch, dass die Kinder, die wegen der Pandemie über Monate nur Fernunterricht hatten, körperliche Probleme bekommen. Ohne Sport und ohne körperliche Betätigung zusammen mit Freunden würden sie mehr oder weniger stark zunehmen. Dies könne in einigen Jahren zu Schlaf-Apnoe führen. Dr. Seeses Rezepte: Weg mit dem Stress, Ausdauersport, Kraftsport, Bewegung, Struktur ins Leben bringen, soziale Kontakte.

Am Samstag, 26. Juni 2021, von 10 bis 12 Uhr stellt sich der der ärztliche Direktor, Chefarzt Pneumologie und Leiter des Schlaflabors am Thoraxzentrum im Rahmen einer Telefonaktion den Fragen unserer Leser unter der Telefonnummer 09733/62- 8888.

Schlafapnoe: Ein Betroffener erzählt

Schläfrig, erschöpft, k.o. So beschreiben die meisten Menschen mit Schlafapnoe die Zeit vor der Diagnose. Und es sind viele, die betroffen sind: Experten gehen von vier Prozent der Bevölkerung aus. Der fehlende Sauerstoff führt dazu, dass sich Betroffenen tagsüber fix und fertig fühlen. So ging es auch Thomas Brand aus Ebenhausen. Der 58-Jährige ist Tarifbeschäftigter bei der Bundespolizei in Oerlenbach und führt nebenher einen Getränkehandel. Es war die Ehefrau, wie bei so vielen, der die Atemaussetzer ihres Mannes aufgefallen sind.

Herr Brand, wie geht es Ihnen, sind Sie ausgeschlafen?

Ja, ich bin fit.

Das war nicht immer so, oder?

Nein. Ich war Anfang 40 , als ich bemerkte, dass ich tagsüber einfach nur noch schlapp war. Zunächst habe ich es wie so viele auf die viele Arbeit, auf körperlich belastende Situationen oder auf das späte Zubettgehen geschoben. Dann aber hat meine damalige Frau bemerkt, dass ich im Schlaf einfach nicht geatmet habe.

Also nicht regelmäßig.

Ja, ich hatte Atemaussetzer.

Sie leiten die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe in Schweinfurt, Sie sind nun Experte für diese Erkrankung.

Ja, schon, im Laufe der Jahre bekommt man viel mit.

Was hat Ihnen geholfen?

Definitiv die Schlafmaske. Auch wenn man ein bisschen braucht, sich daran zu gewöhnen, sie hilft wirklich. Ich glaube, das hat auch etwas mit einer inneren Einstellung diesem Hilfsmittel gegenüber zu tun. Wenn ich mich drauf einlasse, dann klappt das auch. Allerdings kann man auch mitfühlen, dass es Menschen gibt, die unter Platzangst leiden - schließlich decken manche Masken Mund und Nase ab.

Was ist das Gefährliche an den Atemaussetzern?

Dass sie schleichend zu Krankheiten führen kann, beispielsweise zu einem Schlaganfall. Das hängt mit der Sauerstoffsättigung im Blut zusammen. Bei Menschen mit Schlafapnoe kann der Sauerstoff im Blut auf 70 Prozent fallen - bei einem Gesunden liegt die Sättigung bei etwa 98 Prozent. Das Tückische ist: Man merkt das genauso wenig, wie man hohen Blutdruck oder Diabetes bemerkt. Deshalb ist es gut, wenn man einen Partner oder eine Partnerin hat, die einen auf die Aussetzer aufmerksam macht. In meiner Selbsthilfegruppe haben wir Betroffene, die bis zu zwei Minuten lang nicht Luft holen - und das mehrfach in der Stunde.

Was ist mit dem berüchtigten Sekundenschlaf?

Der kommt bei Menschen mit Schlafapnoe oft vor. Ich gehe davon aus, dass viele Unfälle im Straßenverkehr auch darauf begründet sind.

Muss es mit Atemaussetzern anfangen?

Nein, anfangs äußert es sich oft über das Schnarchen. Und auch wenn das leicht abgetan wird: Auch Schnarchen kann gesundheitsgefährdend sein, es ist keine Lappalie. Ich sage Betroffenen immer: Investiert ein bisschen Zeit und lasst euch vom Arzt durchchecken und im Zweifel, geht mal in ein Schlaflabor. Doch viele googeln heutzutage und geben sich mit dem zufrieden, was sie im Internet zum Thema Schnarchen und Schlafapnoe finden. Oft kaufen die sich dann nur eine Uhr, die den Schlaf überwachen soll. Ich sage aus Erfahrung: Das ist nicht der richtige Weg. Geht zum Arzt. Oder kommt mal zu uns in die Selbsthilfegruppe. Wir sind etwa 40 Mitglieder, wir treffen uns - vor der Pandemie - sechs Mal im Jahr in Schweinfurt. Die Gruppe ist für alle offen und nicht erst für alte Männer ab 60. Hier erfahren auch Junge mehr als im Internet.

Sind Sie jetzt eigentlich geheilt?

Nein, eine Heilung gibt es nicht. Aber es gibt so weit Linderung, dass ich schwere Krankheiten mit den richtigen Hilfsmitteln und Verhaltensregeln vermeiden kann. Welche das sind, bringen wir den Menschen in der Selbsthilfegruppe auch bei. Wer Lust hat, zu uns zu kommen, kann sich gern unter 09725/704332 oder shg-schweinfurt@t-online.de melden .

Die Fragen stellte Susanne Will