Eigentlich bildet Fachlehrer Markus Bötz an der Berufsschule angehende Köche aus. Als es um die Einführung einer Deutsch-Klasse für Asylbewerber ging, meldete er sich aber spontan freiwillig. "Ich fand die Idee einfach sehr gut." Und wie läuft's? "Wir fangen halt ganz langsam an." Also: Tomate zeigen, benennen, das Wort schreiben lassen, dann Gurke, dann Karotte.
"Sie haben sich extrem schnell entwickelt und machen gut mit", sagt Bötz nach den ersten drei Wochen.

Mit Kind im Unterricht

"Alles gut", lautet auch die knappe Antwort von Kumengr Getahun Mulesa auf die Frage, wie ihr der Unterricht gefällt. Die 23-Jährige ist vor eineinhalb Jahren aus Äthiopien nach Deutschland gekommen. Deutsch-Kurs konnte sie bis heute keinen besuchen: "Es gab nichts", sagt sie. Lediglich durch die ehrenamtlichen Helfer in Hammelburg lernte sie die ersten Sätze.
Nun freut sich Kumengr Getahun Mulesa jeden Tag auf den Unterricht in der Berufsschule - und darüber, dass sie trotz ihres Kindes in die Klasse aufgenommen wurde: Die vier Monate alte Mira schläft im Kinderwagen, während Markus Bötz mit den Schülern am Herd Vokabeln lernt. Und wenn Mira schreit, springt auch der Lehrer gerne einmal ein: "Schließlich habe ich selbst drei Kinder", lacht er.

"Gesellschaftlicher Auftrag"

Die besten Deutsch-Kenntnisse in der Klasse hat Omidreza Fayzeyab: Der 21-Jährige stammt aus Afghanistan und lebt schon drei Jahre in Deutschland. Wann sein Asylantrag endlich behandelt wird und er den deutschen Pass bekommt, weiß er nicht. In Münnerstadt sei er sehr gut aufgenommen worden und machte im vergangenen Jahr auch einen Deutsch-Kurs. "Aber ich will die Sprache noch besser lernen, und dann eine neue Ausbildung machen", sagt der gelernte Goldschmied.
"Ich sehe das als unseren gesellschaftlichen Auftrag", begründet Rudolf Hoffmann, Leiter der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen, die Entscheidung, sich um die neue Klasse zu bewerben. Die Asylbewerber passten auch in die Altersklasse: Außer dem 17-jährigen Devisi Akhvlediani (siehe oben) seien alle volljährig. Für die Klasse haben sich laut Hoffmann deutlich mehr Flüchtlinge beworben: "Der Staat kann nur ein Drittel aller Jugendlichen beschulen", bedauert Hoffmann. Umso wichtiger war ihm, dass das Projekt innerhalb kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde: "Innovatition ist für uns Standard, weil sich auch die Berufe ständig ändern", ist er stolz, dass die Klasse gut läuft und sich alle Lehrer freiwillig meldeten, auch wenn es völliges Neuland sei und mancher die Schulbücher seiner Kinder zur Vorbereitung nahm.
Mit im Boot ist das berufliche Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) Schweinfurt, das eine Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin und eine Sozialpädagogin stellt. "Da muss ich den Staat loben, dass er das zahlt", freut sich Hoffmann über die Unterstützung. Den Rest der insgesamt 37 Lehrerstunden muss er aus dem eigenen Budget finanzieren.
"Der Umgang untereinander ist sehr freundlich und hilfsbereit", zieht Sozialpädagogin Birgit Baron eine erste Bilanz nach drei Wochen. Ob Afrikaner, Serbe, Georgier oder Ukrainer: "Man merkt einfach, dass alle wollen."