Ab 1. März dürfen die Friseure nach elfwöchigem Corona-Lockdown ihre Salons wieder öffnen. Seit Bekanntgabe des Termins laufen die Telefone heiß, denn Friseurbesuche sind zur Einhaltung vorgeschriebener Hygiene-Maßnahmen nur nach Anmeldung möglich. Doch trotz aller Reglementierungen freuen sich Friseure und Kunden gleichermaßen, dass wieder etwas Normalität in den Alltag zurückkehrt, wie uns einige Salon-Inhaber auf Anfrage bestätigten.

"Wir freuen uns alle riesig", bestätigt Vanessa Reith, Inhaberin der Frisierbar. Doch nach dem nun schon zweiten mehrwöchigen Lockdown innerhalb eines Jahres sind es "gemischte Gefühle", wie auch Kreisobermeister Marko Urban die Stimmung in der Innung beschreibt. Das Auf und Ab der Pandemie verursacht bei allen Kolleginnen und Kollegen Unsicherheit. Doch zunächst gilt es, die drängenden Wünsche der Kunden in zahllosen Überstunden abzuarbeiten. "Der Ansturm auf Termine und die Vorfreude unserer Kunden auf gepflegtes Aussehen ist sehr groß", hat Hans-Knut Thoma in seinen Telefonaten erfahren. "Das Wohlbefinden der Kunden steigt schon beim Gedanken daran."

Der in den Salons übliche freie Montag entfällt bis auf Weiteres. "Wir werden montags bis freitags von 8 bis 18 öffnen und samstags auch am Nachmittag", hat Christiane Schießer für die erste Zeit geplant. Alle anderen Salons machen es ähnlich, manche arbeiten sogar länger.

Doch jetzt noch in den ersten zwei März-Wochen einen Termin zu bekommen, ist bei den meisten Salons im Landkreis kaum noch möglich. Einige sind schon bis Ende März und in den April hinein weitestgehend ausgebucht. Gründe sind nicht allein die erwartet hohe Nachfrage, sondern vor allem die vom Staat vorgegebenen Hygiene-Maßnahmen. Nicht nur die vorgeschriebene Haarwäsche beansprucht zusätzliche Zeit, sondern die Zahl der gleichzeitig im Salon zu behandelnden Kunden wurde weiter beschränkt: Galt vor dem Lockdown nur der übliche Sicherheitsabstand von 1,5 Metern, müssen es jetzt mindestens zehn Quadratmeter pro Kunde sein.

"Doch darin sind sich Gesundheitsminister und Arbeitsminister eine Woche vor Wiederöffnung unserer Salons immer noch nicht einig", klagt Doris Ortlieb, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks. Es wird jedenfalls einige Zeit dauern, bis alle Kundenwünsche abgearbeitet sein werden. Wie lange? "Wir müssen flexibel sein, je nach Bedarf", kann Christiane Schießer noch keinen Zeitpunkt nennen. Ihre Kollegin Janina Ehrenberg meint sogar, die verlängerten Öffnungszeiten für einige Wochen durchhalten zu müssen.

Zwar hat die Gewerkschaft bisher auf die im Januar mögliche Kündigung des Tarifvertrags verzichtet, ist Verbandsgeschäftsführerin Ortlieb froh ("Wir haben aktuell wirklich dringendere Probleme!"), doch muss bei den Produktherstellern zum Jahresbeginn mit Preiserhöhungen gerechnet werden, die dann meistens an die Kunden in den Salons weitergegeben werden. Doch auch Verluste aus den vergangenen Monaten und Mehrkosten für zusätzliche Hygiene-Maßnahmen müssen aufgefangen werden. "Durch den zeitlichen und materiellen Mehraufwand müssen die Preise angeglichen werden, aber moderat", informiert Hans-Knut Thoma. Kreisobermeister Urban stimmt ihm zu. Vanessa Reith will vorerst noch auf die Erhöhung ihrer Preise verzichten.

Ein weiteres Argument für eine Preiserhöhung wäre der Wiederanstieg der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent, der im vergangenen Jahr auf 16 Prozent gesenkt worden war. "Wir versuchen unsere Kunden dahingehend zu sensibilisieren", beugt Janina Ehrenberg bei ihrer Kundschaft vor. Doch nicht der zu erwartende Wiederanstieg auf 19 Prozent ist der Landesinnung ein Dorn im Auge, sondern der Steuersatz selbst. "Wir kämpfen seit Jahren für einen reduzierten Steuersatz von sieben Prozent auf systemrelevante Dienstleistungen", erinnert Geschäftsführerin Doris Ortlieb. "Dies wäre gerade jetzt ein schönes Signal der Regierung an Salon-Inhaber und Kunden."

Über die Zukunft nachdenken mag momentan keiner der Salon-Inhaber. Doch während sie selbst auf ihre Wiederöffnung hinarbeiten, warnen Bundesregierung und Virologen schon vor Virus-Mutationen und einer dritten Welle. "In der Corona-Zeit ist alles möglich", klingt Kreisobermeister Marko Urban frustriert. "Man muss mit allem rechnen", meint auch Hans-Knut Thoma und fürchtet wie wohl alle Kollegen im Landkreis die Gefahr eines dritten Lockdowns.

"Wir haben bisher keine finanzielle Hilfe des Landes oder Bundes erhalten", schildert Christiane Schießer die Situation. "Eine nochmalige Schließung ohne finanzielle Hilfe sehen wir kritisch." Janina Ehrenberg, Inhaberin von zwei Salons, fasst die Lage der Innung zusammen: "Ein weiterer Lockdown wäre für die gesamte Branche fatal mit ungewissem Ausgang."