Um die Querdenkerszene ist es - zumindest in Bad Kissingen - ruhig geworden. Kaum noch ziehen sie durch die Straßen, ihre Motive, warum sie demonstrieren, haben sie längst ausgeweitet, nachdem die Impfpflicht vom Tisch ist. Spätestens im Oktober allerdings dürfte Bewegung in die Bad Kissinger Organisation der Querdenker kommen. Denn dann steht einer ihrer Köpfe vor Gericht. Am 26. Oktober muss sich ein Mann aus Steinach verantworten. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hält ihn für einen der Täter, die am 6. Januar 2021 einen Anschlag auf einen ICE bei Gemünden begangen haben.

Anklage gegen Ehefrau fallengelassen

Mit ihm sitzt eine 60-Jährige auf der Anklagebank, die Anklage gegen die Ehefrau des Steinachers wurde fallengelassen. Ihr konnte eine Beteiligung an der Straftat nicht nachgewiesen werden.

Rückblick: Am 6. Januar 2021 demonstrierten viele Querdenker in ganz Deutschland gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So wurde unter anderem versucht, die A7 komplett lahmzulegen, indem protestierende Autofahrer auf 80 Stundenkilometer abbremsten, um einen Stau zu produzieren. Die Polizei war auch in Unterfranken den ganzen Tag auf der A7 unterwegs, um genau das zu verhindern.

Fünf Hindernisse auf den Schienen

An diesem Tag jedoch wurde auch ein Anschlag auf die ICE-Strecke Gemünden-Waigolshausen verübt. "Den Beschuldigten liegt zur Last, im Rahmen des aus der ,Querdenker-Szene' heraus ausgerufenen sogenannten ,D-Day 2.0' auf der Bahnstrecke Gemünden-Waigolshausen dabei mitgewirkt zu haben, insgesamt fünf an Holzlatten befestigte Plakate, sogenannte Aufsteller, im Gleisbett in einem Abstand von jeweils etwa 2 Kilometern, so aufzustellen, dass ein ICE zu einer Schnellbremsung gezwungen wurde", schreibt Staatsanwalt Thorsten Seebach in einer Mail auf Anfrage der Redaktion.

"Letzte Warnung Gleisbruch"

Die Plakate seien handschriftlich in roter Farbe beschriftet gewesen mit den Aufschriften "Achtung Gleisbruch 2 km", "letzte Warnung Gleisbruch", "Diesmal FAKE", "Letzte Warnung Gleisbruch", "Achtung Gleisbruch". Die Plakate verliefen laut Staatsanwaltschaft hierbei quer über den Schienenstrang. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern pro Stunde war der Zug unterwegs, gerade auf die Hindernisse zu.

Zugführer ging in Deckung

Als der Zugführer das erste Plakat entdeckte, leitete er sofort eine Schnellbremsung ein und ging in seinem Führerhaus in Deckung, so die Staatsanwaltschaft. Er konnte ein Durchbrechen des "Aufstellers" nicht verhindern. Der ICE kam erst etwa 200 Meter nach dem Aufprall zum Stehen.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die beiden Beschuldigten wegen gemeinschaftlichen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erhoben, verhandelt wird am Schöffengericht des Amtsgerichts Gemünden.

Es kam es zu keiner nennenswerten Beschädigung des Zuges. Fahrgäste wurden nicht verletzt. Der Steinacher sagte im Sommer 2021 in einem Interview in der Zeitung "taz": "Die ICE-Aktion ist für mich keine Gewalt."