Der Bürgerkrieg in Syrien, der Krieg in Afghanistan, die angespannte Situation im Irak, Kämpfe in Mali - die kriegerischen Auseinandersetzungen sind weit weg, aber sie strahlen aus. Auch auf den Landkreis Bad Kissingen. Denn jeder Krieg bedeutet Flüchtlinge, die, wen sie kommen, untergebracht werden müssen.

Der Druck ist in der letzten Zeit wieder kontinuierlich gestiegen. "Im Augenblick kommen aus den Auffanglagern Zirndorf und München jeden Tag rund 40 Asylbewerber nach Unterfranken", sagt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken. Die Menschen kommen aus Afghanistan und dem Irak, aus Afrika und in letzter Zeit verstärkt aus Syrien. Hauptherkunftsländer sind im Moment allerdings Mazedonien und Serbien. Vor denen werden aber, so Hardenacke, die meisten schon von München aus wieder in ihre Heimat zurückgeschickt.
Die Flüchtlinge, die als Asylbewerber anerkannt werden, werden von Zirndorf und München aus auf die Regierungsbezirke verteilt. Und die wiederum reichen sie weiter an die Landkreise. Einen Verteilungsschlüssel gibt es laut Hardenacke nicht. Aber bisher hat sich auch noch niemand beschwert.

Eine Gemeinschaftsunterkunft

Im Landkreis Bad Kissingen gibt es zurzeit eine Gemeinschaftsunterkunft in Münnerstadt, die in den 80er Jahren bei der damaligen Flüchtlings- und Aussiedlerwelle eröffnet worden war. Andere Unterkünfte wie in Bad Brückenau, Hammelburg oder Bad Kissingen sind mittlerweile aus Mangel an Bedarf wieder geschlossen worden, Bad Brückenau zuletzt im vergangenen Jahr. In Münnerstadt, wo 80 Plätze zur Verfügung stehen, waren zum letzten Stichtag 29. November 77 Asylbewerber untergebracht. Da das insgesamt aber nicht reichte, wurde noch in der Nachbarschaft eine Teilgemeinschaftsunterkunft eröffnet, die von 18 Menschen bewohnt wird und die von der Zentrale aus betreut und versorgt wird.

Aufgrund des knappen Platzangebots in Gemeinschaftsunterkünften mussten erstmals allersdings auch fünf Personen aushäusig eingemietet werden. Sie bekamen ein Quartier in Euerdorf zugewiesen.
Das Landratsamt Bad Kissingen muss nach den gesetzlichen Regelungen die Unterkünfte nur beschaffen, aber nicht bezahlen. Das ist nach Auskunft von Presseprecher Stefan Seufert Aufgabe des Freistaats wie auch der Abschluss von Mietverträgen. Das hindert die Landkreisverwaltung nicht daran, die Augen nach Unterbringungsmöglichkeiten offen zu halten. "Im Moment ist die Lage ruhig, gibt es keine Anfragen aus Würzburg", meint Seufert. "Aber wir gehen davon aus, dass auch bei uns im nächsten Frühjahr die Regierung wieder Bedarf anmeldet."

Chronik der letzten Entwicklungen:
Seit 2010 bemüht sich die Regierung von Unterfranken, neue Standorte für zentrale - also von der Regierung betriebene - Gemeinschaftsunterkünfte (GU) zu schaffen. Die Zahl der Asylbewerber, die der Bezirk unterbringen musste, war sprunghaft von 343 im Jahr 2009 auf 751 im Folgejahr angestiegen.
2011 wurde die GU in Kleinlangheim mit 80 Plätzen eröffnet. Trotzdem reichten Ende des Jahres die zentralen Unterkünfte erstmals nicht mehr aus. 810 Asylbewerber nahm Unterfranken 2011 auf. Es wurden erste staatliche Ausweichunterkünfte benötigt.
Anfang 2012 waren auch diese belegt - die dezentrale Unterbringung begann: Im Februar kamen die ersten Direktzuweisungen nach Aschaffenburg und Miltenberg. Im Laufe des Jahres wurde eine GU mit 60 Plätzen in Gemünden in Betrieb genommen. Münnerstadt und Bad Königshofen konnten um zusammen 35 Plätze erweitert werden. Im November wurde eine weitere staatliche Unterkunft mit 30 Plätzen in Wörth am Main eingerichtet. Trotzdem sieht die Regierung derzeit einen zusätzlichen Bedarf von 400 Plätzen. Die Asylbewerberzahl von 2011 ist in diesem Jahr bereits überschritten.