Bevor der 32. Theaterring am 6. Mai mit einem großen historischen Tableau über Martin Luther in den Verstrickungen seiner Zeit endet, führt das Theater Schloss Maßbach bei seinem Gastspiel beim Theaterring am 24. April erst einmal direkt in unsere jetzige Zeit. Rolf Heiermann, der seit vielen Jahren als Gastregisseur in Maßbach tätig ist, hat Gottfried Kellers berühmte Novelle "Kleider machen Leute" über die Macht des Äußeren und die Verwicklungen, die entstehen, wenn man Menschen dem ersten Augenschein nach beurteilt, für einen Theaterabend bearbeitet.

Er hat im Kern von Kellers Novelle eine Problematik ausgemacht, die nicht nur zeitlos ist, schon oft zu folgeschweren Fehlentscheidungen geführt hat - und auch die auch heute noch das Potenzial hat, gefährliche Situationen auszulösen.


Schustergeselle strandet in Dorf

Die Uraufführung fand kürzlich im Theater Maßbach statt. Das Abenteuer, das bei Keller dem armen Schustergesellen Wenzel widerfährt, der in einem Dorf strandet, einen prächtigen Mantel trägt und deshalb für einen reichen polnischen Grafen gehalten wird, ließ ihn darüber nachdenken: Was würde wohl mit einem jungen Türken geschehen, der im Jahre 2016 in einem Dorf mitten im Thüringer Wald bei Schneesturm in ein Gasthaus gerät, das per Radio gerade vor einem entlaufenen Terroristen gewarnt worden ist?


Furcht vor fremden Menschen

Der hungrige, durchgefrorene Fremde trägt einen schwarzen Kapuzenpulli und hat sich eine Decke gegen Schnee und Kälte umgehängt. Im Wirtshaus stößt er auf Dorfbewohner, die in ihrem post-sozialistischen Land die Befreiung von Rundum-Überwachung und Reise-Unfreiheit zwar gutheißen, sich zum Teil aber vor gar zu offenen Grenzen und fremden Menschen fürchten. Und das vor allem, wenn diese bärtig sind, ständig erregt auf Türkisch mit dem Handy telefonieren und sich verdächtig gut mit dem Internet auskennen.

Heiermann hat ein Zeitstück geschrieben, bei dem viele der Fragen aufgeworfen werden, die heutzutage Gespräche unter Freunden, an den sprichwörtlichen Wirthaustischen und den übermächtigen Talkshows in unserem Land gleichermaßen beherrschen. Dem Genre Bauerntheaterstück gemäß wartet Heiermanns "Kleider machen Leute" mit manchmal recht witzigen Dialogen, gleich zwei Liebespaaren und einer gewissen Spannung auf den Ausgang auf, denn man kann sich bei so viel Umarbeitung ja nicht unbedingt auf Gottfried Kellers rosarotes Happy End verlassen. Der Autor lässt aber auch den Ernst der Thematik nicht außen vor, warnt vor der Allgegenwart von Vorurteilen auch bei "anständigen Leuten" und vor den allzu schnell rekrutierten Schützen einer Bürgerwehr mit handfesten Pegida-Parolen.