"Letzte Spuren bewahren" heißt der Arbeitskreis, der dem Stadtrat Empfehlungen zum Gedenken an die Judenverfolgung durch die Nazis geben möchte. Unter den verschiedenen Vorschlägen wird zurzeit eine Gedenkstätte am Seelhaus-Platz favorisiert.
Am Mittwoch traf sich ein knappes Dutzend Interessierter und Engagierter, die zusammen mit Bürgermeister Ernst Stross, Michael Mence und dessen Ehefrau Cornelia, Kreisheimatpflegerin, mögliche Maßnahmen diskutierten.
Eine für alle Hammelburger Ortsteile akzeptable Lösung wurde speziell für die Ortsteile Untererthal und Westheim gesucht. Der Stadtrat entscheide letztlich, was zu tun sei, betonte Stross. In jedem Fall sei die Tatsache zu würdigen, dass die verfolgten jüdischen Mitbürger ein wichtiger Teil der Bevölkerung gewesen seien.
Stolpersteine: Wenig Befürworter
Außer dem Platz am Seelhaus, wo früher eine Synagoge stand, waren zuvor noch weitere Plätze in der Diskussion. So zum Beispiel am Haus der Familie Sichel, am Hammelburger Rathaus, am Roten Schloss und am so genannten Schabbes-Gärtchen nahe dem Kreisverkehr am evangelischen Pfarrhaus. Verworfen wurde eine Gedenkstätte am jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen.
Auch die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig - im Gehweg eingelassene Pflastersteine mit Namen und Daten der Verfolgten - fanden wenig Befürworter. Schließlich sollten diese nicht mit Füßen getreten werden, war sich der Arbeitskreis einig.
Auf Zustimmung stieß auch der Gedanke, die Gedenktafeln ausschließlich den verfolgten toten und den noch lebenden Juden zu widmen, nicht aber anderen Verfolgten wie Regimegegnern, Homosexuellen oder Sinti und Roma. "Und wir sollten die Namen der Verfolgten nennen", regte Pfarrer Christian Müssig an. Jeder einzelne Mensch sollte in den Erinnerungsprozess genommen werden.
"Man sollte lieber an einem zentralen Ort in Hammelburg statt in verschiedenen Ortsteilen gedenken", meinte auch Altbürgermeister Arnold Zeller, auch wenn die heutigen Stadtteile früher selbstständige Dörfer gewesen seien. "Die Ortsbeauftragten sollten sich jetzt mit den älteren Anwohnern in Verbindung setzen und deren Meinungen darüber einholen", schlug Helmut Scholl vor.
An das jährliche Gedenken zur Reichspogromnacht auf dem Seelhaus-Platz am 9. November erinnerte Arnold Zeller. Vor 15 Jahren habe man klein angefangen und anfangs noch teilweise Widerstand in der Bevölkerung gespürt.
Heutzutage genieße dieser Platz Sensibilität in der Öffentlichkeit, war sich Pfarrer Christian Müssig sicher. Auch dass dort in der Nachbarschaft die Lebenshilfe ein Bauprojekt plane, passe gut zusammen, so Bürgermeister Stross.
Treffen am 12. Januar
Ein weiteres Thema für die nächste Zusammenkunft des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren" ist für 12. Januar geplant. Dann wird auch der Frage nachgegangen, wie ein Stadtrundgang zum Thema "Jüdische Geschichte in Hammelburg" gestaltet werden kann.
Eine für alle Hammelburger Ortsteile akzeptable Lösung wurde speziell für die Ortsteile Untererthal und Westheim gesucht. Der Stadtrat entscheide letztlich, was zu tun sei, betonte Stross. In jedem Fall sei die Tatsache zu würdigen, dass die verfolgten jüdischen Mitbürger ein wichtiger Teil der Bevölkerung gewesen seien.
Stolpersteine: Wenig Befürworter
Außer dem Platz am Seelhaus, wo früher eine Synagoge stand, waren zuvor noch weitere Plätze in der Diskussion. So zum Beispiel am Haus der Familie Sichel, am Hammelburger Rathaus, am Roten Schloss und am so genannten Schabbes-Gärtchen nahe dem Kreisverkehr am evangelischen Pfarrhaus. Verworfen wurde eine Gedenkstätte am jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen.
Auch die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig - im Gehweg eingelassene Pflastersteine mit Namen und Daten der Verfolgten - fanden wenig Befürworter. Schließlich sollten diese nicht mit Füßen getreten werden, war sich der Arbeitskreis einig.
Auf Zustimmung stieß auch der Gedanke, die Gedenktafeln ausschließlich den verfolgten toten und den noch lebenden Juden zu widmen, nicht aber anderen Verfolgten wie Regimegegnern, Homosexuellen oder Sinti und Roma. "Und wir sollten die Namen der Verfolgten nennen", regte Pfarrer Christian Müssig an. Jeder einzelne Mensch sollte in den Erinnerungsprozess genommen werden.
"Man sollte lieber an einem zentralen Ort in Hammelburg statt in verschiedenen Ortsteilen gedenken", meinte auch Altbürgermeister Arnold Zeller, auch wenn die heutigen Stadtteile früher selbstständige Dörfer gewesen seien. "Die Ortsbeauftragten sollten sich jetzt mit den älteren Anwohnern in Verbindung setzen und deren Meinungen darüber einholen", schlug Helmut Scholl vor.
An das jährliche Gedenken zur Reichspogromnacht auf dem Seelhaus-Platz am 9. November erinnerte Arnold Zeller. Vor 15 Jahren habe man klein angefangen und anfangs noch teilweise Widerstand in der Bevölkerung gespürt.
Heutzutage genieße dieser Platz Sensibilität in der Öffentlichkeit, war sich Pfarrer Christian Müssig sicher. Auch dass dort in der Nachbarschaft die Lebenshilfe ein Bauprojekt plane, passe gut zusammen, so Bürgermeister Stross.
Treffen am 12. Januar
Ein weiteres Thema für die nächste Zusammenkunft des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren" ist für 12. Januar geplant. Dann wird auch der Frage nachgegangen, wie ein Stadtrundgang zum Thema "Jüdische Geschichte in Hammelburg" gestaltet werden kann.

Erst jetzt ist mir aufgefallen, dass im obigen Pressebericht berichtet wird, dass am Seelhausplatz einst die Hammelburger Synagoge gestanden habe.
Das ist leider nicht korrekt. Die Hammelburger Synagoge steht noch heute in Nachbarschaft des Seelhausplatzes.
Die noch existierende Synagoge ist heute ein Privathaus. Am 10. November 1938, am Tag des Pogroms, wurde der jüdische Gemeindevorsteher Julius Mantel verhaftet. Er sollte im Amtsgerichtsgefängnis Hammelburg die Enteignung der jüdischen Gemeinde mit allen Liegenschaften unterschreiben. Julius Mantel weigerte sich, dies zu tun und wurde deshalb ins KZ Dachau eingeliefert.
Am 11.11.1938 schändeten SA-Männer aus Hammelburg die Synagoge, indem sie die Inneneinrichtung und die Thorarollen zerstörten. Die Synagoge und die jüdische Religionsschule gingen sodann in den Besitz der Stadt Hammelburg über. Die NSV richtete in der Synagoge Schweineställe ein bis April 1945.
Dann stand die Syngoge lange Zeit leer und verfiel. Dies geht aus einem Gendarmerieprotokoll des Jahres 1946 hervor (StaWü).Die Stadt verkaufte 1946 die Synagoge und das Anwesen Dalbergstraße 57 an privat. Der Privatmann, so heißt es, habe sehr großen Respekt vor dem Synagogen-Gebäude gehabt. Erst in den 1960er Jahren wurde es innen umgebaut. Die ehemalige Synagoge ist als Gebäude noch vollständig erhalten im Anwesen Dalbergstraße 57.
Der Seelhausplatz hat mit der Synagoge historisch und städtebaulich nichts zu tun.In den 1990er Jahren wurden dort eine Erinnerungstafel angebracht, die auf die benachbarte Synagoge hinweist.
Ist der Seelhausplatz in Hammelburg der geeignete Ort für eine jüdische Gedenkstätte aus historischer und städtebaulicher Sicht?
Das alte Seelhaus, die Seelhausgasse und der spätere Seelhausplatz hatten historisch zu keiner Zeit etwas mit der jüdischen Gemeinde zu tun. Das historische Anwesen der jüdischen Gemeinde, die Synagoge und das jüdische Schulhaus, waren die Dalbergstraße 57 (früher Judengasse 57). Dort war der Eingang zur Synagoge und zur jüdischen Religionsschule, nicht am heutigen Seelhausplatz.
Dieser später geschaffene Gedenkplatz ist nicht authentisch historisch jüdisch.
Warum lässt man die Gedenkstätte, z. B. eine Stele mit den Namen der Opfer, nicht in die Mitte und in das Zentrum der Stadt zurückkehren, da wo einst jüdisches Leben stattfand, pulsierte und wo heute das Leben pulsiert: mitten in der Stadt am Markplatz?
Viele jüdische Familien wohnten am Marktplatz bzw. in seiner Nähe. Hier war ihr Haus und ihr Geschäft, hier gehörten sie dazu in der Mitte der Stadt und nicht im Abseits der Seelhausgasse.
In die Mitte der Stadt, in das Zentrum sollten sie mit ihren Namen zurückkehren können: aus jahrzehntelangem Vergessen in die Mitte heutiger Gegenwart.
Am Seelhausplatz könnte eine Infotafel neu geschaffen werden, welche die Historie der benachbarten Synagoge erklärt. Das dort angebrachte Schild berichtet nichts von der Schändung der Synagoge am Morgen des 11.11.1938, es berichtet nichts von der Zwangsenteignung der jüdischen Gemeinde am Tag des Pogroms im alten Gefängnis, es berichtet nichts von der KZ-Einweisung des jüdischen Gemeindevorstehers Julius Mantel, es berichtet nichts von der Umwandlung der Synagoge in einen Schweinestall durch die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) bis April 1945. Die Tafel, die heute am Seelhausplatz auf die ehemalige Synagoge hinweist, verschweigt mehr als dass sie informiert.
Ältere Mitbürger und Generationen plädieren eher für eine Gedenktafel, aber spricht eine einzige große Gedenktafel junge Menschen und nachkommende Generationen an? Erweckt sie deren Interesse und Neugier?
Junge Menschen sind aufgeschlossen für neue Wege und Formen der Erinnerung. Stolpersteine in der Stadt sind für Kinder und Jugendliche eine "Entdeckungsreise", sich mit dem Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus zu beschäftigen.
Die Schaffung einer Gedenkstätte sollte nicht die Beklemmung und das verständliche Schweigen der älteren Generation widerspiegeln, sondern die Freiheit und Offenheit nachkommender junger Generationen, ihre Neugier und ihr Interesse.
Junge Leute sollten mit ihren Ideen und Vorschlägen, mit ihrer inneren Unbefangenheit und Freiheit, in die Schaffung der Gedenkstätte einbezogen werden. Lehrer sollten mit Schulklassen Entwürfe für verschiedene Formen des Gedenkens entwickeln und darstellen können. Diese Entwürfe könnten im Rathaus ausgestellt werden. Auch könnten lokale Künstler/innen in diese Projektarbeit einbezogen werden.
Keine düstere Erinnerungsstätte, sondern für junge Menschen eine Entdeckungsreise, die Wege in die Vergangenheit, aber auch in Zukunft eröffnet.
Geben Sie jungen Menschen die Chance, mitwirken zu dürfen an der sichtbaren Gestaltung von verschiedenen Formen der Erinnerung und des Gedenkens in der Stadt und in den Ortsteilen.
Jeder betroffene Ortsteil (Westheim und Untererthal, aber auch Pfaffenhausen) sollte eigene Wege der Erinnerung entwickeln können.
In vielen Städten haben sich die Fraktionen aller Parteien für die Verlegung von Stolpersteinen entschieden. In Bad Kissingen werden Stolpersteine verlegt, in Aschaffenburg, in Würzburg. Warum nicht in Hammelburg? Warum verweigern hier ausgerechnet SPD und Grüne die Verlegung dieser Erinnerungssteine?
Gerade Stolpersteine ermöglichen die namentliche Erinnerung an Einzelschicksale. Eine allgemeine Gedenktafel ohne Nennung der Namen verhüllt nur weiter die Schrecken der NS-Zeit. Nach mehr als 70 Jahren sollten alle Opfer der NS-Zeit namentlich in die Mitte einer Stadt zurückkehren dürfen. Es geht genau darum: um die namentliche Rückkehr.
Neun Stolpersteine waren bereits gestiftet für vier deportierte Kinder und Jugendliche im Alter von 5 - 17 Jahren, für ihre Eltern, des Weiteren für eine junge jüdische Frau, die 1936 nach Frankfurt fliehen musste, dann nach Frankreich und von dort aus deportiert wurde. Auch für ein nichtjüdisches Opfer war ein Stolpersteinstifter vorhanden. Warum wurde diesem die Stiftung eines Erinnerungssteines für seinen Großvater, der 1943 im KZ Lublin/Majdanek ermordet wurde, ausgeredet, warum setzte man die Nachfahren unter Druck, die Stiftung zurückzuziehen?
Warum will der Arbeitskreis "Letzte Spuren bewahren" keine Erinnerung an nichtjüdische Opfer des Nationalsozialismus? Diese haben genauso schlimme, einsame und furchtbare Stunden, Tage und Monate im Hammelburger Gefängnis verbracht und anschließend in zwei Fällen in einem KZ und Vernichtungslager, wo sie ermordet wurden.
Es ist nicht nachvollziehbar, für diese Opfer keine Erinnerung zu schaffen. Sie gehören mit dazu, weil sie der Willkür und den Schrecken des NS-Regimes genauso ausgeliefert waren, weil sie den Mut hatten, ihre Meinung frei und offen zu äußern, und deshalb vernichtet und ausgelöscht wurden. Ihr Schicksal ist ein Mahnung für die Nachwelt, die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut des Menschen zu achten.
Es ist begrüßenswert, dass die Stadt Hammelburg endlich nach über 70 Jahren eine Gedenkstätte für zwangsenteignete, vertriebene, deportierte und ermordete jüdische Familien schaffen will.
Unverständlich bleibt jedoch, warum nichtjüdische Opfer des Nationalsozialismus, die genauso Furchtbares und Schlimmes erlebt haben, nicht in dieses Gedenken miteinbezogen werden sollen.
Bislang gibt es im Stadtbild nichts außer einem Stein, auf dem der Name Samuel Sichel steht, was namentlich an jüdische Mitbürger erinnern würde.
Wer Samuel Sichel war und welches Schicksal er in der Reichspogromnacht und danach erlebte, das erfährt die Öffentlichkeit nicht.
Sehr lange, über 7 Jahrzehnte, hat die Stadt Hammelburg ihre Geheimnisse über die NS-Zeit gehütet. Vor allem über die Täter und Hauptverantwortlichen. Noch bis 2009 wurde bei der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht verkündet, dass "eine auswärtige Schlägertruppe" die Verwüstungen angerichtet habe. Diese Darstellung entspricht eindeutig nicht der Wahrheit: es waren SA-Männer aus der Stadt, es waren ortsbekannte Männer aus Hammelburg.
Der Geschichtskreis Hammelburg hat 2009 begonnen, das Schicksal jüdischer Familien aufzuarbeiten. Es sind Familien, die vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden waren, z. B. die Erinnerung an die Familie Julius Strauss, die in der Kissinger Straße 17 wohnte. Ihr Geschäft und Haus wurde am 10.11.1938 brutalst demoliert, die Familie wurde am selben Tag verhaftet, ins Hammelburger Gefängnis gebracht und dort zwangsenteignet. Noch im November 1938 floh die Familie nach Frankfurt a. M, von wo aus sie 1942 deportiert wurde. Besonders betroffen macht das Schicksal des kleinen Benjamin Strauss, der nur 5 Jahre alt wurde und in das Kinder-KZ Majdanek kam und dort mit seiner Mutter ermordet wurde.
Für den kleinen Benjamin und seine Eltern waren bereits drei Stolpersteine gestiftet, ebenso für die Familie Steinkritzer, für eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern.