Es war kein leichter Weg. Acht Monate lang wurde diskutiert, gerungen und am Ende doch ein Konsens erzielt. Denn das gemeinsame Ziel, in einer würdigen Form der jüdischen Opfer der NS-Zeit zu gedenken, wog schwerer als unterschiedliche Ansichten in Einzelfragen.
Michael Mence, Leiter des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren", stellte im Stadtrat jetzt die Pläne für eine Gedenkstätte vor. Er betonte, dass es auch darum gehe, das Engagement des früheren Bürgermeisters Arnold Zeller fortzusetzen.
Findling mit Tafel
Ein Findling soll aufgestellt werden inmitten des Seelhausplatzes. Auf dem großen Stein ist eine Metalltafel vorgesehen mit folgenden Worten: In Erinnerung an die vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen BürgerInnen und all die namenlos gebliebenen.
Ferner ist eine Auflistung von 33 Namen geplant mit dem jeweiligen Geburtsjahr und dem Ort, wo die Menschen ums Leben gekommen sind, zum Beispiel Dachau, Auschwitz oder Theresienstadt.
Darüber hinaus wird ein Zitat des französischen Regisseurs Claude Lanzmann über "die Vernichtung" zu lesen sein. Lanzmann hat den neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" über die Erinnerung an den Holocaust gedreht. Neben den Plänen für die Gedenkstätte hat der Arbeitskreis auch eine Dokumentation erstellt mit den wichtigsten Daten der Biographien der 33 genannten jüdischen Mitbürger.
Bei der Standortsuche sei auch über Samuel-Sichel-Platz, jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen, Rathaus, Kellereischloss, Schabbesgärtchen und Hammelburger Friedhof geredet worden, so Mence. Über "Stolpersteine" mit den Namen der Betroffenen, die ins Pflaster eingelassen werden, als eine andere Form des Gedenkens habe der Arbeitskreis ebenfalls diskutiert.
Wichtigste Kriterien für die Wahl des Standorts seien die Nähe zu einer ehemaligen jüdischen Einrichtung gewesen und eine öffentliche Zugänglichkeit rund um die Uhr.
Diese Bedingungen erfülle der Seelhausplatz, auch sei es dort "ruhig und etwas verträumt". Ein gewichtiges Argument sei natürlich ebenso gewesen, dass dort, wo früher die Synagoge stand, seit vielen Jahren die jährlichen Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht stattfinden.
Was die Form des Gedenkens angeht, "wollten wir etwas finden, was zu uns und Hammelburg passt, zu der Altstadt mit ihren Höfen und Gärten und zu den Weinbergen. Etwas, das die Nähe zu Natur und Scholle ausdrückt", umschrieb Mence. Ein Findling mit einer Metalltafel erfülle diese Voraussetzungen, er sei "unprätentiös und zurückhaltend, und fest verankert im Boden". Aufgestellt werden solle er mitten auf dem Platz, damit er eine Alleinstellung erhalte und "in den Fokus von Besuchern und Passanten rückt."
Zudem empfiehlt der Arbeitskreis, eine Broschüre in Deutsch und Englisch zu erstellen, die nicht nur die Zeit des Holocausts beschreibt, sondern die gesamte Spanne des Zusammenlebens von Christen und Juden seit dem 13. Jahrhundert.
"Die Broschüren könnten in einem Metallbehälter vor Ort ausgelegt werden und Interessierten zusätzliche Informationen bieten", regte Michael Mence an. Doch das sei noch "Zukunftsmusik". Zunächst sollten die Gedenkstätten errichtet werden, außer in Hammelburg noch in Untererthal und Westheim, die eigene jüdische Gemeinden hatten.
"Nicht überfrachten"
Stadträtin Annemarie Fell (BfU/Grüne) schlug vor, auf der Tafel den Ort des Todes mit einem Hinweis wie KZ zu ergänzen, für den Fall, dass in nachfolgenden Generationen das Wissen um Auschwitz oder Dachau schwinde. SPD-Fraktionssprecher Reinhard Schaupp entgegnete, Gedenktafeln sollten mit Informationen nicht überfrachtet werden. "So sind sie eher ein Anstoß zum Nachdenken. Wer sich wirklich interessiert, kann den Namen auch googeln", meinte Schaupp.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) begrüßte das Projekt und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Der Bauhof könne sicher bei der Umsetzung helfen.
Bereits am Dienstag, 2. August, wird sich der Arbeitskreis das nächste Mal treffen, und zwar um 18 Uhr im Westheimer GeFiGa-Heim im Raum des Filmclubs. "Alle Ortsbürger und andere Interessierte sind hierzu willkommen und können sich bei der Gestaltung der Westheimer Gedenkstätte einbringen", unterstrich Mence.
Findling mit Tafel
Ein Findling soll aufgestellt werden inmitten des Seelhausplatzes. Auf dem großen Stein ist eine Metalltafel vorgesehen mit folgenden Worten: In Erinnerung an die vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen BürgerInnen und all die namenlos gebliebenen.
Ferner ist eine Auflistung von 33 Namen geplant mit dem jeweiligen Geburtsjahr und dem Ort, wo die Menschen ums Leben gekommen sind, zum Beispiel Dachau, Auschwitz oder Theresienstadt.
Darüber hinaus wird ein Zitat des französischen Regisseurs Claude Lanzmann über "die Vernichtung" zu lesen sein. Lanzmann hat den neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" über die Erinnerung an den Holocaust gedreht. Neben den Plänen für die Gedenkstätte hat der Arbeitskreis auch eine Dokumentation erstellt mit den wichtigsten Daten der Biographien der 33 genannten jüdischen Mitbürger.
Bei der Standortsuche sei auch über Samuel-Sichel-Platz, jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen, Rathaus, Kellereischloss, Schabbesgärtchen und Hammelburger Friedhof geredet worden, so Mence. Über "Stolpersteine" mit den Namen der Betroffenen, die ins Pflaster eingelassen werden, als eine andere Form des Gedenkens habe der Arbeitskreis ebenfalls diskutiert.
Wichtigste Kriterien für die Wahl des Standorts seien die Nähe zu einer ehemaligen jüdischen Einrichtung gewesen und eine öffentliche Zugänglichkeit rund um die Uhr.
Diese Bedingungen erfülle der Seelhausplatz, auch sei es dort "ruhig und etwas verträumt". Ein gewichtiges Argument sei natürlich ebenso gewesen, dass dort, wo früher die Synagoge stand, seit vielen Jahren die jährlichen Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht stattfinden.
Was die Form des Gedenkens angeht, "wollten wir etwas finden, was zu uns und Hammelburg passt, zu der Altstadt mit ihren Höfen und Gärten und zu den Weinbergen. Etwas, das die Nähe zu Natur und Scholle ausdrückt", umschrieb Mence. Ein Findling mit einer Metalltafel erfülle diese Voraussetzungen, er sei "unprätentiös und zurückhaltend, und fest verankert im Boden". Aufgestellt werden solle er mitten auf dem Platz, damit er eine Alleinstellung erhalte und "in den Fokus von Besuchern und Passanten rückt."
Zudem empfiehlt der Arbeitskreis, eine Broschüre in Deutsch und Englisch zu erstellen, die nicht nur die Zeit des Holocausts beschreibt, sondern die gesamte Spanne des Zusammenlebens von Christen und Juden seit dem 13. Jahrhundert.
"Die Broschüren könnten in einem Metallbehälter vor Ort ausgelegt werden und Interessierten zusätzliche Informationen bieten", regte Michael Mence an. Doch das sei noch "Zukunftsmusik". Zunächst sollten die Gedenkstätten errichtet werden, außer in Hammelburg noch in Untererthal und Westheim, die eigene jüdische Gemeinden hatten.
"Nicht überfrachten"
Stadträtin Annemarie Fell (BfU/Grüne) schlug vor, auf der Tafel den Ort des Todes mit einem Hinweis wie KZ zu ergänzen, für den Fall, dass in nachfolgenden Generationen das Wissen um Auschwitz oder Dachau schwinde. SPD-Fraktionssprecher Reinhard Schaupp entgegnete, Gedenktafeln sollten mit Informationen nicht überfrachtet werden. "So sind sie eher ein Anstoß zum Nachdenken. Wer sich wirklich interessiert, kann den Namen auch googeln", meinte Schaupp.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) begrüßte das Projekt und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Der Bauhof könne sicher bei der Umsetzung helfen.
Bereits am Dienstag, 2. August, wird sich der Arbeitskreis das nächste Mal treffen, und zwar um 18 Uhr im Westheimer GeFiGa-Heim im Raum des Filmclubs. "Alle Ortsbürger und andere Interessierte sind hierzu willkommen und können sich bei der Gestaltung der Westheimer Gedenkstätte einbringen", unterstrich Mence.

An die Redaktion: Bildunterschrift oben stimmt nicht: die Hammelburger Synagoge befand sich nicht auf dem Seelhausplatz, sondern steht noch heute als Privathaus in unmittelbarer Nachbarschaft. Seit 15 Jahren verschweigt die Gedenktafel am Seelhausplatz, dass die Synagoge noch heute existiert. Das ist ein unhaltbarer Zustand, der zu fortlaufenden Missverständnissen führt. Mehrfach haben Lokalhistoriker die Stadt bereits gebeten, am Seelhausplatz eine Infotafel zur Geschichte der benachbarten und noch existenten Synagoge zu schaffen. Dies ist bis heute nicht geschehen, mit der Folge, dass selbst Lokalredaktionen den Seelhausplatz für jenen Platz halten, "wo einst die Synagoge stand", dabei steht die Synagoge direkt daneben. An den Seelhausplatz gehört eine Infotafel zur Geschichte der Hammelburger Synagoge. Ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus gehört ins Zentrum der Stadt: ins Hammelburger Rathaus (Rathausremter), das vom 12. März 1933 - 6. April 1945 Haupttatort der NS-Zeit war.
Ergänzt sei des Weiteren: eine öffentliche und freie Konsensfindung von Lokalhistorikern und Bürgern der Stadt Hammelburg zu diesem entsetzlichen Besinnungswald-Findlings-Denkmal am Seelhausplatz - unmittelbar vor der Haustüre von Behinderten (geplantes neues Wohnprojekt der Lebenshilfe, das 2012 realisiert wird) - gab es zu keiner Zeit. Von einem gefundenen Konsens kann hier keine Rede sein. Historiker, die die Verlegung von Stolpersteinen befürworteten, wurden aus dem Arbeitskreis "Letzte Spuren bewahren" ausgeschlossen. Dann legten die Besinnungswald-Historiker Michael und Cornelia Mence unter der Vorgabe des 1. Bürgermeisters Ernst Stross (SPD) das Denkmal am Seelhausplatz fest. Jede Widerrede und jeder Widerspruch gegen dieses Denkmal wurde unterbunden. Jeder Vorschlag für einen anderen Standort wurde abgewiesen. Es ist unfassbar, auf solchen Wegen ein Holocaust-Denkmal als Alternative zur Verlegung von Stolpersteinen zu schaffen. Der Seelhausplatz als Gedenkort widerspricht der gesamten historischen Quellenlage, die in Archiven vorzufinden ist. Dieser Platz tritt die historische Quellen- und Faktenlage mit Füßen - und die Würde der Opfer. Auch die Würde der nichtjüdischen Opfer, die mit keinem einzigen Wort erwähnt werden. Dieses Denkmal ist ein Skandal! Es ist ein Affront, dass in einer öffentlichen Stadtratssitzung "ein Historiker" im Jahr 2011 mit den Worten "Natur und Scholle" (= Blut und Boden") zum Gedenken an den Holocaust öffentlich sprechen darf und kann.
Ein Findling als Holocaust-Denkmal? Fiel der Nationalsozialismus wie ein Findling von Himmel?
Mehr als erschreckend sind die Darlegungen des "Besinnungswald"-Historikers Michael Mence zum geplanten Holocaust-Denkmal in Hammelburg am Seelhausplatz: "Natur und Scholle - fest verankert im Boden - unprätentiös - idyllisch und verträumt", sind das Begriffe, mit denen in einer öffentlichen (!) Stadtratssitzung allen Ernstes das Gedenken an die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte assoziiert werden darf?
Die Verlegung von Stolpersteinen hat der Hammelburger Stadtrat verboten, aber einem "Besinnungswald"-Historiker wird genehmigt, in dieser entsetzlich dunklen abgründig-mythischen "Besinnungswald"-Sprache ("Natur und Scholle" - Klingt das nicht wie "Blut und Boden?") das dunkelste Kapitel der Lokalhistorie öffentlich zu benennen? Zwei Überlebende des Holocaust, Charlotte Isler, geb. Nussbaum und Ernest Nussbaum, haben sich in einem Brief an den 1. Bürgermeister der Stadt Hammelburg unmissverständlich gegen den Seelhausplatz und gegen das geplante Findlingsdenkmal der Besinnungswald-Historiker ausgesprochen. Auch Arnold Samuel, überlebender Jude der Stadt Hammelburg, sprach sich heute in einem Interview der Mainpost klar und deutlich gegen den Seelhausplatz aus. Dieser Ort und Platz tritt die Würde der Opfer mit Füßen. Dieser Platz war nie Stätte jüdischen Lebens und nie Tatort des Nationalsozialismus: dort fand der Pogrom nicht statt, dort wurde nicht deportiert. Historiker haben den Stadtrat mehrfach auf diese historische Quellen- und Faktenlage hingewiesen. Woher nimmt ein Stadtrat die Legitimation, sich über die historische Quellenlage zu erheben und einzig einer finster-mythischen "Natur-und Scholle- Besinnungswald-Gedenk-Esoterik" zu folgen?