Was hat der Kneipp-Kindergarten in Bad Bocklet mit dem Biosphärenreservat Rhön zu tun? Klar, Natur kennen lernen und so. Aber demnächst wird es erheblich mehr sein. Wenn das Gebiet wie geplant erweitert ist, dann tut sich für die Kindergärten in der Biosphäre eine völlig neue Förderkulisse auf. Und die möchte Claus Schenk anzapfen.
Was dem Fachberater Umweltbildung im Naturpark und Biosphäre Bayerische Rhön vorschwebt, ist der "Biosphärenkindergarten". Schenk: "Noch nie ist so wenig für Nahrungsmittel ausgegeben worden, und noch nie sind Lebensmittel so gering geschätzt worden. Das ist eine Bildungsaufgabe."

Warum Schenk und sein Kollege Stefan Dohrmann vom Haus der Langen Rhön die Kindergartenleiterinnen des neuen Reservats ausgerechnet nach Bad Bocklet eingeladen hatten, hatte einen Grund: Der Kneipp-Kindergarten hat in Sachen Bio-Verpflegung schon viele Ziele verwirklich, ist so etwas wie ein Modellkindergarten für die Region geworden.

"Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren viel berichtet über die gefahren von Pestiziden oder Genmanipulationen an Nahrungsmitteln, vor deren Folgen wir die Kinder schützen müssen", fordert Gwendolin Wagner vom Fachzentrum Ernährung Unterfranken, einer Abteilung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg. Sie betreut die Kindergärten im Amtsbereich. Die Produktion von Bionahrungsmitteln in Deutschland reiche noch nicht aus, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen - die das zum Teil schon aus Kostengründen auch gar nicht will. "Aber wenn man hier vor Ort in der Rhön die Vermarktungsstrukturen kennt, ist das durchaus machbar."

Die Stichworte heißen: "regional, saisonal, biologisch und selbst verarbeitend". "Das ist auch nicht teurer, als wenn wir von einem Caterer beliefert werden", betont Dörte Jentsch, Vorsitzende des Trägervereins, die den Kindergartenleiterinnen ihr praktiziertes Modell erläuterte. Es sei zunächst einmal wichtig, das alle Beteiligten dieses Ziel wollen, denn es sei einiges an Umdenken erforderlich. Finanziell sei ihr Verein kein Risiko eingegangen. Von den Einnahmen aus dem Mittagessen (2,10 Euro) und den Nebenmahlzeiten (8 Euro pro Woche) sei es möglich, eine Kraft zu bezahlen, die einkauft und kocht. Wichtig sei eine gute Planung. Denn Biofleisch gibt es selten spontan zu kaufen. Wobei die höheren Preise für Bio gemüse problemlos durch eine Reduzierung im Fleischverbrauch kompensiert werden konnten.

Wichtig sei eine Küche, die den Anforderungen gerecht werden kann. In Bad Biocklet wird demnächst eine neue eingebaut. Finanziert wird sie mit 8000 Euro aus den Essenseinnahmen. Und natürlich hofft Dörte Jentsch noch auf den einen oder anderen Sponsor.