Seit dem ersten Tag versteht sich das "ab geht die Lutzi"-Festival als Veranstaltung für alle. Um das nachhaltig zu gewährleisten, hat sich das Lutzi-Team des nun mit Fachleuten zusammengetan. Das Festival will sich für Menschen mit Behinderung bestmöglich aufstellen.

Bereits 2022 gibt es erste Veränderungen. In Rottershausen findet das Festival vom 23. bis 25. Juni nach zweijähriger Pause wieder statt. Hinter den Kulissen wurde die Zeit gut genutzt.

HÖME Festival Playground gab den Anstoß

"Der HÖME Festival Playground gab für uns den Anstoß, uns künftig intensiv mit den Themen Inklusion und Barrierefreiheit auseinanderzusetzen", sagt Festival-Chef Christian Stahl. Hinter dem Festival Playground steht ein Zusammenschluss von über 80 Festivals, die an einer nachhaltigen und innovativen Festivalzukunft arbeiten.

Die Erkenntnis der Expertinnen und Experten: "Inklusion wird auf immer mehr Festivals mitgedacht. Doch häufig geht es dabei lediglich um barrierearme Geländeplanung." Das greife zu kurz. Seit Mitte Januar 2022 arbeiten die Lutzi-Verantwortlichen daher konkret daran, das Festival umzugestalten.

Wo fängt man an?

"Das Ganze ist ein langfristiger (Lern-)Prozess. Wir hatten zu Beginn keinerlei Erfahrungswerte. Es bestand jedoch der dringende Wunsch, kulturelle Teilhabe für alle zu ermöglichen", so Stahl, der das Ganze mit Klaus Schmitt und Martin Werner hauptverantwortlich koordiniert. "Schließlich geht es darum, Menschenrechte umzusetzen."

Doch wo fängt man an? Hygiene? Befestigung? Kommunikation? Ein riesiger Berg an Aspekten, der zu bewältigen ist.

Das Team holte sich Hilfe: In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Bad Kissingen (Antje Rink und Felix Gantner vom Regionalmanagement), dem Bezirk Unterfranken (Popularmusikbeauftragter Benjamin Haupt) und unterstützt durch die Initiative "barrierefrei feiern", haben sie sich in den vergangenen Monaten in das Thema eingearbeitet.

Nicht nur eine Zielgruppe beachten

Dazu wurde im Februar auch ein Workshop mit den Fachleuten der Initiative "barrierefrei feiern" abgehalten. Die ersten Erkenntnisse: Ein inklusives Festival bedeutet ein "normales Miteinander" aller Menschen. Die Bemühungen dürfen sich nicht nur auf eine Zielgruppe, etwa Rollstuhlfahrer, konzentrieren.

Es gilt, das "Mindset" zu verändern und offen bei jenen nachzufragen, die es betrifft. Scheu ist ebenso fehl am Platz wie "übermäßiges Taktgefühl". Denn: "Die Kompromissbereitschaft bei Betroffenen ist groß", so die Botschaft der Initiative "barrierefrei feiern".

Regionales Netzwerk im Aufbau

Das Lutzi-Team ist in Phase 1 gerade dabei, ein reginales Netzwerk aufzubauen: Eine erste Geländebegehung samt Begutachtung kritischer Stellen hat bereits stattgefunden.

Auch der Online-Auftritt soll überarbeitet werden. Geplant ist eine eigene Seite zur Barrierefreiheit und die Anpassung der FAQ. Eine detaillierte Beschreibung, was die Besucherinnen und Besucher vor Ort vorfinden, sei in Arbeit. Von selbst verstehe sich das Angebot, sich vorab zu melden, um Bedarfe zu klären. Insgesamt solle die Homepage des Festivals barrierefreier werden.

Das verändert sich auf dem Festival

Und was verändert sich auf dem Festival selbst? "Auf jeden Fall nicht nur die Bodenbeläge", heißt es aus Rottershausen. Nach wie vor gilt: Begleitpersonen kommen ohne Ticket auf das Festival, wenn eine Person mit entsprechender Kennung im Ausweis mit Ticket dabei ist.

  • Das Team denkt derzeit über den Einsatz von barrierefreien Shuttlen vom Bahnhof zum Gelände nach, die auf Abruf bereitstehen.
  • Es sollen künftig Behindertenparkplätze direkt am Eingang ausgewiesen werden.
  • Menschen mit besonderen Bedürfnissen sollen künftig leichter ins Festivalareal gelangen: Der Eingang wird entsprechend angepasst. Außerdem soll in schwerwiegenden Fällen ein alternativer Einlass (auch auf dem Campingelände) zur Verfügung stehen.
  • Gleiches gilt für barrierefreie Toiletten besonderer Ausstattung. Auch eigene Duschen stehen zur Verfügung.
  • Essens- und Getränkestände ziehen ebenso mit: Die Tresen werden teilweise niedriger gestaltet. Der Zugang zur Zeltbühne wird überarbeitet und die Beschilderung auf dem Gelände erweitert.

"Wichtig ist uns zudem, dass das gesamte Team sensibilisiert wird", heißt es vom Orga-Team aus Rottershausen. Es gehe darum, Situationen zu erkennen, schnell unterstützen zu können und insgesamt angemessen zu reagieren.

Kreative Ideen und Improvisation

"Phase 2" soll dann in den kommenden Jahren zünden. "Schon im Vorfeld der diesjährigen "Lutzi" hat sich gezeigt, dass wir das ein oder andere mit kreativen Ideen und etwas Improvisation in der Organisation hinbekommen", sagt Christian Stahl, der gemeinsam mit seinem Team über den Sommer 2022 hinausdenkt.

Mit Spannung blicken sie auf die Erkenntnisse, die sich aus dem diesjährigen Festival ergeben werden. Klar sei aber bereits: "Es gibt einige, grundlegende Punkte, die nicht ohne größere Investitionen zu bewältigen sein werden."