Sensationsfund in Aschaffenburg: Neue These zu keltischem Bauwerk
Autor: Isabel Schaffner, Ralf Welz, Anton Knorr
Aschaffenburg, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Teile einer geheimnisvollen Anlage in Aschaffenburg aus dem 4. Jahrhundert vor Christus wurden jetzt geborgen. Diesem Zweck könnte sie gedient haben.
Seit 2020 entsteht an der Willigisbrücke in Aschaffenburg ein Regenüberlaufbecken. Im März 2026 trat hier bei Bauarbeiten eine komplexe, mehrschichtige Konstruktion aus Holz und Stein zutage. Die Überreste des historischen Bauwerks am Main erstrecken sich über nahezu 30 Meter. Die Eichenbalken stammen laut dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) aus der Eisenzeit und wurden zwischen 372 und 352 vor Christus gefällt.
"Auch für Laien ersichtlich, ist nun ein wichtiger Schritt getan: Das erste Drittel der 2400 Jahre alten Eichenbalken ist geborgen", heißt es in einer Pressemitteilung vom 1. September. Die Balken wurden in einem sorgfältig vorbereiteten Verfahren von Hand aus dem Bauwerk entfernt. Anschließend hob ein Kran die etwa 200 bis 250 Kilogramm schweren und drei bis vier Meter langen Holzstücke aus der Baugrube.
Update vom 01.09.2026: Aschaffenburger Anlage zeigte: "Hier oben liegt ein bedeutender Ort"
Restauratoren reinigten die Hölzer und bereiteten sie für die Lagerung im nassen Zustand vor, erklärt das BLfD weiter. Im nächsten Schritt werden von jedem einzelnen Balken 3D-Laserscans erstellt. Die deutlich sichtbaren Spuren, die Werkzeuge aus der Eisenzeit wie Beile und Dechsel hinterlassen haben, geben demnach "tiefe Einblicke" in die damaligen Handwerkstechniken.
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Langfristig ist geplant, einen Teil der Balken und der Steinmauer so zu restaurieren, dass sie für eine Ausstellung im Aschaffenburger Stiftsmuseum erhalten bleiben. Stefanie Berg, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am BLfD, äußert sich zum möglichen Zweck: "Wozu die Anlage diente, wissen wir noch nicht. Wir vermuten, dass es den Zugang vom Main hinauf zur Siedlung schützte", wird sie zitiert.
"Unmittelbar vor dem großen Bauwerk aus Trockenmauern und einer aufwendigen Holzbalkenkonstruktion lag zum Fluss hin eine hölzerne Plattform. Vielleicht legten hier Boote an, wurden Waren und Lasten aus- und umgeladen." Laut Berg habe das Bauwerk gute Planung, viele Menschen und viel Arbeit erfordert, was die besondere Bedeutung der Siedlung vor etwa 2500 Jahren unterstreiche. "Das Bauwerk dürfte vom Main aus weit hin sichtbar gewesen sein. Es machte deutlich: Hier oben liegt ein bedeutender Ort. Und einer, den seine Bewohner zu schützen wussten."
"Tag des offenen Denkmals": Anlage von oben zu betrachten
Verschiedene Experten untersuchen nun die Bestandteile der Konstruktion. Die Grabung liefere derzeit zahlreiche neue Informationen, die beispielsweise das Wissen über den Holzbau der Eisenzeit erweitern könnten, informiert das BLfD. Im Bereich des geplanten Pumpenkellers werden die Bauarbeiten parallel zur aktuellen Ausgrabung fortgesetzt. Die archäologischen Untersuchungen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Interessierte können am "Tag des offenen Denkmals" (13. September 2026) den archäologischen Befund von oben einsehen. Ein Archäologe des BLfD erklärt die Grabungsarbeiten. Zudem sind im Stiftsmuseum unter anderem bislang nicht ausgestellte keltische Funde aus Aschaffenburg zu sehen. Beide Führungen können über die Webseite der Stadt Aschaffenburg gebucht werden.