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Aschaffenburg: Oberbürgermeister will keine Regenbogenflaggen mehr


Autor: Julian Drescher, Agentur dpa

Aschaffenburg, Montag, 01. Juni 2026

Im vergangenen Jahr wehte an öffentlichen Gebäuden in Aschaffenburg die Regenbogenfahne. In diesem Jahr ist das anders. Der neue OB nennt den Grund.
Der neue Oberbürgermeister wehrt sich gegen Kritik.


In vielen deutschen Städten weht im Juni die Regenbogenfahne an öffentlichen Gebäuden. Der Pride Month erinnert an den Kampf der queeren Community für Gleichberechtigung und Akzeptanz. Doch nicht überall ist die bunte Flagge willkommen.

In Aschaffenburg sorgt eine Entscheidung des neuen Oberbürgermeisters für Diskussionen. Markus Schlemmer (CSU) hat angekündigt, in diesem Jahr keine Regenbogenfahne an städtischen Fahnenmasten hissen zu lassen. Die Reaktionen aus dem Stadtrat fallen deutlich aus.

Schlemmer will Beflaggung auf hoheitliche Anlässe beschränken

Der neue Oberbürgermeister begründet seine Entscheidung mit einer grundsätzlichen Neuausrichtung der Beflaggungspraxis. Öffentliche Gebäude und zentrale Fahnenmasten stünden in besonderer Weise für die Gesamtstadt und alle Bürger, so Schlemmer. Deshalb wolle er die offizielle Beflaggung auf staatliche, städtische und besondere hoheitliche Anlässe konzentrieren.

Der CSU-Politiker betont, dass dies ausdrücklich keine Distanz zur queeren Community bedeute. Im Gegenteil wolle er queeres Leben nicht als Ausnahme markieren, sondern als selbstverständlichen Teil der Stadtgesellschaft achten. Sichtbarkeit entstehe für ihn nicht allein durch Fahnen, sondern auch durch konkrete Präsenz im öffentlichen Raum, durch Veranstaltungen, Begegnung und klare Haltung.

Schlemmer wehrt sich zudem gegen Kritik: Er lasse sich durch diese Entscheidung nicht in eine Ecke stellen oder stigmatisieren. Wer aus einer zurückhaltenden Beflaggungspraxis eine mangelnde Wertschätzung gegenüber queeren Menschen ableite, werde seiner Haltung nicht gerecht.

SPD und Grüne kritisieren Alleingang und kündigen Antrag an

Die SPD Aschaffenburg bedauert die Entscheidung des Oberbürgermeisters, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Bei einer Frage mit solch symbolischer Bedeutung hätte er es richtig gefunden, diese Entscheidung vorab mit dem Stadtrat zu beraten, erklärt Dr. Erich Henke, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Die Regenbogenflagge mache Vielfalt sichtbar, betont Eric Leiderer, Vorsitzender der SPD Aschaffenburg. Als möglichen Kompromiss schlägt die SPD vor, auf die Sonderbeflaggung am Rathaus zu verzichten, dafür aber an anderen prominenten Standorten wie dem Scharfeck die Regenbogenfahne zu ermöglichen.

Auch die Grünen üben scharfe Kritik. Die Entscheidung sei ein absolut falsches Signal, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen-Stadtratsfraktion. Wenn ausgerechnet im Pride Month auf die Regenbogenflagge an zentralen Orten verzichtet werde, werde die queere Community im Stich gelassen. Fraktionsvorsitzende Monika Hartl erklärt in der Mitteilung: Wer queeres Leben schützen wolle, müsse diesem auch Sichtbarkeit in der Stadt geben.

Beide Fraktionen kündigen an, gemeinsam mit weiteren demokratischen Gruppierungen einen Antrag in den Stadtrat einzubringen. Für die Stadtratssitzung am 15. Juni wollen sie sicherstellen, dass die Regenbogenbeflaggung im Pride Month künftig nicht von der politischen Stimmung im Rathaus abhänge, sondern von einer breiten Mehrheit im Stadtrat aktiv unterstützt werde.

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