Den Chefposten im Landratsamt hat Reiner Büttner im Blick: "Ich habe wirklich Lust darauf, Landrat zu werden. Als hauptamtlicher Politiker könnte ich Dinge anstoßen, die ich als ehrenamtlicher nicht kann", sagt der SPD-Kreisrat aus Forchheim. Anstoßen, aktiv sein, mit Menschen arbeiten und die "großen Veränderungen mitgestalten" - darin sieht der 48-jährige Lokalpolitiker seine Aufgabe. Doch wie tickt der SPD-Landratskandidat?

Der Landrat von nebenan: Hermann Ulm (CSU) will Forchheims Landkreis-Chef bleiben

Das Bedürfnis, sich zu engagieren, entdeckte Reiner Büttner, der aus einem 70-Seelen-Dorf bei Bad Staffelstein stammt, während seiner Elektriker-Lehre bei Bosch in Bamberg: Bereits als Stift tritt er der IG Metall bei. "Das Gewerkschaftsleben kennenzulernen, war ein prägendes Erlebnis", sagt Büttner. Durch die Mitarbeit im IG Metall-Jugendausschuss und das Engagement in der Arbeitnehmervertretung sei die Affinität zur sozialdemokratischen Partei gekommen.

Kompromisse finden

Das SPD-Parteibuch holt er sich aber erst kurz nach dem Elektrotechnik-Studium in Nürnberg. In der Frankenmetropole mischt er bei den Jusos mit. Beruflich entwickelt Büttner nach der Hochschule Schaltkreise beim Fraunhofer Institut und für die Hörgeräte-Sparte von Siemens - wo Büttner zudem im Betriebsrat mitwirkt. Das macht er bis heute in der nun eigenständigen Hörgeräte-Firma Sivantos (die Siemens-Sparte wurde an einen Investor verkauft). Seit 2015 ist er dort freigestellt, arbeitet als Vollzeit-Betriebsrat und ist seit zwei Jahren sogar Betriebsratsvorsitzender bei Sivantos (ca. 600 Mitarbeiter). "Im Betriebsrat ist es zwar eine andere Konstellation als in der Politik, aber ich profitiere von meiner Arbeit. Das Finden von Kompromissen ist mir wichtig", sagt Büttner.

Privat lebt er seit 20 Jahren im Landkreis Forchheim. Er und seine Frau wohnen zunächst fünf Jahre in Kersbach, seit 15 Jahren leben die Büttners im Forchheimer Stadtteil Buckenhofen. Das verheiratete Paar hat zwei Töchter (acht und zwölf Jahre alt). Wie bringt er Familie, Job und die Arbeit als SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender und Kreisrat unter einen Hut? "Ja, das ist schon schwierig. Ohne meine Familie, die das mitträgt, würde es nicht funktionieren", sagt Büttner und gibt offen zu: "Es gibt auch Tage, wo ich sage: Eigentlich bin ich jetzt niemandem gerecht geworden."

Seine Freizeit verbringt der 48-Jährige deshalb vor allem mit der Ehefrau und den Töchtern: "Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ansonsten tun mir Wandern und Spazieren in der Natur gut. Ich versuche zwar etwas Sport zu machen, aber es ist noch zu wenig", sagt er augenzwinkernd.

Veränderte Arbeit und Verkehr

Berufliches, Privates, Politisches - Wer mit Reiner Büttner spricht, merkt, dass sich diese Lebensbereiche bei dem Forchheimer oftmals überschneiden. Seit zwei Jahren pendelt er täglich mit der S-Bahn zur Arbeit nach Erlangen. "Es gibt nichts besseres. Mich hat das Autofahren auf der A 73 total genervt", erinnert er sich. Mobilität und ÖPNV treiben den SPD-Kreisrat um: "Die Verkehrswende möchte ich im Landkreis mitgestalten." Als Betriebsrat bekomme er die Veränderungen in der Arbeitswelt mit. Auch im Landkreis Forchheim müssten immer mehr Berufstätige auspendeln. "Das sind Verkehrsströme, wo man fragen muss, braucht es die alle?"

Deshalb schlägt Büttner vor: Ein Mobilitätskonzept für den Landkreis, "Shared Working Spaces" in der Fränkischen Schweiz (von mehreren Firmen genutzte Büroräume) und eine Kreis-Wohnungsbaugesellschaft, die geförderten Wohnungsbau in den ländlichen Kommunen vorantreiben soll.

Aber versteht ein Mann aus der Stadt Forchheim überhaupt, was die Menschen auf dem Land bewegt? "Also ich bin auf dem Land groß geworden und kann mich da gut hineinversetzen", entgegnet er diesem Vorwurf. Reiner Büttner war zehn Jahre lang Kreisvorsitzender der SPD Forchheim. Dadurch kenne er den ganzen Landkreis gut. "Der Landkreis ist viel, viel mehr als nur die Große Kreisstadt. Beides ist wichtig, das Oberzentrum und das Außenrum. Ich sehe da eine wunderbare Symbiose", meint Büttner. Aus diesem Grund will der SPD-Landratskandidat auch den Landkreis umbenennen: In Landkreis Forchheim-Fränkische Schweiz.

Die Entscheidung, als Landrat zu kandidieren, fällte Büttner bereits im Mai vergangenen Jahres, seine SPD nominierte ihn kurz darauf. Hinter der frühen Nominierung steckte die Idee, auf sein Programm angesprochen zu werden und es weiterzuentwickeln. Dass der Sozialdemokrat als einziger Landrat-Kandidat gegen Amtsinhaber Hermann Ulm (CSU) antritt, überraschte den erfahrenen Lokalpolitiker aber. "Das Thema ÖPNV ist in aller Munde und alle reden davon - und das ist eine Kreisaufgabe. Wenn ich das gestalten will, dann ist der Landratsposten genau der Richtige."

Spontanität ist nicht seine Stärke

Was im Gespräch auffällt: Während Büttner über eine Frage oder ein Thema nachdenkt, schweigt er mitunter einige Momente, bevor er antwortet. "Ich bin nicht so gut, im spontan etwas sagen", gibt er als eine Schwäche zu. "Manchmal finde ich es schade, wenn aus einer Ecke eine Idee kommt und dann gleich dagegen geredet wird. Man sollte es sich erst anhören und darüber reden. Dann findet man schon eine Lösung", sagt er selbst über seinen Diskussionsstil.

Reiner Büttner in Stichpunkten

Privat Reiner Büttner ist seit 2004 verheiratet. Er lebt mit Frau und den zwölf und acht Jahre alten Töchtern in Buckenhofen. Überzeugung Vorbildhaft findet er die berühmte Rede von Otto Wels, die der SPD-Politiker 1933 zum Ermächtigungsgesetz hielt ("Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht."). "Diese Überzeugung, Aussagekraft und der Mut, zu wissen, dass man für die politische Haltung womöglich verfolgt wird, beeindruckt mich", sagt Büttner.

Mobilität Vor zwei Jahren ging Büttners Pkw kaputt und er musste sechs Wochen aufs Auto verzichten. Seitdem ist er aber zufriedener S-Bahn-Pendler.