• Die ersten Brauereien in Kulmbach
  • Kulmbach - heimliche Hauptstadt des Bieres
  • Heute back ich, morgen brau ich
  • Biersorten, das Reinheitsgebot und die Bierhexen 
  • Fazit

In Deutschland gibt es über 1.500 Brauereien, in denen über 5.000 verschiedene Biere hergestellt werden. Allein in Oberfranken sind es über 260 Brauereien, hunderte Biergärten und BierkellerIm Kulmbacher Land existieren heute insgesamt noch acht Brauereien, die den Zeitgeist widerspiegeln. Anhand der Geschichte der einzelnen Brauereien werden wegweisende Ereignisse wie die industrielle Revolution und der Kaufmannsgeist einzelner Bürger*innen der Stadt besonders betont. Bei einer Bierprobe kann man sogar dem Braumeister über die Schulter schauen und Gelerntes ausprobieren. 

Die ersten Brauereien in Kulmbach

Bierbrauen hat in Kulmbach eine lange Tradition. Neben brauenden Bürgern und anderen Kleinbrauern, entwickelten sich über die Jahre und Jahrzehnte die bis heute noch bekannten Marken. Dass Bier seit Jahrtausenden einen besonderen Stellenwert in unserer Region besitzt, macht der Fund einer 3.000 Jahre alten Bieramphore deutlich. Diese wurde bei Ausgrabungen in einem hallstattzeitlichen Hügelgräberfeld im Kulmbacher Land gefunden und befindet sich heute im Bayerischen Brauereimuseum im Kulmbacher Mönchshof. Neben Tradition setzen die Kulmbacher Brauereien heute auch auf die Weiterentwicklung der Brautechniken mithilfe moderner Technologien und bewahren selbstverständlich das Bayerische Reinheitsgebot, häufig greifen sie auf regionale Rohstoffe und einheimische Lieferanten zurück. Auch das Thema Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ist bei den Brauereien angekommen. Von einfachen Bürgern und Klosterbrüdern bis zu industriell geführten Anlangen, die teilweise bis heute aktiv betrieben werden, bietet die Kulmbacher Brauereilandschaft eine breite Palette an unterschiedlichen Sorten an, die bereits recht früh exportiert wurden und internationale Bekanntheit erlangten.  

1846 schlossen sich die drei "prauenden Bürger" Johann Wolfgang Reichel, Johann Konrad Scheiding und Johann Martin Hübner zu einer Brauergemeinschaft zusammen. Dies war die Gründungsstunde der Kulmbacher Reichelbräu. Im selben Jahr erwirbt Erhard Ender das ehemals klösterliche Anwesen und Amtshof im heutigen Ortsteil Blaich und legte den Grundstein für das Mönchshof Bräu in Kulmbach, indem er am Mönchshof eine Mälzerei errichten ließ. Es gab in Kulmbach um 1850 neben anderen privaten Brauern, den brauenden Bürger und Glasermeister Simon Hering, der 1863 für den Mönchshof die Konzession zum Betrieb einer Bierbrauerei, sowie zur Errichtung eines Brauhauses beantragte. Ab 1864 wurde es in einen gewerblichen Betrieb umgewandelt und unter dem Firmennamen "Export-Bier-Brauerei Simon Hering" vertrieben. Durch die Schaffung einer Aktiengesellschaft konnten die Gründungsmitglieder im Jahr 1872 das nötige Kapital generieren und den Brauereibetrieb den modernen Anforderungen anpassen. 

Heinrich Hering, ein Verwandter von Simon Hering, erwarb 1884 das Unternehmen und machte zusammen mit vier Kaufleuten aus Dresden eine Kapitalgesellschaft daraus, die unter dem Namen "Kulmbacher - Export - Brauerei - Mönchshof" geführt wurde. Diese AG blieb bis 1962 bestehen, Heinrich Hering stieg jedoch aufgrund von Streitigkeiten bereits 1886 wieder aus und gründete 1887 eine neue, kleinere Brauerei, aus der dann die Erste Kulmbacher Aktienbrauerei (EKU) hervorging. Diese Brauerei war eine börsennotierte Aktiengesellschaft und eine der bekanntesten Bierbrauereien in Deutschland, die vor allem unter ihrer Biermarke EKU bekannt ist. 1904 wurde der ehemalige Dorfwirtsgarten der Brauereigaststätte in einen großflächigen Biergarten unter alten Kastanien und einem Musikpavillon umgestaltet. Die Mönchshof-Brauerei wurde dann 1962 in eine GmbH umgewandelt. Der neue Haupteigentümer war die Familie Meußdoerffer. 1984 erfolgte der Zusammenschluss mit der damaligen Reichelbräu AG, aus der in Folge die Kulmbacher AG wurde. Nach Um- und Ausbau des "Klosterkellers" wurde die traditionsreiche Brauerei-Gaststätte 1991 unter dem Namen "Mönchshof-Bräuhaus" wiedereröffnet. Der Braubetrieb wurde dort schließlich 1997 nach 112 erfolgreichen Betriebsjahren eingestellt, die Biere stammen seitdem aus der Kulmbacher Brauerei. Als erste Brauerei in Kulmbach, exportierte die EKU ihre Produkte bereits in den 1930er-Jahren auch über die Grenzen Bayerns hinaus bis auf internationale Märkte. Bis heute unterhält die EKU eigene Brauereien mit Kulmbacher Brautradition in Italien, Frankreich, China, Japan, den USA, Mexiko, Russland, Afrika, Kanada, auf den Philippinen oder den Seychellen.

Kulmbach - heimliche Hauptstadt des Bieres

Bis in weite Ferne ist die Silhouette einer der imposantesten Burganlagen aus der Zeit der Renaissance in Deutschland sichtbar - die Plassenburg. Doch neben dieser und den dazugehörigen Museen, ist die oberfränkische Stadt Kulmbach vor allem bis weit über die Stadtgrenzen für zahlreiche Biersorten und Brauereien bekannt. Seit jeher bestimmen auch die Dachhauben der Mälzereien, die Brauereigebäude und die Gastronomie das Bild der Stadt. Die ehemalige Markgrafenstadt selbst hat ungefähr 25.780 Einwohnende und besitzt seit jeher eine lange Brauereitradition.

Zu Füßen der Plassenburg liegt der Kulmbacher Mönchshof, in dem seit mehr als 600 Jahren fränkische Brautradition bewahrt wird. Heute sind hier neben dem Mönchshof Bräuhaus mehrere Museen, wie das Bayerische Brauereimuseum beheimatet. Dort kann man im Rahmen einer Ausstellung die Geschichte des Bierbrauens verfolgen, die einzelnen Stationen sind anschaulich präsentiert und am Schluss wird ein Probierschluck aus der Gläsernen Museumsbrauerei angeboten. Nicht nur das Bier besitzt einen außergewöhnlichen Stellenwert in Kulmbach, auch die Kulmbacher Bratwurst ist eine besondere Spezialität, die in einem sogenannten Bratwurststollen angeboten wird. 

Um Bier dreht es sich jedoch hauptsächlich bei der Kulmbacher Bierwoche, dem größten, klassischen Bierfest Nordbayerns, das traditionell mit dem Anstich des Oberbürgermeisters eröffnet wird. Das Fest beginnt immer am letzten Samstag im Juli und dauert neun Tage. Dieses Jahr findet das Bierfest vom 30. Juli bis zum 7. August statt und ist mit einem umfassenden Begleitprogramm versehen. Seit sieben Jahrzehnten ist das Fest bei Kulmbacher*innen, Zugereisten und Tourist*innen äußerst beliebt, über 120.000 Besuchende konnten schon verzeichnet werden. Das erste Kulmbacher Bierfest fand vom 29. Juli bis 6. August 1939 statt und hatte rund 2.000 Besucher*innen. Ausgerichtet wurde das Fest damals noch vom heimischen Fremdenverkehrsverband. Gefeiert wurde am Kulmbacher Marktplatz in einem großen Festzelt. Das Maß Bier kostete bereits achtzig Pfennige, der Stundenlohn betrug zu dieser Zeit nur durchschnittlich 60 Pfennig. Im Jahr 2014 waren es dann 7,60 Euro für eine Maß. Das nächste Bierfest fand dann erst wieder 1950 statt und kam seitdem, bis auf wenige Unterbrechungen, jährlich zustande. Als Zahlungsmittel und Sammlerobjekt gibt es auf dem Bierfest die Biermarke. Ursprünglich als Freibiermarke in den 50er-Jahren von den Brauereien für die eigenen Mitarbeitenden hergestellt, entwickelte sie sich zu einem begehrten Liebhaberobjekt und praktischen Zahlungsmittel. Begleitet von einem musikalischen Programm und Veranstaltungen, passten die Veranstalter die Feierlichkeiten an den Zeitgeschmack an. 1976 wurden unter anderem die Tonkrüge durch Glaskrüge ersetzt, dazu kam ab 1993 ein Krugpfand. Heute gibt es noch acht Brauereien im Kulmbacher Land, zahlreiche verschiedene Sorten erweitern das Angebot. 

Heute back ich, morgen brau ich - die Geschichte des Bieres

Bier ist eines der ältesten, biotechnologisch hergestellten Produkte der Menschheit. Es war bereits seit der Antike bekannt, archäologische Funde einer Brauerei in Israel bestätigen die Vorliebe für Bier vor mehr als 13.000 Jahren. Wann und wo das Bierbrauen genau erfunden wurde, ist nicht eindeutig nachweisbar. Die ältesten Beschreibungen stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Die Sumerer sahen das Bier als göttliches Getränk an, welches sie ihren Göttern opferten. Der erste schriftliche Beleg über das Bier stammt aus einer, in sumerischer Keilschrift geschriebenen, Lieferliste aus dem Jahr 2.800 v. Christus. Eine richtige Bierkultur entstand dann im 2. Jahrtausend vor Christus bei den Babyloniern, denen die Braukunst von den Sumerern übertragen wurde. Die Babylonier brauten bereits bis zu 70 verschiedene Sorten Bier. Diese frühen Biere waren jedoch trüb und unfiltriert, das Bier wurde in Krügen oder Schalen angeboten, zum Trinken wurde ein dünnes Röhrchen verwendet, um nicht die bitteren Braurückstände in den Mund zu bekommen. König Hammurabi (1728-1686 v. Chr.) stellte strenge Gesetze zur Bierherstellung und dem Verzehr von Bier auf. Bei Missachtungen drohten harten Strafen, die vom Ertränken über Verbrennen bis zum Ersticken reichten. Die babylonischen Brauer genossen hohes Ansehen. Sie waren, wie die Brauer bei den Sumerern, vom Kriegsdienst befreit. Das Bier war stark und sehr wertvoll, wer jedoch minderwertiges Bier herstellte, wurde häufig in seinem eigenen Produkt ertränkt. In frühen babylonischen Gesetzen wurde weiter verfügt, dass jedem Babylonier, je nach sozialem Stand, eine tägliche Ration Bier zustand, die von 2 bis 5 Litern reichte. 

Die Ägypter dagegen benutzten einen ungebackenen Brotteig zum Bierbrauen und gaben Datteln zu dem Sud, um den Geschmack zu verbessern. Bier war auch in Ägypten hoch angesehen, es existierte sogar eine eigene Hieroglyphe für Brauer und es gab acht verschiedene Biersorten. Sie stellten sogar transportfähiges Bier her, das sie in Krügen aus rotem Ton verschickten. Diese wurden mit Tonstöpseln verschlossen, verschnürt und versiegelt. Auch in Griechenland war Bier bekannt, es wurde unter anderem von Aristoteles als Schlafmittel empfohlen. Die Römer dagegen schätzten das Bier weniger. Sie bevorzugten Wein, denn das galt als Getränk der Götter. Die ältesten Zeugnisse von Bier aus Deutschland stammen aus dem oberen Maintal bei Kasendorf. In den ehemals keltischen Gebieten in der Gegend um Kulmbach wurden Bieramphoren aus dem 8. Jahrhundert vor Christus gefunden, es waren wohl Grabbeigaben eines vornehmen Germanen und enthielten sogar noch Spuren von Fladenbrotbier. Auch bei den Germanen war Bier ein beliebtes Getränk. Es war den Lebenden vorbehalten, Met war das Getränk der Toten und Wein ein göttliches Getränk. Bier war damals ein günstiges und weit verbreitetes Getränk. 

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung waren Brotbacken und Bierbrauen in unseren Gebieten Aufgaben der Frauen und wurden nicht als Handwerk betrieben. Im frühen Mittelalter entwickelte sich seit dem 5. Jahrhundert die traditionelle Braukunst vor allem in den Klöstern oder im Haushalt zum eigenen Bedarf. Backtag und Brautag fanden meist hintereinander an derselben Feuerstelle statt. Die durch den Backvorgang freigesetzten Hefen unterstützen dann den Gärungsprozess bei der Bierherstellung. Während des gesamten Mittelalters trank man selbstgebrautes Bier zu den Mahlzeiten, es wurde aber auch zum Kochen verwendet. Bis zum 9. Jahrhundert wurde größtenteils Hafer verbaut, später verwendete man auch Weizen oder Gerste. Bis ins 16. Jahrhundert waren auch Biere aus Roggen verbreitet. In der Regel brauten auch im frühen Mittelalter die Frauen das Bier, oft gehörte ein Sudkessel aus Kupfer sogar zur Mitgift. In den Dörfern Westfalens war dies sogar noch bis ins 18. Jahrhundert üblich. Nachdem die Hausfrauen frisch gebraut hatten, luden sie häufig ihre Nachbarinnen zum sogenannten "Sudkränzchen" ein, bei welchem es üblich war, Brot ins Bier zu brocken und es so zu essen. Aus diesem Brauch entwickelte später das bis heute bekannte "Kaffeekränzchen". Um die Jahrtausendwende nahmen auch Mönche das Bierbrauen in die Hand. Auf der Suche nach einem geeigneten Getränk für die Fastenzeit perfektionierten die Mönche das Brauwesen und der Bierkonsum in den Klöstern nahm enorme Ausmaße an, denn es war jedem Mönch erlaubt, fünf Maß Bier am Tag zu trinken, wobei ein Maß in etwa 1-2 Litern entsprach.  Im Laufe der Zeit begannen die Klöster auch das selbstgebraute Bier zu verkaufen und sicherten sich so eine weitere Einnahmequelle. Aufgrund der hohen Qualität des klösterlichen Biers war es äußerst beliebt. In den aufblühenden Städten des Mittelalters dagegen wollten die Bürger und Bürgerinnen nicht auf Bier verzichten oder das Bier im entfernten Kloster erwerben. Deshalb entstanden nun auch in den Städten Brauereien, welche mit der Zeit in die Handwerkerzünfte integriert wurden. Dies blieb natürlich von den jeweiligen Landesherren nicht unentdeckt und so begannen sie, Bierabgaben und Biersteuern einzuführen, wovon die Klosterbrauereien jedoch ausgenommen waren. Nun begannen viele Landesherren die Klosterbrauereien zu schließen, um selbst mehr Steuereinnahmen zu generieren

Deutsche Biersorten

In Deutschland gibt es um die 14 Biersorten, die offiziell im Handel vertrieben werden. So gibt es neben dem Altbier, einem obergärigen Traditionsbier, das seit dem 13. Jahrhundert von Westfalen bis nach Sachsen-Anhalt bekannt ist, zum Beispiel das säuerliche Schankbier, den "Champagner des Nordens", die Berliner Weisse. Das Bockbier, ein salziges Starkbier, stammt ursprünglich aus der Hansestadt Einbeck und besitzt eine 800-jährige Geschichte. Inzwischen werden jedoch auch andere malzhaltige Starkbiere als "Bock" bezeichnet, mit verschiedeneren Varianten wie dem hellen Maibock, dem Weizenbock mit Weizenmalz und der Eisbock. Das dunkle Bier ist ein untergäriges Vollbier mit hoher Stammwürze und brauner Farbe. Exportbiere wie Pils, Helles, Weizen oder Alt sind besonders lange haltbar. Sie erfahren auch eine untergärige Brauweise und werden oft am Lieferort mit Wasser gestreckt. Das Gose Bier ist ein helles Weißbier und stammt aus Sachsen und Thüringen, wird heute noch obergärig in Leipzig gebraut und schmeckt ohne Zusatz hefig und säuerlich. Mit "Kölsch" dürfen nur Biere bezeichnet werden, die aus der Stadt Köln stammen und es wird traditionell aus der Kölschstange getrunken. Das obergärige Bier hat einen leicht säuerlichen Geschmack, wenig Kohlensäure und einen Alkoholgehalt von etwa 4,8 Prozent. 

Ein anderes traditionelles Bier ist das Märzen-Bier, das ursprünglich im Frühjahr gebraut und im Sommer getrunken wurde. Wegen eines Verbotes in Bayern vom 23. April und dem 29. September aufgrund von erhöhter Brandgefahr, musste ein Bier hergestellt werden, das den ganzen Sommer über hielt. Mit einer hohen Stammwürze und hohem Alkoholgehalt wird es heute vorrangig in Österreich und Bayern hergestellt. Als "Lager" werden meist untergärige Biere mit geringer Stammwürze bezeichnet, die früher mehrere Monate im Keller gelagert wurden und eine Stammwürze unter 12,5 Prozent besitzt, sofern es eben kein Pils ist. In zahlreichen Ländern ist ein untergäriges Bier größtenteils, nach deutschem Reinheitsgebot betrachtet, ein Lager. Das Pils ist eines der bekanntesten deutschen Biere, obwohl die Rezeptur aus der tschechischen Stadt Pilsen stammt. Das untergärige Vollbier kann schnell und günstig erworben werden und ist das meist gebaute und getrunkene Bier. Rauchbier stammt dagegen aus der Bamberger Region. Zur Herstellung wird ein bestimmtes Malz verwendet, das mit Buchenholz befeuert wurde und die rauchige Note mit sich bringt. Deutsches Schwarzbier ist ein untergäriges Bier, das aus Thüringen, Sachsen und Brandenburg stammt und hat eine vornehmlich tiefschwarze Farbe, die durch die Verwendung von besonders dunklem Malz entsteht. Zu den bekanntesten bayerischen Bieren zählt das Weizen oder auch Weißbier. Das obergärige Vollbier, mit einem fruchtig-würzigen Geschmack, wird mit Weizenmalz hergestellt und besitzt je nach Filtrierung eine trübe oder klare Konsistenz. Das süße und fruchtige Zwickelbier ist besonders gehalt- und wertvoll und wird direkt nach dem Nachgärungsprozess und ohne Kaltlagerung getrunken und muss deshalb zügig verzehrt werden.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Biere ausschließlich obergärig gebraut. Von Bayern und Böhmen aus, setzte sich dann im deutschen Siedlungsbereich mehr und mehr die untergärige Brauart durch. Dieses Verfahren garantierte wohlschmeckenderes Bier, das länger frisch blieb. Die Gärung und Reifung des Bieres fand bei niedrigeren Temperaturen statt, weswegen zunächst die Kellergewölbe der Brauereien mit Natureis gekühlt wurden. Seit 1876 hielten technische Kältemaschinen Einzug in die Brauereien, 1926 waren dann bereits 98 Prozent aller in Deutschland hergestellten Biere untergärig.

Das Reinheitsgebot und die Bierhexen

In Bayern dürfen seit dem Reinheitsgebot von 1516 nur Gerste, Weizen, Wasser, Hopfen und Hefe zum Bierbrauen verwendet werden. Es gab bereits 1156 in Augsburg Vorschriften bezüglich der Qualität und der Preise der Biere, 1305 ist dies dann für Nürnberg, 1363 für München und 1447 für Regensburg nachweisbar. In der zweiten Hälfte des 15. und im frühen 16. Jahrhundert kamen weitere regionale Vorschriften zur Preisfestsetzung und Herstellung des Bieres hinzu. Bevor man den Gerstensaft regelmäßig mit Hopfen würzte, wurde mit verschiedenen Kräutermixturen, der sogenannten Grut, herumexperimentiert, um das Bier schmackhafter zu gestalten, oder verdorbene Biere wieder genießbar zu machen. Auch konnte so die Alkohol- und Rauschwirkung von schwachen Bieren verstärkt werden. Die Grut jeder Brauerei war patentiert und sicherte den Braumeistern eine Art Monopolstellung. Manchmal wurden Wacholder, Schlehe, Kümmel, Anis, Lorbeer oder Gagel beigemischt, andere panschten gar mit Porst, Stechapfel und Bilsenkraut, was häufig zu Halluzinationen und Vergiftungserscheinungen führte.

Gerade im Zeitalter der Hexenverfolgung landeten mutmaßliche Bierhexen häufig auf dem Scheiterhaufen, 1749 wurde in Würzburg wohl die letzte Brauhexe verbrannt. Durch das Reinheitsgebot verbesserte sich jedoch die Qualität der Biere erheblich, dadurch wurde auch die Aromatisierung von Bier nur mit Hopfen geregelt und gefährliche Beimischungen wurden verboten. Aus den im Reinheitsgebot festgeschriebenen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe haben die deutschen Brauer bis heute eine große Sortenvielfalt geschaffen. Das Reinheitsgebot galt jedoch erst ab 1906 im gesamten deutschen Kaiserreich. Heute brauen innerhalb Europas neben Deutschland, lediglich die Schweiz und Norwegen nach dem deutschen Reinheitsgebot, in anderen Ländern dürfen weitere Stoffe zugegeben werden.

Hopfen war seit dem 8. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet und verdrängte im Laufe der Zeit die Grut endgültig. Beim "Codex Hammurabi", einer über zwei Meter hohen Säule aus Diorit, die bei Susa (heutiger Irak) gefunden wurde, handelt es sich sogar um das erste schriftliche erhaltene Reinheitsgebot. Das stärkste Bier der Welt, das im Handel erhältlich ist, ist ein Eisbock von Georg Tscheuschner aus Gunzenhausen, der sich bereits vor rund 10 Jahren den Weltrekord dafür gesichert hat. Der Schorschbock hat 57 % und der Liter kostet 749,75 Euro. Es ist das stärkste Bier, das permanent gebraut wird. 

Fazit

Bier zählt nach wie vor zu den beliebtesten alkoholischen Getränken der Deutschen, der Pro-Kopf-Verbrauch lag im Jahr 2021 hierzulande bei rund 92 Litern Bier. Innerhalb Europas haben nur Tschechien und Österreich einen höheren Konsum. In Deutschland werden ungefähr 89 Millionen Hektoliter Bier im Jahr gebraut, im europäischen Vergleich ist Deutschland das führende Land in der Bierproduktion. Der Schwerpunkt der Brauereien liegt in Bayern, hier befindet sich fast jede zweite Braustätte (knapp 42 Prozent).

Ein Besuch in Kulmbach lohnt sich neben kulturellen und kulinarischen Köstlichkeiten auch hervorragend für einen Ausflug in die Brauereigeschichte samt einzelner Kostproben. Die Kulmbacher Brauereien bieten neben Brauereiführungen, Tagesbierseminaren und Bierproben noch weitere Angebote, die sich um das Thema Bier drehen.

Wissenswertes über die Kulmbacher Brauereien, ihre Spezialitäten und Angebote gibt es hier: