Protest am Werkstor - verunsicherte Belegschaft in Zwickau
Nach Emden reiste Blume weiter nach Zwickau. Dort demonstrierten vor dem Werkstor VW-Mitarbeiter zusammen mit Beschäftigten von Zulieferern für eine Zukunft des Standorts. «Mama, hast du in 5 Jahren noch Arbeit?» hieß es auf einem der Plakate, «Vereint für unsere Zukunft kämpfen» auf einem anderen.
An der Autoproduktion hängen auch viele Jobs bei Zulieferern. Das machte Marcel Kuczyk, Vize-Betriebsratsvorsitzender von Schnellecke Logistics in Glauchau, deutlich. Er war mit mehreren Kollegen ebenfalls vors Zwickauer VW-Werk gekommen, um sich für dessen Erhalt starkzumachen. Allein am Standort seines Unternehmens arbeiteten weitere rund 600 Menschen. Sie hängen seinen Angaben nach zu 100 Prozent an der Autofabrik von VW.
Nach Unternehmensangaben lobte Blume in Zwickau die Anstrengungen der Beschäftigten, die Kosten am Standort zu senken. «Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht. Kurz gesagt: Ihr habt gezeigt, dass Veränderung möglich ist», sagte er bei der Betriebsversammlung. «Man kann allen im Konzern nur immer wieder sagen: Schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist.»
Trotzdem sei man nicht am Ziel. Es gehe darum, dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. «Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Und auch bei den Fabrikkosten liegen andere Werke noch deutlich günstiger», so Blume.
Blume: keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen
Blume bekräftigte den Angaben zufolge, dass es für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm noch keine «keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre» gebe. «Ich möchte aber auch klarstellen, dass es keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen gibt.»
Sollte es trotz aller Anstrengungen am Ende keine Belegung für sie geben, dann stehe Volkswagen trotzdem in der Verantwortung. Blume: «Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte. Mit Partnern. Mit Investoren. Mit neuen industriellen Lösungen.»
Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort werden Vorstandsmitglieder von VW an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden schon keine Autos mehr produziert.
Vor den Betriebsversammlungen hatte es am Montag ein Spitzentreffen in der sächsischen Staatskanzlei gegeben. Dort trafen sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) mit Blume und VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zum Gespräch.
Die Standorte in Sachsen seien eine Perle im VW-Konzern, sagte Panter nun. «So eine Perle darf man nicht vor die Säue werfen. Und ich bin mir sicher: Das wird VW auch nicht tun.» Er verwies darauf, dass Volkswagen zugesichert habe, dass für alle Standorte im Wettbewerb die gleichen Bedingungen gelten. Deswegen sei ihm nicht bange, dass es auch in Zukunft in Zwickau eine Fahrzeugproduktion geben werde.