Das Eis auf dem Stausee war nur wenige Zentimeter dick: Das wurde einer 22-Jährigen und ihrem 13-jährigen Bruder in Thüringen zum Verhängnis. Ihre Eltern hatten bereits nach ihnen gesucht. Jetzt berichten Rettungskräfte vom Einsatz.
Update vom 29.01.2023, 15.15 Uhr: Schwieriger Bergungseinsatz - auch Retter brachen auf See ein
Nach dem tödlichen Unfall auf einem zugefrorenen Stausee bei Westhausen (Landkreis Hildburghausen) im südlichen Thüringen schildern Rettungskräfte die Schwierigkeiten bei der Bergung. "Unsere Einsatzkräfte hatten auch Schwierigkeiten, ins Wasser zu kommen, weil sie auf der Eisdecke eingebrochen sind und sich dann durchbrechen mussten", erklärte Florian Friedrich von der Wasserwacht Coburg dem Onlineportal Thüringen24.de der Funkemedien-Gruppe. Der Einsatzleiter der Wasserwacht warnte eindringlich davor, Eis bei Temperaturen um null Grad zu betreten. "Es ist Eis drauf, aber es trägt nicht", sagte Friedrich.
Die Eltern des in dem See tödlich verunglückten Geschwisterpaars konnten zunächst noch nicht ausführlich befragt werden. Sie wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Die Familie kommt nach Polizeiangaben aus dem Kreis Hildburghausen.
Auf zugefrorenen Gewässern ereignen sich trotz Warnungen vor dem Betreten immer wieder Unglücksfälle. So starb etwa im Winter 2021 ein achtjähriger Junge, nachdem er auf einem zugefrorenen See in Hessen eingebrochen war. Das Kind war beim Spielen auf das nicht mehr tragfähige Eis des Rommeroder Sees gegangen. In Niedersachsen kam ebenfalls 2021 ein Rentner bei dem Versuch ums Leben, seinen Hund vom Eis zu holen. Der 75-Jährige brach im Salzgitter See ein und starb später im Krankenhaus.
Wegen Klimawandel: Forscher rechnen mit zunehmend instabilen Eisflächen
Eis ist nicht gleich Eis. Darauf macht auch ein internationales Forscherteam aufmerksam, das mit zunehmend instabilen Eisflächen auf Seen im Zuge des Klimawandels rechnet. Dabei geht es um sogenanntes weißes Eis - im Gegensatz zu dem in der Regel tragfähigeren schwarzen Eis. Dieses instabile Eis entsteht zum Beispiel, wenn die Wasseroberfläche wiederholt gefriert, antaut und wieder gefriert. Für die Studie unter Leitung der schwedischen Universität Uppsala wurden im Winter 2020/21 wiederholt Proben von Eisschichten von 31 Seen in 10 Ländern auf der Nordhalbkugel genommen und analysiert.
Das häufigere Vorkommen von weißem Eis hängt laut der im Wissenschaftsmagazin Nature.com publizierten Studie damit zusammen, dass die Temperaturen mittlerweile im Winter öfter tagsüber über null Grad steigen und Kälteperioden nicht mehr so lange dauern wie früher. Die Erkenntnisse sollten Anlass geben, die Regeln für das Betreten von Eisflächen zu überdenken, so die Forscher. Als Faustregel schlugen sie vor, die bisherigen Richtwerte für die für ein Betreten nötige Eisdicke zu verdoppeln.
Eine Warnung vor Lebensgefahr beim Betreten von Eisflächen hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bereits zu Winterbeginn ausgesprochen. "Das Eis braucht Zeit, um tragfähig zu sein. Auf stehenden Gewässern sollte es mindestens 15 Zentimeter, auf Bächen und Flüssen sogar 20 Zentimeter dick sein", rät der Rettungsdienst.
Update vom 29.01.2023, 8.15 Uhr: Eis war zu dünn - Geschwister tödlich auf Stausee verunglückt
Ein Geschwisterpaar ist auf einem nur leicht zugefrorenen Stausee in Südthüringen wahrscheinlich eingebrochen und ums Leben gekommen. Die 22-Jährige und ihr 13 Jahre alter Bruder wurden am Samstagmorgen (28. Januar) tot von Tauchern aus dem Wasserspeicher bei Westhausen im Kreis Hildburghausen geborgen, wie Polizeioberkommissarin Vivien Glagau der Deutschen Presse-Agentur sagte. Auf dem mit einer dünnen Eisschicht bedeckten Stausee habe es eine Einbruchstelle gegeben. "Sie lag nur unweit vom Ufer entfernt."