Sollte sich die Einführung einer Bedarfswehrpflicht als notwendig erweisen, müsse die Bundesregierung auch einen Ersatzdienst anbieten. Otte schreibt: «Damit wäre noch einmal die Gelegenheit verbunden, ein modernes Pflichtdienstmodell zu schaffen und dadurch den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern sowie die Gesamtverteidigungsfähigkeit dauerhaft auszubauen und langfristig zu stärken.»
Frauen in den Streitkräften:
Trotz Bemühungen um mehr Frauen in der Truppe sei der Anteil an Soldatinnen im Berichtsjahr nur minimal auf 13,71 Prozent (2024: 13,62 Prozent) gestiegen. Er blieb weit hinter den im Gleichstellungsgesetz geforderten 20 Prozent - außerhalb des Sanitätsdienstes - zurück. Auch die vorgegebenen 50 Prozent in der Sanität seien noch immer nicht erreicht.
«Dauerhaft werden die Bemühungen um mehr Frauen in den Kampfverbänden allerdings nur Erfolg haben, wenn die Bundeswehr jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts entschieden entgegentritt», schreibt Otte. Und: «Denn noch immer beanstanden speziell Soldatinnen sexistisches Verhalten oder diskriminierende Äußerungen im Dienstalltag.»
Bürokratie:
«Besonders beispielhaft für eine Bürokratiewucht sind die Formular- und Papierfluten in der Reserve», heißt es in dem Bericht. Es gebe einen Wust von immer gleichen Formularen, Anträgen und Gesetzesvorgaben zu Freistellung, Lohnersatzansprüchen, sozialversicherungsrechtlichen Meldungen, Befreiungsanträgen, Abrechnungsanpassungen sowie Einverständniserklärungen. «Darüber hinaus teilt der Wehrbeauftragte den Eindruck zahlreicher Betroffener, dass die Bürokratie nicht abnehme, sondern weiter zunehme.»
Sabotageversuche und Drohnenüberflüge:
Absehbar sei, dass sich Sabotageakte gegen die Bundeswehr in der Zukunft häufen werden. Otte schreibt: «Gut ist in diesem Zusammenhang die gesetzliche Ausweitung der Abwehrbefugnisse der Feldjäger. Letztlich müssen alle Einrichtungen der Truppe ausnahmslos sabotagesicher sein – auch unter Berücksichtigung hybrider Bedrohungen.»
Otte schreibt, der erste Truppenbesuch nach seinem Amtsantritt habe ihn im Juli 2025 zum Fliegerhorst Holzdorf/Schönewalde geführt, wo das neue Waffensystem Arrow 3 mit seiner Radarstellung stationiert ist. «Beunruhigend ist, dass das System noch zwei Tage vor der Inbetriebnahme Anfang Dezember des Berichtsjahres durch fremde Drohnen ausgespäht wurde und die Bundeswehr nicht in der Lage war, eine effektive Drohnenabwehr zu leisten», so der Wehrbeauftragte.
Sicherheitsüberprüfungen und Extremismus:
Der Wehrbeauftragte erfasste im Jahr 2025 insgesamt 304 meldepflichtige Ereignisse im Bereich Extremismus. Hiervon waren 275 Vorfälle der Meldekategorie extremistische Verhaltensweisen, Volksverhetzung und Verstoß gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung zugeordnet. Im Vorjahr waren es insgesamt 252 Sachverhalte in der Meldekategorie.
Mehr Soldaten und Zivilbeschäftigte bedeuten auch, dass mehr Menschen eine Sicherheitsüberprüfung brauchen. Teils konnten aber Rekruten ihren Dienst nicht antreten, weil die Sicherheitsüberprüfung noch nicht vorlag. Ein wesentlicher Grund sei die Personalsituation im MAD und eine Besetzung von nur 76 Prozent der für diese Aufgabe vorgesehenen Dienstposten.