Was hinter Chinas Fünfjahresplan steckt
Autor: Jörn Petring und Johannes Neudecker, dpa
, Mittwoch, 04. März 2026
Während Demokratien mit Wahlzyklen arbeiten, plant China in Fünfjahresschritten. Der neue Plan soll das Land technologisch nach vorn bringen - birgt aber auch Risiken.
Jedes Jahr ab dem 5. März kommen in der Großen Halle des Volkes in Peking knapp 3.000 Delegierte zum Nationalen Volkskongress zusammen. Das Parlament verabschiedet Gesetze, billigt den Staatshaushalt und bestätigt das von der Regierung vorgeschlagene Wachstumsziel. In diesem Jahr steht der neue Fünfjahresplan im Mittelpunkt.
Was ist der Volkskongress und warum ist er wichtig?
Der Nationale Volkskongress ist formal das höchste Staatsorgan Chinas. Er tagt einmal im Jahr. Politisch gilt das Gremium als «Abnick-Parlament», da zentrale Entscheidungen zuvor im inneren Zirkel der Kommunistischen Partei festgelegt werden. Dennoch hat der Kongress Bedeutung. Er setzt offiziell die wirtschafts- und finanzpolitischen Leitlinien des Landes. So sendet China Signale an Märkte, Investoren und auch ausländische Regierungen.
Was ist der Fünfjahresplan?
Der Fünfjahresplan ist das zentrale Steuerungsinstrument der chinesischen Führung. Seit 1953 legt die Regierung in solchen Plänen wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Ziele für jeweils fünf Jahre fest. Ursprünglich orientierte sich das Modell an der sowjetischen Planwirtschaft mit konkreten Produktionsvorgaben. Heute sind die Pläne weniger starre Produktionslisten und eher strategische Leitlinien. Sie definieren Prioritäten und politische Schwerpunkte.
Was steht im neuen 15. Fünfjahresplan?
Der neue Plan soll die wirtschaftliche Entwicklung von 2026 bis 2030 prägen. Bereits in den vergangenen Monaten hatten Parteigremien in Empfehlungen und Grundsatzpapieren erkennen lassen, wohin die Reise gehen soll. Der 15. Fünfjahresplan dürfte vor allem eine Fortsetzung des bisherigen Kurses sein.
Im Zentrum steht weiterhin das Ziel größerer technologischer Eigenständigkeit. China will in Schlüsselbereichen, etwa bei Halbleitern und Künstlicher Intelligenz, unabhängig sein. Zugleich werden Zukunftsbranchen systematisch gefördert. Dazu zählen Felder wie Quantentechnologie, Kernfusion oder neue Anwendungen im Luftraum mit Drohnen.
Zwar soll auch der private Konsum gestärkt werden. Doch Experten verweisen darauf, dass entsprechende Ziele bereits in früheren Plänen formuliert wurden. «Sozialpolitik und Bürgerwohl geraten häufig ins Hintertreffen, wenn andere Prioritäten dominieren», sagt Katja Drinhausen vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin.
Welche historische Bedeutung haben die Fünfjahrespläne?
Die Fünfjahrespläne spiegeln die Entwicklung des Landes wider. In der Mao-Ära standen sie für radikale Zentralplanung. Besonders der «Große Sprung nach vorn» Ende der 1950er Jahre sollte China im Eiltempo zur Industrienation machen. Millionen Bauern wurden damals verpflichtet, neben ihrer Feldarbeit Stahl in improvisierten Hochöfen zu produzieren. Die Kampagne endete in wirtschaftlichem Chaos und mündete in eine verheerende Hungersnot mit Millionen von Todesopfern.