CDU: Ein Sieg mit einer Kehrseite
Der überraschend deutliche Sieg der CDU in Rheinland-Pfalz macht die bittere hauchdünne Niederlage in Baden-Württemberg vergessen. Das nimmt Druck von Kanzler Merz und gibt ihm in seiner eigenen Partei mehr Beinfreiheit für die anstehende Reformdebatte. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sprach in einer ersten Reaktion von «Rückenwind» für den Regierungs- und Parteichef.
Das Regieren dürfte für Merz mit einem angeschlagenen Koalitionspartner aber trotzdem schwerer werden, als bei einer CDU-Niederlage. Denn die Kehrseite des Sieges ist es, dass ihm die SPD das Agieren deutlich schwerer machen dürfte als bisher.
Nach der Wahl in Baden-Württemberg, bei der die SPD auf 5,5 Prozent abstürzte, sprach Merz gleich am nächsten Morgen mit Klingbeil und Bas, um sie auf den Zusammenhalt der Koalition einzuschwören. Das wird sich an diesem Montag wiederholen. «Ich werde am nächsten Tag mit den beiden Parteivorsitzenden der SPD weiter darüber beraten, wie wir dieses Land gemeinsam wieder auf Kurs bekommen. Und wir haben noch verdammt viel zu tun», kündigte Merz schon am Freitag beim Wahlkampfabschluss der CDU an.
Und Kanzleramtschef Thorsten Frei drängte am Wahlabend darauf, den Reform-Aufbruch zu schaffen, um «den Rechten und den Radikalen den Wind aus den Segeln zu nehmen».
Die AfD läuft sich warm für die Wahlen im September
Die AfD setzt ihre Siegesserie ungebremst fort. Nach den Hochrechnungen hat sie ihr Ergebnis von 2021 auf etwa 20 Prozent mehr als verdoppelt. Damit dürfte sie ihr bestes Ergebnis bei einer westdeutschen Landtagswahl von 18,8 Prozent in Baden-Württemberg vor zwei Wochen sogar noch übertreffen.
Für die Bundespartei sind die beiden Wahlen im Westen aber nur ein Warmlaufen für den September, wenn in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gewählt wird. Das Ziel ist es, erstmals an die Regierung zu kommen und einen Ministerpräsidenten zu stellen. Da keine der anderen Parteien mit der AfD kooperieren will, benötigt sie dafür eine absolute Mehrheit.
Nach den jüngsten Umfragen ist die AfD zumindest in Sachsen-Anhalt nicht weit davon entfernt. Und selbst wenn es nicht dazu kommt, haben die Wahlen im Osten das Potenzial, die Republik durcheinanderzuwirbeln, weil nach jetzigem Stand eine Regierungsmehrheit jenseits von Linke und AfD zumindest in Sachsen-Anhalt als sehr unwahrscheinlich gilt.
Der Niedergang der FDP setzt sich fort
Der Auflösungsprozess der FDP setzt sich fort. Die Liberalen sind in Rheinland-Pfalz erneut an der 5-Prozent-Hürde gescheitert und mit gerade einmal 2 Prozent sogar extrem deutlich. Sie fliegen dort nicht nur aus dem Parlament, sondern auch aus der Regierung. Künftig werden sie damit nur noch in 6 von 16 Landtagen vertreten sein und nur noch in einem Land mitregieren - in Sachsen-Anhalt. Dort wird im September gewählt und die Liberalen könnten dann ganz aus der Regierungsverantwortung verschwinden.
An dem Debakel der Liberalen in Rheinland-Pfalz dürfte Kanzler Merz seinen Anteil haben. Er hatte die FDP nach der Wahl in Baden-Württemberg politisch für tot erklärt und ihre Wähler aufgefordert, zur Union überzulaufen. Nun muss die FDP sich entscheiden, ob sie mit ihrem Parteivorsitzenden Christian Dürr weitermachen oder sich für die Wahlen im September personell neu aufstellen will. Übrigens: In Rheinland-Pfalz verschwindet nun die letzte noch verbliebene Ampel-Regierung auf Landesebene.
Grüne zurück in der grauen Realität - Linke wieder gescheitert
Nach der Euphorie von Baden-Württemberg sind die Grünen in eine graue Realität zurückgekehrt. Mit dem Ende der Ampel haben sie keine realistische Aussicht auf das Mitregieren in Rheinland-Pfalz mehr - auch wenn sie nur leichte Verluste erleiden. Und die Linke hat nach den ersten Hochrechnungen erneut den Einzug in einen westdeutschen Landtag verpasst.