Zwar brachte das Rekord-Niedrigwasser im Sommer die Erholung der deutschen Wirtschaft etwas ins Stocken. In den ersten beiden Quartalen hatte die Wirtschaft zum Vorquartal um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent zugelegt. Doch die befürchtete Stagnation im Sommer blieb aus.
Rückenwind vom Arbeitsmarkt
Auch vom Arbeitsmarkt kommen leicht positive Nachrichten: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sank im Oktober zum Vormonat um 40.000 auf 2,955 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zurück.
Der Rückgang falle aber relativ schwach aus. «Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für eine Besserung am Arbeitsmarkt nach wie vor nicht ausreichend», sagte BA-Chefin Andrea Nahles. Im Vergleich zum Oktober 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 44.000.
Ökonomen erwarten Jahresendspurt
Dass die deutsche Wirtschaft sich trotz aller Krisen robust zeigt, macht Hoffnung auf ein Ende der konjunkturellen Durststrecke. «Die Erholung dürfte sich in den kommenden Quartalen fortsetzen», sagt Nils Jannsen vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen hatte sich zuletzt weiter verbessert - laut Ifo-Institut den sechsten Monat in Folge. Und die Erwartungen, dass sich das Exportgeschäft belebt, sind nach jüngster Ifo-Erhebung so gut wie seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 nicht mehr.
Für das Gesamtjahr erwarte die Bundesregierung 1,3 Prozent Wachstum. Andere Prognosen sind noch optimistischer. 2025 hatte das BIP um 0,2 Prozent zugelegt, davor gab es zwei Jahre in Folge ein Minus.
Keine Entlastung bei der Inflation in Sicht
Der Konflikt zwischen den USA und Iran, der die Preise für Öl und Gas anheizt, ist allerdings weiter ungelöst. Immer mehr Firmen planen Preiserhöhungen. «Die Unternehmen reagieren auf die kräftig gestiegenen Preise für Rohöl und Erdgas, die in der zweiten Oktoberhälfte den höchsten Stand seit 2022 erreicht haben», sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Schon jetzt halten viele Menschen ihr Geld zusammen, wie die jüngste Konsumklimastudie der Nürnberger Institute NIM und GfK ergab. Eine YouGov-Umfrage für die Postbank ergab, dass vier von zehn Haushalten wegen gestiegener Preise auf Ersparnisse zurückgreifen müssen.
Staatliche Milliarden treiben Wachstum
Ein Großteil des Aufschwungs ist von den staatlichen Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung getrieben. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski gibt zu bedenken, dass «ein paar Quartale mit Aufschwung noch nicht automatisch eine nachhaltige Erholung bedeuten».
Nach Einschätzung von LBBW-Ökonom Niklasch wird sich 2027 zeigen, ob die Belebung der Konjunktur nur ein Strohfeuer ist: «Für ein dauerhaft höheres Wachstum müssten die Investitionen stärker zulegen, was bis jetzt nicht der Fall ist.»