Niedersachsen: Werden um jeden VW-Standort kämpfen
Die rot-grüne Landesregierung will nach eigenen Angaben um alle vier Werke kämpfen. «Ein Standort in Neckarsulm ist genauso wichtig wie ein Standort in Zwickau, wie ein Standort in Hannover, wie ein Standort in Emden», sagte ein Regierungssprecher. Konzepte, die Werkschließungen, einen massiven Rückbau der Beschäftigung und die Aushöhlung des VW-Gesetzes in den Mittelpunkt stellten, seien aber nicht zustimmungsfähig. Erklärtes Ziel sei, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sitzt selbst in dem Kontrollgremium, ebenso seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne).
Blume: «Die Lage ist mehr als kritisch»
Die VW-Führung betont bereits länger, dass der laufende Jobabbau - 50.000 Stellen bis 2030 - und die bisher erreichten Einsparungen in den Fabriken aus ihrer Sicht nicht ausreichen. Im nächsten Schritt soll es Blume zufolge vor allem um die Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion gehen. Dazu zählen Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung oder Vertrieb.
Der Abbau von bis zu 50.000 weiteren Stellen steht als Rechengröße im Raum. Auch das Management soll schrumpfen. «Die Lage ist mehr als kritisch», sagte Blume beim Auftakt einer Reihe außerordentlicher Betriebsversammlungen an verschiedenen VW-Standorten zuletzt. Das Unternehmen mache zwar Gewinn, verdiene aber zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können.
Blume hatte Werksschließungen damals eine letzte Option genannt, die er gern vermeiden wolle. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm gebe es aber noch keine «wettbewerbsfähige Belegung» für die 2030er Jahre. «Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen», sagte der Manager. Im Gespräch ist etwa, Standorte zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen und auch der Bau von in China entwickelten VW-Modellen in Deutschland.
Was wird am Freitag entschieden?
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) versuchte am Mittwoch, die Sorgen der Beschäftigten in Zwickau zu dämpfen. «Auch am Freitag wird es dazu keine Entscheidung geben», sagte er in einem Facebook-Videostatement. Es sei noch nicht der Punkt erreicht, an dem festgelegt werde, wie es wirklich mit Volkswagen weitergehe. Kretschmer verwies auf die Effizienz des Werks und forderte einen Schulterschluss von Konzern, Belegschaft und Politik.
Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hält eine Schließung des Werks in Neckarsulm nicht für ausgemacht: «Es ist noch nichts entschieden, aber die aktuelle Berichterstattung zur Lage bei VW erfüllt mich mit großer Sorge». Aus seiner Sicht habe der Standort eine Zukunft. «Die Nähe zu Heilbronn und den dort entstehenden Themen rund um Künstliche Intelligenz eröffnet Chancen, die über die klassische Automobilproduktion hinausgehen». Er gehe davon aus, dass Unternehmensführung, Aufsichtsrat und Arbeitnehmerseite aufeinander zugingen und eine gemeinsame Lösung suchten. Eine Eskalation helfe niemandem.
Auch Branchenexpertin Helena Beron Wisbert von der Ostfalia Hochschule erwartet für Freitag keine umfangreichen Entscheidungen. Der Aufsichtsrat könnte ihrer Einschätzung nach einzelne Sparmaßnahmen beschließen. Von konkreten Lösungen für einzelne Werke ging sie aufgrund der von Blume genannten Sechs- bis Zwölf-Monatsfrist aber nicht aus.