Kann die Branche ihr Angebot nicht einfach umstellen, und die Vaper kaufen dann halt die Liquids ohne die Cooling Agents? BfTG-Chef Dahlmann schüttelt den Kopf. «Nur schätzungsweise zehn Prozent der in Deutschland legal verkauften Liquids enthalten die 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht - das ist eine Nische, die geschmacklich längst nicht zu jedem Vaper passt.»
Das BfTG führte eine Umfrage unter 432 Vaping-Händlern und -Herstellern in Deutschland durch, die große Sorgen zeigt. Fast 90 Prozent der Firmen befürchten, dass die Konsumenten als Reaktion auf das Inhaltsstoffe-Verbot auf Produkte vom Schwarzmarkt zurückgreifen. Nur 14 Prozent gehen davon aus, dass die Kunden auf andere legale Liquids umsteigen. Zwei Drittel sagen, dass wegen sinkender Nachfrage Personalabbau nötig wäre - von den circa 15.000 Arbeitsplätzen in Deutschlands Vaping-Branche könnten 10.000 wegfallen.
Warum der Gesetzgeber einschreiten möchte
Das Ministerium begründet das Verbotsvorhaben mit Gesundheitsgefahren. Bei mehreren Stoffen wird vor Leber- und Nierenschäden gewarnt; Sucralose zersetze sich bei Erhitzung zu gesundheitsschädlichen Chlorverbindungen, und bei Menthol drohten etwa Leberveränderungen sowie Apathie.
Bei seiner Enschätzung stützt sich das Ministerium auf das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Dessen Fachleute weisen darauf hin, dass es zu Missverständnissen kommen könnte: Weil es viele mentholhaltige Arzneimittel auf dem Markt gebe, könnten E-Zigaretten-Nutzer fälschlicherweise davon ausgehen, dass Menthol in Liquids ebenfalls gut für die Gesundheit sei.
Debatte über Sinnhaftigkeit der Pläne
Die Regierung bekommt Gegenwind von Suchtforschern: Acht Professoren monierten kürzlich in einem offenen Brief an das Bundesernährungsministerium, dass es für ein Mentholverbot an belastbaren Erkenntnissen fehle. Anstelle eines vorsorglichen Verwendungsverbots solle es weitere Forschungen geben, fordern der Frankfurter Suchtforscher Heino Stöver und andere Fachleute. Sollte das Verbot der 13 Inhaltsstoffe kommen, befürchtet Stöver drastische Folgen: «Das wäre der Tod der E-Zigarette», sagte er der «Märkischen Oderzeitung».
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) verteidigt die Pläne hingegen als «überfälligen Schritt für den Gesundheitsschutz vor allem von Kindern und Jugendlichen». Kühl- und Süßstoffe überdeckten den bitteren Eigengeschmack des Nikotins und machten den Konsum gerade für junge Menschen leichter zugänglich. «Gerade bei Jugendlichen beobachten wir seit Jahren einen deutlichen Vape-Trend. Süße Aromen, bunte Designs und Social-Media-Inszenierungen tragen dazu bei, dass E-Zigaretten als harmlos wahrgenommen werden.» Viele junge Menschen würden ohne diese Geschmackswelten zumindest deutlich seltener zum Nikotin greifen.
Streeck sagt, dass der Umstieg auf Vaping für erwachsene Tabakraucher zwar im Einzelfall ein Instrument der Schadensreduktion sein könne. «Dafür braucht es jedoch keine Bonbon- oder Fruchtaromen», sagt Streeck. «Diese sprechen erkennbar vor allem Neueinsteiger an.»
Aus dem Bundestag wird Unterstützung für die Regierungspläne signalisiert. «Die betroffenen Inhaltsstoffe haben größtenteils einen kühlenden Effekt, damit kann tiefer inhaliert und die Lunge noch stärker geschädigt werden», sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler. Die Kritik der Branche hält sie für nicht gerechtfertigt und weist darauf hin, dass das klassische Tabakrauchen trotz steigenden Vaping-Konsums nicht abnehme.
Der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen ist ebenfalls für das Verbot: «Wer weniger Sucht will, muss die Produkte weniger verführerisch machen - und gleichzeitig Ausstiegshilfen stärken.» Die Argumentation, dass das Aromaverbot den Umstieg für erwachsene Raucher unattraktiver mache, hält der Grüne für eine «Marketing-Lüge der Industrie».
Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger wiederum sagt: «Wir brauchen eine praxisgerechte und wissenschaftlich tragfähige Aromenregulierung, die gezielt jugendaffine Produkte adressiert.»