Für seine Doktorarbeit reiste Voigt in die USA, führte Interviews, unter anderem im Weißen Haus. Doch hat er unsauber gearbeitet? Die TU Chemnitz will ihm den Titel entziehen. Voigt klagt.
Die Vorwürfe kamen mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes 2024 auf, nun gibt es eine Entscheidung: Die Technische Universität Chemnitz entzieht Thüringens Regierungschef Mario Voigt den Doktortitel. Der 48-Jährige will dagegen juristisch vorgehen und kritisiert das Verfahren. «Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen», sagte der CDU-Politiker in einer Mitteilung. Die von der Fakultät beanstandeten Stellen bezögen sich auf 2,58 Prozent der Wörter seiner Arbeit.
Die TU Chemnitz verteidigte ihre Entscheidung. Die zuständige Philosophischen Fakultät habe ihre akademische Sorgfaltspflicht sehr ernst genommen, teilte sie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Erweiterte Fakultätsrat entzog Voigt demnach «nach sorgfältiger Auswertung aller Unterlagen und in Abwägung der berechtigten Interessen aller Beteiligten» einstimmig den Doktorgrad.
Bekannter Politikwissenschaftler ist Doktorvater
Voigt promovierte im Jahr 2008 mit der - größtenteils in den USA erstellten - Doktorarbeit «Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry». Doktorvater ist der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse, der für sein umstrittenes Bild des Hufeisens für Links- und Rechtsextremismus bekannt wurde. Zweitgutachter der Dissertation war der Jenaer Politologe Torsten Oppelland. Vorwürfe, dass Voigt in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll, kamen im Sommer 2024 auf - kurz vor der Landtagswahl. Damals kursierte hinter vorgehaltener Hand die These, dass jemand Voigt damit bewusst schaden wollte. Für ihre Entscheidung ließ sich die TU Chemnitz viel Zeit - mehr als eineinhalb Jahre.
Kritik am Verfahren
Der Regierungschef monierte das Verfahren der TU. Diese habe 2024 einen externen Gutachter beauftragt, der im Februar zu dem Ergebnis gekommen sei, dass die Voraussetzungen für einen Entzug des akademischen Grades nicht gegeben seien. «Warum die Universität diesem Gutachten, das sie selbst beauftragt hat, nicht gefolgt ist, erschließt sich mir nicht», sagte er in einer Pressekonferenz. Zudem habe sie das Gutachten nicht weiter verwendet, sondern nachträglich «neue Spielregeln für das Verfahren» formuliert und auf seine Arbeit angewendet. «Das ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich und für mich auch nicht nachvollziehbar.»
«Für die Plagiatsprüfung ist die Abwägung aller vorhandenen Quellen wesentlich», hielt der Fakultätsrat laut Mitteilung dagegen. Man habe sich mit allen vorliegenden Informationen inklusive des externen Gutachtens intensiv auseinandergesetzt.
Er habe vier Jahre lang an seiner Dissertation gearbeitet, sei im Weißen Haus gewesen und habe mehr als 30 Interviews geführt, sagte Voigt. «Ich habe meine Dissertation nach besten Wissen und Gewissen verfasst.» Seine Anwälte hätten ein 187 Seiten langes Gutachten vorgelegt, um die Vorwürfe auszuräumen. «Und deswegen kämpfe ich für meine Doktorarbeit.» Voigt kritisierte, dass weder er persönlich noch seine damals drei Doktorväter und -mütter angehört worden seien.
Höcke fordert Rücktritt
Laut der Anwälte von Voigt beziehen sich die Vorwürfe zu der Dissertation darauf, dass Voigt von ihm zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern blind aus Sekundärliteratur übernommen haben soll. «Bemerkenswert ist dabei, dass die Vorwürfe überwiegend keine angeblich ungekennzeichneten Übernahmen (Plagiate) betreffen», hieß es in der Mitteilung. Die Vorwürfe hätten vollständig widerlegt werden können. Es habe nachgewiesen werden können, dass Voigt seine Arbeit vollständig selbst verfasst habe, so seine Anwälte.