Noch gut einen Monat bis Ostern - und es werden weniger Eier produziert als nachgefragt. Das liegt unter anderem an der Vogelgrippe. Wie voll werden die Osternester in diesem Jahr?
Wer dieser Tage Eier kaufen will, muss gelegentlich improvisieren: Die Regale in Supermärkten und Discountern sind teils nicht so gut gefüllt wie gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die Auswahl ist mancherorts eingeschränkt. Auch von einer Eier-Krise ist gelegentlich die Rede. Wie ist die Situation?
Die Branche spricht von einer angespannten, aber stabilen Lage: «Die Situation bleibt aufgrund der Vogelgrippe für die gesamte Branche herausfordernd», sagte beispielsweise ein Sprecher der Rewe Gruppe. Man stehe in engem Austausch mit Lieferanten und sei flexibel aufgestellt, um die Versorgung zu gewährleisten. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, die Versorgung sei wieder stabil.
Kein Notstand, aber spürbare Lücken
Auch Marktexperten sehen keine Krise. «Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit», sagt Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG). «Die Regale sind nicht leer, man sieht aber Lücken. Teilweise ist die Auswahl kleiner». Grund dafür sei auch die außerordentlich hohe Nachfrage. Zu Ostern könne es schwieriger werden, weil mehr Eier gekauft werden.
Ähnlich ordnet der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, die Situation ein. Der Markt sei nach wie vor sehr knapp versorgt, aber er sei versorgt. Zusätzlichen Druck erzeugten saisonale Effekte: Vor Ostern kaufen demnach auch Färbereien große Mengen Eier, die dem Markt vorübergehend fehlen. Einzelne Sortierungen, also zum Beispiel je nach Haltungsform und Größe, könnten daher auch einmal nicht erhältlich sein. Gravierende Engpässe könne er aber nicht feststellen, sagte er.
Vogelgrippe in Deutschland bremst
Wegen der Vogelgrippe mussten vergangenes Jahr mehrere Hunderttausend Tiere gekeult werden. Der Wiederaufbau der Bestände braucht aber Zeit. Da der Lebensmittelhandel bevorzugt bedient wird, sind Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker von der Knappheit betroffen. «Da wird schon mal eine Rezeptur gestreckt und ein Ei weggelassen, weil Eier schwerer zu bekommen sind», sagt Beck.
Das Angebot ist auch durch Veränderungen in der Haltungsstruktur begrenzt. Ende 2025 gingen die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung aus der Produktion. Diese Eier waren vor allem für die verarbeitende Industrie wichtig. Die fehlenden Mengen müssten ersetzt werden, sagt Charlotte Wilmes von der Landwirtschaftskammer NRW. Dadurch komme es zu veränderten Warenströmen, was den Druck auf dem Markt zusätzlich erhöhe.
Mehr Nachfrage als Produktion
Zwar wurden der MEG zufolge 2025 rund 0,5 Prozent mehr Eier produziert. Die Nachfrage ist aber noch stärker gestiegen. Das wirkt sich auf die Preise aus: Vergangenes Jahr zahlten Kunden im Geschäft im Schnitt 2,02 Euro für 10 Eier aus Bodenhaltung. Derzeit kostet die günstigste Packung vielerorts 2,49 Euro.