So viele Gastronomie-Pleiten wie seit 2011 nicht

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Tausende Restaurants in Deutschland haben in den letzten Jahren geschlossen.
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Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr als 11.000 Insolvenzen in sechs Jahren: Die Krise der Gastronomie verschärft sich. Viele Menschen sparen beim Restaurantbesuch. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.

Schwierige Zeiten für die Gastronomie: Die Insolvenzen in der Branche sind laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen waren im vergangenen Jahr mehr als 2.900 Betriebe betroffen. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit trifft es die Branche deutlich härter als die Gesamtwirtschaft (+8,3 Prozent).

In der Gastronomie wurden zwischen 2020 und 2025 laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen gezählt. Insgesamt stellten in diesem Zeitraum fast 69.000 Unternehmen, die Gaststätten, Restaurants, Cafés oder Bars geführt haben, ihren Betrieb ein. Die tatsächliche Zahl der Schließungen liegt höher, da ein Unternehmen mehrere Betriebsstätten haben kann.

«Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt», sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Zu den bekanntesten Insolvenzfällen der vergangenen Jahre gehören die Restaurantketten Sausalitos und Vapiano. Während der Pandemie hätten Staatshilfen das Überleben vieler Unternehmen gesichert und Schließungen zunächst verhindert, so Hantzsch.

«Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein»

Der Experte sieht weitere Gründe. Viele Wirte könnten in der aktuell verschärften Wirtschaftslage mit hohen Lohnkosten nicht rentabel arbeiten. «Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart.» Die Menschen bestellten häufiger Essen nach Hause. Insgesamt gebe es weniger Restaurant- und Barbesuche, auch bei Bestellungen werde gespart. «Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz.»

Hantzsch erwartet 2026 eine Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomie. «Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben.» Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte der Wandel sichtbar werden. Die finanzielle Lage vieler Betriebe ist der Analyse zufolge angespannt. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als 10 Prozent. Knapp ein Drittel schreibt Verluste. 

Umfrage: Bei Bekleidung und Lebensmitteln wird weniger gespart

Laut einer im Februar durchgeführten YouGov-Umfrage sparen die Verbraucher bei Freizeitaktivitäten besonders. 42 Prozent geben an, sich bei Ausgaben für Kino, Theater, Konzerte und Restaurantbesuche am meisten zurückzuhalten. Bei Möbeln (32 Prozent), Bekleidung (29 Prozent), Elektronikprodukten (28 Prozent) oder Lebensmitteln (14 Prozent) schränken sich weniger ein. 

Um die Gastronomie zu entlasten, wurde die Mehrwertsteuer für Speisen zu Jahresbeginn von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Nach der Steuersenkung sind einer Analyse zufolge die Preise nur leicht gesunken. Der vom Datenspezialisten Meoton ermittelte Preisindex für Speisen lag Mitte Februar bei 99,6 im Vergleich zu 100 im Dezember. Für die Analyse wurden mehr als 200.000 Preise von mehr als 30.000 Betrieben ausgewertet.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) verzeichnete die Branche 2025 preisbereinigt schon das sechste Jahr in Folge Umsatzverluste. Die Betriebe leiden nach Angaben des Dehoga unter massiv gestiegenen Kosten für Waren, Personal und Energie. Diese haben demnach seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent zugelegt. Viele Gastronomen hatten bereits Ende des Jahres betont, dass die Steuersenkung genutzt werde, um die gestiegenen Kosten auszugleichen - und nicht, um die Preise zu senken.