Die höheren Preise schrecken Verbraucher ab, sie griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Laut einer YouGov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur fünf Prozent mehr.
Saison-Geschäft leidet besonders
Die Hersteller spüren die Kaufzurückhaltung. Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums rote Zahlen. Auch Lindt & Sprüngli steigerte seine Erlöse dank höherer Preise und verkaufte weniger Schokolade. Dennoch machte das Unternehmen mehr Gewinn als im Vorjahr.
Laut dem Marktforscher NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade hingegen um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft - erheblich mehr als im Vorjahr. Im Frühjahr 2025 reagierten Verbraucher ebenfalls spürbar auf die Preissteigerungen. Im Ostergeschäft brach der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten laut NIQ im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.
Auch in diesen Tagen dürften Verbraucher wieder bevorzugt zugreifen, wenn die Produkte im Sonderangebot sind. In der Aktion gibt es den 100-Gramm-Hasen von Lindt derzeit teilweise schon für 2,22 Euro (statt 4,99 Euro), den 45-Gramm-Hasen von Milka für 1,11 Euro (statt 1,89 Euro).
«Für den Handel bleibt der Schoko-Osterhase ein klassischer Frequenzbringer», sagt Handelsprofessor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Die Marge werde vorübergehend geopfert, um Kunden in den Laden zu ziehen - in der Hoffnung, dass sie dort weitere Produkte kaufen.
Wie viel darf Schokolade kosten?
«Marken können hohe Preise verlangen», sagt Kortum. Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch. Der Handelsexperte sieht einen zunehmenden Wettbewerb der Luxusgüter. «Premium funktioniert, solange der wahrgenommene Mehrwert klar höher ist als bei Alternativen.»
Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, sagt: «Marken wie Lindt haben eine enorme Zugkraft, der Kunde verlangt sie im Supermarkt. Gleichzeitig ist die Preissensibilität weiterhin hoch.» Es werde spannend, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mitmachten.