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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Regierungsbildung könnte schwierig werden


Autor: Agentur dpa

Magdeburg, Samstag, 05. Sept. 2026

Nach teils heftigem Wahlkampf fällt die Entscheidung: In Sachsen-Anhalt wird ein neuer Landtag gewählt. Schafft die rechtsextremistische Landes-AfD die absolute Mehrheit oder ist am Ende des Tages unklar, wer künftig regiert?
Ganz Deutschland schaut am Sonntag auf Sachsen-Anhalt, wenn dort ein neuer Landtag gewählt wird.


Update 06.09.2026, 6.08 Uhr: Was bei der Auszählung entscheidend werden könnte

Der Wahlkampf ist vorbei, nun fällt die Entscheidung: In Sachsen-Anhalt wird heute ein neuer Landtag gewählt. Rund 1,7 Millionen Menschen sind zur Abstimmung aufgerufen. Wie nie zuvor fanden der Wahlkampf und die möglichen Bündnisoptionen über das kleine Bundesland hinaus Beachtung. Denn erstmals könnte die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, in einem Bundesland an die Macht kommen.

Derzeit regiert in Magdeburg eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Das Bündnis wird aber allen Umfragen zufolge seine Mehrheit verlieren. Mit Abstand stärkste Kraft dürfte die AfD werden.

Das Zünglein an der Waage: Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde

In der letzten Umfrage vor der Wahl kam die AfD auf 41 Prozent. Die regierende CDU lag in der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF bei 23 Prozent. Auf Platz 3 folgte die Linke mit 11,5 Prozent, die SPD kam auf 8,5 Prozent, die Grünen standen bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent und die FDP mit 3 Prozent lagen unter der Fünf-Prozent-Hürde. 26 Prozent der Befragten sagten in der Umfrage, sie seien noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.

Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erreichen, wäre sie auf Bündnispartner angewiesen, um an die Regierung zu kommen. Doch: Keine der anderen Parteien will mit ihr koalieren. Siegmund wiederum hat zuletzt bekräftigt, dass er sich nur zur Wahl als Regierungschef stellt, wenn seine Partei die absolute Mehrheit holt und alleine regieren kann. Eine Brandmauer von beiden Seiten quasi.

Wenn die AfD dieses Ziel verpasst, könnte eine CDU-geführte Minderheitsregierung ins Spiel kommen. Diese könnte allerdings auf Stimmen der Linken angewiesen sein - ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. Das Problem: Die CDU lehnt für sich in einem Parteitagsbeschluss eine Koalition und "ähnliche Formen der Zusammenarbeit" mit den Linken ebenso ab wie mit der AfD. 

Das Duell Schulze gegen Siegmund

Der CDU-Spitzenkandidat ist nach dem Rücktritt von Reiner Haseloff erst seit Januar Regierungschef. Schulze konnte damit nicht im gleichen Maße vom Amtsinhaberbonus profitieren wie ein langjähriger Regierungschef, wenngleich Haseloff wohl genau aus diesem Grund zurückgetreten ist - um Schulze vor der Wahl noch einen gewissen Amtsbonus zu verschaffen. Bei der Frage, wen man lieber als Ministerpräsident hätte, landete der Amtsinhaber in der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen mit 48 Prozent aber klar vor AfD-Spitzenkandidat Siegmund (34 Prozent).

In zwei Wochen wird in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin gewählt. Ebenso wie jetzt in Sachsen-Anhalt geht es dann auch um die Auswirkungen auf die Bundespolitik. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zuletzt Spekulationen zurückgewiesen, dass er bei einem Debakel für die CDU bei den Wahlen im September von der eigenen Partei aus dem Amt gedrängt werden könnte. 

Der Ursprungsartikel vom 05.09.26: Schafft die CDU eine Überraschung wie vor fünf Jahren?

Am Wahlwochenende werden in Sachsen-Anhalt mehrere tausend Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet.

Die größte findet ab heute Nachmittag (5. September) auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Daneben begeht die in Umfragen haushoch vor der CDU führende und auf eine Alleinregierung hoffende AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss. 

Viertel der Menschen in Sachsen-Anhalt bei Wahlentscheidung noch unsicher

Bei der Wahl des neuen Landtags am Sonntag dürfte die erst vor 13 Jahren gegründete AfD aller Voraussicht nach mit Abstand stärkste Kraft werden. Die Frage ist, ob ihr Sieg deutlich genug ausfällt, dass erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rechtsaußen-Partei und im Falle Sachsen-Anhalts gesichert rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommt.

Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lag in Umfragen der vergangenen Monate in Sachsen-Anhalt weit vorn. Zuletzt kam die Partei in einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf 41 Prozent. Die CDU, die seit 24 Jahren den Ministerpräsidenten in Magdeburg stellt und mit Amtsinhaber Sven Schulze ins Rennen geht, lag in der vom ZDF in Auftrag gegebenen Umfrage mit 23 Prozent an zweiter Stelle.

Drittstärkste Kraft blieb die Linke mit 11,5 Prozent. Auch die SPD (8,5 Prozent) und die Grünen (6 Prozent) würden es den Zahlen nach ins Parlament schaffen. Das BSW hingegen dürfte demnach knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, die FDP aus dem Landtag fliegen. Allerdings zeigte sich rund ein Viertel der Befragten noch unsicher, ob beziehungsweise wen sie wählen werden.

Bildung von Mehrheiten in Sachsen-Anhalt wird wohl schwierig

Sollte die AfD eine absolute Mehrheit bekommen, könnte sie allein regieren. Danach sieht es nach den neuesten Umfragen aber eher nicht aus. Zudem hat Spitzenkandidat Siegmund erklärt, er wolle sich nur bei einer "stabilen (eigenen) Mehrheit" im Landtag zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Das zweite, den Erhebungen zufolge wahrscheinlichere Szenario, ist ein Ergebnis, bei dem die AfD als Wahlsieger auf Bündnispartner angewiesen wäre – die es im künftigen Landtag eher nicht geben dürfte.

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Für eine Neuauflage der bisherigen Koalition aus CDU, SPD und FDP wird es sehr sicher nicht reichen. Für Schulzes Wunschszenario, eine Mehrheit für die sogenannten Parteien der Mitte – etwa für CDU, SPD und Grüne –, stehen die Chancen schlecht.

Am wahrscheinlichsten ist derzeit, dass es keine absolute Mehrheit für die AfD und keine Mehrheit jenseits der AfD ohne die Linke gibt. Wie unter diesen Bedingungen eine Regierungsbildung aussehen würde, ist offen. Die bisherige Regierung würde einstweilen geschäftsführend im Amt bleiben.

Wahlforscher erwarten keine Überraschung wie 2021

Eine Überraschung wie vor fünf Jahren, als die AfD am Wahltag letztlich schwächer als in vorherigen Umfragen abschloss und die CDU deutlich stärker als vermutet, erwarten die großen Wahlforschungsinstitute diesmal nicht. "Wir rechnen nicht mit einem so großen Mobilisierungseffekt in den letzten Tagen wie 2021", sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, der Deutschen Presse-Agentur.

Damals habe der vergleichsweise populäre Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die AfD-Gegner hinter sich versammeln können. "Dieses Mal teilen sich die AfD-Gegner breiter auf verschiedene Parteien auf", gab Jung zu bedenken. Ähnlich äußerten sich die Chefs der Meinungsforschungsinstitute Infratest dimap und Insa.

Vor der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt hatte die CDU in Umfragen nur knapp vor, teils sogar hinter der AfD gelegen. Am Ende gewann sie aber mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung.