Vor sechs Jahren stellte das Krankenhaus in Havelberg den Betrieb ein. Wie schlecht es seither um die medizinische Versorgung in der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt steht, schildert nun eine frühere Krankenschwester in der ARD-Doku "Land unter Druck - 50 Stimmen aus dem Volk".
Knapp eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sowie drei Wochen vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sucht die ARD nach einem Stimmungsbild im Osten. Auch die Kleinstadt Havelberg in Sachsen-Anhalt ist Gegenstand der Dokumentation "Land unter Druck - 50 Stimmen aus dem Volk". Dort, erzählt Sandra Braun, kämpfe man stetig um den Erhalt der ohnehin schon dürftigen Infrastruktur.
Besonders schlecht stehe es um die medizinische Versorgung, wie die ehemalige Krankenschwester im Film erklärt. "Das Krankenhaus wurde geschlossen vor sechs Jahren." Trotz Protesten aus der Bevölkerung habe sich daran bis heute nichts geändert. "In jedes Krankenhaus hier in unserer Umgebung braucht man im Prinzip eine Stunde", schildert die frühere Pflegekraft.
"Die Leute werden dann in Stendal oder in jedem Krankenhaus heutzutage bei Nacht und Nebel vor die Tür gesetzt", erzählt Braun weiter. "Und es gab Leute, die da drei Stunden auf der Bank vor dem Krankenhaus gesessen haben, bis überhaupt der erste Bus zum Bahnhof gefahren ist und von dort aus dann irgendwann der Bus nach Hause." Die Busverbindungen aus einigen Dörfern im Landkreis Stendal sei "so schlecht, dass in Ferienzeiten die Leute nicht mal mit dem Bus einkaufen fahren können", klagt sie.
"In die Landespolitik haben wir jegliches Vertrauen verloren"
Gerade einmal drei Hausärzte gebe es noch, erzählt eine weitere Bewohnerin, zwei davon ständen kurz vor der Rente. Fachärzte gebe es ohnehin nicht. Die notdürftige Lösung für die Bevölkerung in Havelberg: "Was wir jetzt bekommen haben, ist ein Orthopäde, gleichzeitig Chirurg, der für drei Stunden an einem Dienstag über die Elbe von Seehausen zu uns kommt und eine kleine Sprechstunde macht", erzählt Sandra Braun.
Die ehemalige Klinik-Mitarbeiterin, die sich seit geraumer Zeit in einer Bürgerinitiative engagiert, ist enttäuscht. "Die Versorgung ist einfach nur ganz schlecht", findet sie. "Wenn es einen nicht so wütend machen würde, würde man sich auch nicht so viel Zeit ans Bein binden mit so einem Verein." Die Seniorin stellt klar: "In die Landespolitik haben wir jegliches Vertrauen verloren."
Die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen könne sie gut nachvollziehen. "Wenn man die Politik im Allgemeinen betrachtet, kann ich den ein oder anderen Bürger verstehen, der sich vielleicht dorthin orientiert, wo nicht mein Lager ist." Eine weitere Aktivistin pflichtet ihr bei: "Wer so Politik macht - der braucht sich nicht wundern über die Entwicklung hier."
Die gesamte Dokumentation "Land unter Druck - 50 Stimmen aus dem Volk" gibt es in der ARD Mediathek zu sehen.