Rente: Kanzler Merz spricht Machtwort - trotz Widerstand aus der CDU
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Donnerstag, 27. August 2026
Bis Ende des Jahres will die Regierung ihr Reformpaket durchsetzen. Von ihrem Kurs will sie sich nicht abbringen lassen - auch nicht durch Zwischenrufe von Wahlkämpfern aus den Ländern.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant, die geplante Rentenreform trotz Widerstandes, auch aus den eigenen Reihen, ohne größere Modifikationen durchzusetzen. Nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg sprach der Kanzler in der hitzigen Debatte ein Machtwort und wies die Forderung von drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten nach Beibehaltung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren zurück. "Wir sind uns einig, dass wir alle Anreize zur Frühverrentung beenden müssen. Und dabei muss es auch bleiben. Das ist ein Kernstück der Reform."
Ein weiteres Konfliktthema in der Koalition scheint zumindest vorübergehend vom Tisch zu sein. Die Forderung der SPD, als Lehre aus der Hitzewelle den Klimaschutz durch eine Grundgesetzänderung zu stärken, spielte bei der Klausur keine Rolle mehr. Schwarz-Rot will stattdessen für eine bessere Verzahnung von Maßnahmen sorgen und konkrete Hilfen prüfen. "Es mangelt uns nicht an Programmen und es mangelt nicht an Geld", sagte Merz.
Merz spricht Machtwort in Rentendebatte und will "Missmut abschütteln"
Bei der abschließenden Pressekonferenz rief der Kanzler zu mehr Zuversicht auf. "Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses. Wir müssen gemeinsam diesen weit verbreiteten Missmut abschütteln, der unser Land seit langer Zeit lähmt", sagte er.
Insgesamt präsentierte sich das Kabinett am neuen Tagungsort, dem Schloss Neuhardenberg in Brandenburg, überwiegend geschlossen und in guter Stimmung.
Dem schwarz-roten Bündnis stehen jedoch herausfordernde Wochen bevor. Im September stehen drei Landtagswahlen an, die zu größeren Erschütterungen der Koalition führen könnten. In den Umfragen sieht es für CDU und SPD nicht besonders gut aus. In Sachsen-Anhalt könnte sogar erstmals die AfD an die Macht kommen.
Klingbeil mahnt Geschlossenheit an
Klingbeil äußerte sich nach der Klausur nicht ganz so euphorisch wie Merz. Er traue der Bundesregierung zu, das Land durch Investitionen und Reformen aus der schwierigen wirtschaftlichen Lage herauszuführen, sagte er zwar, verband das aber auch mit einer Mahnung: "Klar muss eben auch sein: Wir brauchen eine Geschlossenheit." Zuletzt hatten Vertreter der Union die von Klingbeil vorgelegte und in der Koalition bereits geeinte Einkommensteuerreform stark kritisiert. Klingbeil warnte davor, die geplanten Entlastungen kleinzureden.
Der Vizekanzler kritisierte auch, dass ein fachliches Diskussionspapier aus seinem Ministerium zur Zuckersteuer an die Öffentlichkeit gelangte. Mitarbeiter der Ministerien müssten die Gelegenheit zur internen fachlichen Debatte haben.