Schwarz-Gruppe baut riesiges Rechenzentrum bei Rostock
Autor: André Ballin und Julian Weber, dpa
, Donnerstag, 27. August 2026
Aufschwung Ost? In Mecklenburg-Vorpommern baut die Schwarz-Gruppe für einen Milliardenbetrag ein Großrechenzentrum. Ausschlaggebend für den Standort ist demnach die verfügbare Energie durch Windkraft.
Die für ihre Handelsketten Lidl und Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe will 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Geplant sei der Aufbau eines Datacenters mit einer Kapazität von 240 Megawatt bis 2033, teilte das Unternehmen mit. «Wir wollen, dass digitale Souveränität, digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa stattfindet», sagte der Chef der Schwarz-Gruppe, Gerd Chrzanowski. In Brandenburg baut Schwarz bereits ein ähnlich großes Rechenzentrum. Die Investitionskosten belaufen sich dort auf elf Milliarden Euro.
Chrzanowski betonte bei der Vorstellung des Projekts in Schwerin, dass auch in Mecklenburg-Vorpommern ein zweistelliger Milliardenbetrag als Investition im Raum steht. «Der Standort zeichnet sich dadurch aus, dass wir hier die Kapazität haben, ein sehr, sehr großes Rechenzentrum zu bauen», sagte er. Bis 2045 könne es in einer zweiten Ausbaustufe auf eine Anschlussleistung von bis zu einem Gigawatt vergrößert werden. Vom Land kommen nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) Förderungen von bis zu 120 Millionen Euro für die Anlage.
Investor mit Sitz in Baden-Württemberg
Die Schwarz-Gruppe als Investor ist mit über 600.000 Mitarbeitern weltweit insbesondere für ihre Handelsketten bekannt, seit Jahren aber auch mit der Sparte Schwarz Digits als IT-Dienstleister unterwegs. Diese bietet Leistungen wie Cloud-Dienste und Cybersicherheit an.
Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr machte Digits einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro - ein Wachstum auf Jahressicht von 16 Prozent. Das Plus ging demzufolge wesentlich auf die wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen zurück. Schwarz Digits ist insgesamt eine von fünf Sparten der Gruppe, die zuletzt einen Gesamtumsatz von 185,6 Milliarden Euro auswies. Den größten Anteil daran haben nach wie vor Lidl und Kaufland. Die Schwarz-Gruppe sowie die Sparte Digits sitzen bei Heilbronn in Baden-Württemberg.
Digitale Souveränität bedeutet, dass Firmen und Staaten selbst bestimmen, wo ihre Daten gespeichert sind und wer darauf zugreifen kann - unabhängig von US-amerikanischen oder chinesischen Technologiekonzernen. Schwarz will sich als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure aufstellen.
Rechenzentren für den gesamten Datenverkehr wichtig
In den Rechenzentren stehen große Server und Computer, in denen Daten gespeichert, verarbeitet und verteilt werden. Sie sind für Unternehmen wichtig, die dort ihre Firmendaten speichern, aber auch für ganz normale Bürger. Jedes Mal, wenn jemand ein Video auf seinem Handy anschaut oder etwa eine Mail schickt, läuft der Datenverkehr über ein solches Rechenzentrum.
In Dummerstorf sollen die Kapazitäten zunächst einmal für den Bedarf der Schwarz-Gruppe selbst genutzt werden - also für Daten aus Liefer- und Bestellprozessen, Bezahlvorgängen und Kundenbindungsprogrammen. Gleichzeitig stärke das Rechenzentrum die weitere Entwicklung und Skalierung souveräner IT-Lösungen, hieß es in einer Pressemitteilung.