Dass Kunden so sparsam konsumieren, bringt vor allem stationäre Modehändler in Schwierigkeiten. Der Branchenverband bezeichnet die Lage als «dramatisch».
Das kalte Januarwetter in Deutschland hat nicht jeden gestört. Viele Menschen kauften Jacken, Schals und Mützen. Das stimmte zumindest einige Modehändler versöhnlich. Über die Probleme der Branche kann dies jedoch nicht hinwegtäuschen. Sparsame Kunden, hohe Kosten, Bürokratie und die zunehmende Konkurrenz durch asiatische Händler: Die Liste ist lang.
Der Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren (BTE) zieht eine negative Bilanz für 2025 - und blickt kaum zuversichtlich nach vorn. Besonders angespannt ist die Lage im stationären Geschäft. Wie aus einer Verbandsumfrage hervorgeht, landete im vergangenen Jahr jeder zweite Bekleidungshändler operativ in den roten Zahlen.
BTE-Präsident Mark Rauschen nennt die Entwicklung «dramatisch». Es bestehe die Gefahr, dass bestehende stationäre Handels- und Versorgungsstrukturen vollends wegbrechen. «Der Exitus unserer Branchen muss gestoppt werden.» Er spricht von einem «Horrorszenario».
Onlineanteil von über 40 Prozent
Stationäre Geschäfte, Warenhäuser, Lebensmittel- und Onlinehändler setzten 2025 mit Bekleidung hierzulande laut BTE gut 57,1 Milliarden Euro um. Nominal entspricht das einem Zuwachs von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Preisbereinigt ergibt sich jedoch ein Minus von etwa zwei Prozent. Noch stärker fiel der Rückgang im Schuhhandel aus, der knapp 11,5 Milliarden Euro umsetzte.
Deutlich besser als stationär lief es zuletzt im Onlinegeschäft. Der Verkauf von Mode und Accessoires hat sich stark ins Internet verlagert. Mehr als 40 Prozent der Umsätze entfallen bereits auf den Onlinehandel. Keine andere Branche erzielt im Netz höhere Umsätze.
Zu den Treibern zählen Onlinehändler wie Temu und Shein. Der BTE schätzt, dass der Branche in Deutschland durch die asiatischen Portale im vergangenen Jahr etwa drei Milliarden Euro Umsatz entgangen sind. Die Anbieter sind umstritten. Handelsvertreter und Verbraucherschützer kritisieren unter anderem geringe Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Viele Verbraucher kaufen dennoch regelmäßig bei Temu und Shein, vor allem wegen der niedrigen Preise.
Insbesondere der stationäre Handel gerät dadurch unter Druck. Um Kunden zu ködern und konkurrenzfähig zu sein, setzen viele Unternehmen auf Rabattaktionen - auch wenn sie dafür auf Gewinn verzichten müssen. Die Folge war zuletzt vielerorts ein scheinbar nicht endender Dauer-Sale im wichtigen Jahresendgeschäft, bis hinein in den Januar. Ein Grund dafür waren auch volle Lager. Die Händler brauchen Platz für die neuen Kollektionen.