Zu Thiels Netzwerk gehört auch die von ihm mitgegründete «Dialog Society». Nach einem Datenleak veröffentlichte das US-Magazin «Wired» zuletzt Informationen zu Teilnehmern des Netzwerks, darunter US-Regierungsvertreter, ausländische Regierungsmitglieder und Führungskräfte aus dem Silicon Valley. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn nahm in der Vergangenheit mehrfach an Treffen teil. Er verteidigte das mit der Bedeutung des Austauschs auch mit Menschen, deren Meinung er nicht teile.
Zweifel an der liberalen Demokratie
Für Kritik sorgen nicht nur Thiels politische Verbindungen, sondern auch eigene Äußerungen. In einem Essay schrieb er 2009, er glaube nicht länger daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien.
Döpfner kennt die Kritik, bewertet Thiel aber anders. «Ich halte ihn für einen der inspirierendsten und interessantesten Denker.» Die einen bezeichneten ihn mit Verweis auf ein einziges Zitat aus dem Jahr 2009 als Antidemokraten, andere sähen in ihm jemanden, der die Demokratie stärken oder retten wolle und gerade deshalb anders diskutiere. «Das macht uns neugierig.»
Döpfner erzählt, er habe Thiel nach dessen Unterstützung für Trump 2016 direkt gefragt, was dieser in dem Republikaner sehe. Thiel habe ihm sinngemäß erklärt, es sei völlig egal, wie gut oder schlecht Trump sei. Es brauche einen Disruptor, um eine verkrustete und nicht mehr funktionsfähige, dysfunktionale Regierung herauszufordern.
Debatten über Religion und den «Antichristen»
Zuletzt rückten auch Thiels religiöse und apokalyptische Vorstellungen stärker in den Fokus. Der Deutschlandfunk zeichnete in einem ausführlichen Porträt Thiels politische und religiöse Gedankenwelt nach. Demnach beschäftigt sich der Investor unter anderem mit dem theologischen Konzept des «Katechon», des «Aufhalters», der den Antichristen und das Ende der Welt zurückhält.
Wie kontrovers Thiel inzwischen auch in Europa gesehen wird, zeigte sich in diesem Jahr in Wien. Die Wiener Festwochen wollten mit ihm unter dem Titel «Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik» öffentlich diskutieren. Nach wachsender Kritik und Absagen beteiligter Künstler strich das Festival die Veranstaltung. Die Absagen hätten das Programm in «untragbarem Umfang» geschwächt, teilten die Festwochen mit.
Es gab allerdings auch Gegenstimmen. Zahlreiche Festivalbesucher hatten sich bei einem öffentlichen Forum für die Veranstaltung ausgesprochen. Sie sahen darin eine Gelegenheit, Thiel mit Kritik und Gegenargumenten zu konfrontieren.
Protest im Springer-Gebäude
Auch im Berliner Springer-Gebäude wurde gegen die Auszeichnung protestiert. In einem Aufzug hingen Zettel gegen die Ehrung Thiels. Döpfner spricht von «dieser einen anonymen Aktion». Man wisse bis heute nicht, ob tatsächlich Springer-Beschäftigte oder Personen von außerhalb des Unternehmens die Zettel aufgehängt hätten.
Thiel selbst soll bei der Preisverleihung in Berlin sprechen und sich auch Fragen stellen. Springer begründet die Auszeichnung vor allem mit seinen Leistungen als Unternehmer und Investor. Mit dem nicht dotierten Axel Springer Award werden nach Angaben des Medienhauses Persönlichkeiten geehrt, die in herausragender Weise als Unternehmer Märkte verändern. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Tesla-Chef Elon Musk und der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee.
Am 24. September soll Thiel nun den Preis in Berlin entgegennehmen.