Deutsche Bischöfe preschen vor - und der Papst bremst. Einmal mehr gibt es Gegenwind für katholische Reformversuche aus dem Vatikan. Wie geht es nun weiter?
Wegen seiner Kritik an Donald Trump bekommt Papst Leo XIV. gerade auch in Deutschland viel Zuspruch. Doch jetzt hat das Oberhaupt der katholischen Kirche klargemacht, dass er die traditionell konservative Linie beim Thema Homosexualität beibehalten wird. Das ist besonders für die deutschen Katholiken ein Problem, die sich dabei weit vorgewagt haben.
Auf dem Rückflug von einer langen Afrika-Reise stellte Leo klar, der Vatikan sei mit einer weitergehenden Liberalisierung «nicht einverstanden». Insbesondere in Afrika lehnten große Teile der Kirche jede Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ab.
Bischof Bätzing verteidigt deutschen Liberalisierungskurs
Der Papst reagierte damit auf das Vorgehen von Kardinal Reinhard Marx, der in seinem Erzbistum München und Freising die förmliche Segnung homosexueller Paare kürzlich mit einem Schreiben offiziell erlaubt hatte. Marx lehnte es ab, auf die Kritik des Papstes zu reagieren.
Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der reformorientierte Limburger Bischof Georg Bätzing, verteidigte das deutsche Vorgehen dagegen. Segensfeiern für homosexuelle Paare gingen «auf den Wunsch von katholischen Menschen in solchen Partnerschaften ein, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen», die ihre «gelebte Treue und Verantwortung» aber dennoch unter den Segen Gottes stellen wollten, sagte Bätzing der Deutschen Presse-Agentur. Auch wenn solche Feiern nicht gänzlich auf der Linie des Vatikans seien, stünden sie nach seiner Überzeugung doch «in einem verantwortbaren Rahmen, der die Einheit der Kirche nicht gefährdet».
Anfragen der dpa bei anderen Bistümern ergaben meist nur die Antwort: kein Kommentar. Ebenso wenig wollte die Deutsche Bischofskonferenz reagieren. Die deutschen Oberhirten hatten sich seit der Wahl des neuen Papstes bereits überwiegend bedeckt gehalten, um erst einmal abzuwarten, wie dessen Meinung in dieser kirchenpolitisch brisanten Frage ausfallen würde.
Traditionell ist Homosexualität für die Kirche eine Sünde
Nach traditioneller katholischer Auffassung ist Homosexualität eine Sünde. Umfragen unter deutschen Katholiken haben jedoch immer wieder gezeigt, dass eine überwältigende Mehrheit den dringenden Wunsch hat, dass die Kirche auf queere Menschen zugeht und sie nicht mehr diskriminiert. In anderen westlichen Ländern ist es ähnlich - aber in Afrika, wo die Zahl der Katholiken stark zunimmt, gibt es erhebliche Vorbehalte. 2023 hatte der inzwischen verstorbene Papst Franziskus Segnungen von homosexuellen Paaren mit Einschränkungen zugelassen - dies war offenbar als Kompromiss gedacht.
Die Deutschen Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erarbeiteten 2025 eine Handreichung dazu, wie Segensfeiern für homosexuelle Paare aussehen könnten. Die Handreichung gilt allerdings nur dort, wo der örtliche Bischof sie auch in Kraft gesetzt hat.