Der dpa sagte er, die deutsche und andere westlichen Regierungen müssten nach mehr als vier Jahrzehnten ihre Herangehensweise verändern. Eine Beschwichtigungspolitik in Erwartung von Reformen bringe nichts.
Keine Treffen mit Bundesregierung
Treffen mit deutschen Regierungsmitgliedern waren nicht geplant. Dazu sagte er, es sei bedauerlich, dass die Regierungsbehörden hierzulande nicht offen seien für einen Dialog mit den Menschen, die die Stimme des Volkes repräsentierten. Doch stünden diese auch unter Druck, weil sie Erpressungsversuche der «Regimekräfte» – etwa Geiselnahmen - berücksichtigen müssten. «Ich bin nicht hier, um für mich selbst zu werben», betonte er.
Kritisch äußerte er sich zur Medienberichterstattung im Westen über die Gespräche der US-Regierung mit der Regierung in Teheran. Den Menschen im Iran gehe es nicht um «sogenannte Diplomatie» oder Feuerpausen, sondern um Freiheit und einen Machtwechsel.
Pahlavi wollte am Nachmittag den Unions-Außenpolitiker Armin Laschet und Außenpolitiker anderer Bundestagsfraktionen treffen. Das kritisierte Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag. «Der Sohn des Schahs ist kein glaubwürdiger Demokrat - dessen sollten sich die in Rede stehenden Abgeordneten des Bundestags klar sein», sagte sie. Er stehe für «restaurative Machtvorstellungen» statt echter demokratischer Erneuerung. Laschet entgegnete der Kritik in der ARD, Pahlavi sei das einzige Oppositionsgesicht, das man kenne. Für viele Iraner sei er erst einmal die Alternative zum «Mullah-Regime».
Polizei und Armee zum Überlaufen aufgerufen
Wie viel Rückhalt Pahlavi im Land tatsächlich hat, ist unklar. Mit Beginn der Massenproteste im Januar hatte er einen Machtwechsel gefordert und Polizei und Armee zum Überlaufen aufgerufen. Die Proteste damals wurden dann aber brutal niedergeschlagen und Tausende getötet.
Teile der iranischen Gesellschaft sehen Pahlavi auch kritisch, weil sein Vater mit harter Hand regierte: Die Opposition wurde unterdrückt, Kritiker landeten im Gefängnis und ein berüchtigter Geheimdienst ging brutal gegen Gegner vor. Gleichzeitig haben andere Iraner auch positive Erinnerungen, denn der Schah entwickelte das Land mit Reformprojekten und enger Bindung an den Westen.
Eine 48-jährige Demonstrantin vor dem Reichstag, mit acht Jahren aus dem Iran geflüchtet, sagte der dpa: «Ich hoffe, das Herr Pahlavi die Menschen im Iran zu einer anständigen Politik und Führung führt. Ich schätze seine Arbeit sehr – und ich vertraue ihm.»
1967 Proteste gegen Schah-Besuch
Auch in Deutschland ist die Geschichte der Pahlavi-Dynastie eng mit politischem Protest verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin im Jahr 1967 kam es zu heftigen Demonstrationen. Der Student Benno Ohnesorg wurde am Rande von einem Zivilpolizisten erschossen – ein Ereignis, das bundesweit Empörung auslöste und als Zäsur für die westdeutsche Studentenbewegung gilt.