Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken - und dazu Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung persönlich schwergefallen. «Wir hoffen, dass wir das in der Größenordnung in den nächsten Jahren nicht mehr machen müssen», sagte Hartung.
Im September hatte der Konzern angekündigt, rund 13.000 weitere Stellen zu streichen - zusätzlich zu laufenden Programmen. An mehreren Standorten wird darüber aktuell noch verhandelt. Klar ist aber schon: Um langfristig beim Personal sparen zu können, muss Bosch richtig tief in die Tasche greifen.
«Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis erheblich», sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt - beispielsweise für Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen.
Ende 2025 beschäftigte die Gruppe rund 412.400 Menschen auf der ganzen Welt - 5.400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich eine Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Überproportional von der Entwicklung betroffen war Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren es zuletzt rund 123.100 Menschen - und damit 6.500 oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.
Zukunftsprojekte: Teuer - und werfen (noch) wenig ab
Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen, bestimmte Chips - in all diesen Bereichen wollen die Schwaben künftig gut aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht auf.
Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich vorfinanzieren, sagte Forschner. «Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist als ursprünglich erwartet.»
Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im Schaufenster stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu, als ursprünglich erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt aber auch andere Beispiele: Bereits länger hat der Konzern einen Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist nach der Pleite eines Hauptkunden aber überschaubar. Bis sich das System für Bosch auszahlt, dürften Jahre vergehen.
Kauflaune im Keller
Bosch ist nicht nur der weltgrößte Autozulieferer. Die Produkte des Konzerns finden sich auch in zahlreichen Haushalten. Viele Menschen halten wegen der mauen Wirtschaftslage ihr Geld aktuell aber lieber zusammen. Kühlschränke, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge und Gartengeräte verkauften sich zuletzt schlechter. Die Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt. Nur in diesem Bereich ging der Umsatz 2025 zurück.
Wenn doch geshoppt wird, dann oft günstiger - und bei Anbietern aus Fernost. Gerade in Deutschland könne man zum Beispiel beobachten, dass weniger und preiswertere Küchen gekauft werden, sagte Hartung.
Mit spürbaren Folgen für die Hausgeräte-Tochter BSH: Ihre zwei deutschen Herdwerke seien zuletzt nur noch bis maximal zur Hälfte ausgelastet gewesen. Der Kern der Produktion sei aber eine Emaillierungsanlage, die sehr viel Energie benötige. «Wenn man die nur zur Hälfte betreibt, hat man gigantische Kosten».
Letztlich habe man sich aufgrund dieser «katastrophalen ökonomischen Situation» dazu entschieden, eines der Werke zu schließen. Das sei bitter gewesen, sagte Hartung. Zu BSH gehören die Marken Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau. Mit fast identischen Problemen hat auch die Elektrowerkzeug-Sparte zu kämpfen. Die Folge sind auch dort Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland.
Wie geht es 2026 weiter?
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine Entspannung. «Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken», sagte Forschner. Er rechnet aber mit deutlichen Fortschritten bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen - und mit einer entsprechend besseren Ertragslage. Die für Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde man allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9 Prozent.
Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wird im April erwartet. Dann präsentiert Bosch die vollständigen und geprüften Jahreszahlen - darunter auch den Nettogewinn.