Als erste Stellantis-Marke stellt Opel ein neues Elektro-Modell auf eine chinesische Plattform. Der VW-Rivale will die technologische und kommerzielle Zusammenarbeit mit China deutlich ausbauen.
Der nächste Opel-SUV wird kräftige chinesische Gene in sich tragen. Das Elektrofahrzeug soll in enger Kooperation mit dem chinesischen Autobauer Leapmotor entwickelt und in Europa gebaut werden, kündigte Opel-Chef Florian Huettl am Freitag an. Die eigene Entwicklungsabteilung am Stammsitz Rüsselsheim wird hingegen weiter eingedampft.
Die deutsche Tochter Opel wird mit dem Projekt zum Pionier im Multi-Marken-Konzern Stellantis, dessen eigene Elektrostrategie insbesondere in den USA zu Milliardenverlusten geführt hat. Stellantis kündigte zeitgleich eine engere Zusammenarbeit mit Leapmotor an. Neben dem gemeinsamen Einkauf und dem Zugang zu fortgeschrittener, preisgünstiger Elektro- und Digitaltechnologie steht die Auslastung der Stellantis-Autofabriken in Europa im Blickpunkt der Verhandlungen.
Leapmotor und Opel vom gleichen Band
Die Entwicklung des noch namenlosen Elektro-SUV in der Kompaktklasse hat laut Opel bereits begonnen und soll in Rekordzeit zu einem Produktionsbeginn im Sommer 2028 führen. Das Auto soll im Stellantis-Werk im spanischen Saragossa gebaut werden, wo bereits seit Jahrzehnten der Opel Corsa vom Band läuft.
Dort will Leapmotor noch in diesem Sommer die Produktion des eigenen SUV B10 beginnen, wie das Unternehmen gemeinsam mit Stellantis ankündigte. Der B10 tritt mit einer Länge von 4,52 Metern in derselben Klasse an wie der geplante neue Opel und konkurriert auch mit dem in Eisenach montierten Opel Grandland. Die Produktion eines weiteren Leap-Modells ist für 2028 im Werk Villaverde bei Madrid geplant, wo perspektivisch der Citroën C4 ausläuft. Der erste Versuch einer europäischen Produktion in einem ehemaligen Fiat-Werk in Polen war 2025 ohne Angabe von Gründen wieder eingestellt worden.
70 Prozent Wertschöpfung in Europa
Im Interview mit dem «Focus» hat Leapmotor-Chef Zhu Jiangming vor wenigen Tagen die Europa-Strategie seines Unternehmens erklärt: «Um die europäischen Zölle zu umgehen, die einen Mindestanteil von 70 Prozent lokaler Wertschöpfung vorschreiben, wird die Produktion – wie in den meisten Werken – vollständig lokal erfolgen. Das ist unser Ziel.» Stellantis hält eine Minderheit von 21 Prozent an dem Hersteller und hat mit ihm eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft gegründet, die auf die Infrastruktur der Stellantis-Marken zurückgreifen kann.
Stellantis-Chef Antonio Filosa sieht in dem Ausbau der Partnerschaft eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Laut einer Mitteilung sagte er: «Sie wird die Produktion ankurbeln und die Lokalisierung von erstklassiger Elektrofahrzeug-Fertigung zu erschwinglichen Preisen in Europa vorantreiben.»
Der Stellantis-Konzern mit französischen und italienischen Wurzeln nimmt damit einen anderen Weg als Volkswagen, das seit 2023 im Einklang mit seiner Strategie «In China, für China» zunehmend dort Fahrzeuge entwickelt. Die Wolfsburger kooperieren dort unter anderem mit dem E-Auto-Bauer Xpeng. In Hefei der Provinz Anhui betreiben die Wolfsburger inzwischen ihr größte Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands.